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Nierenkrebs



(Nierenzellkarzinom; Grawitz-Tumor; Hypernephrom)


Was ist ein Nierenzellkarzinom?


Das Nierenzellkarzinom ist ein bösartiger Tumor des Nierengewebes. Mit zwei bis drei Prozent aller Krebserkrankungen ist er relativ selten.

In Deutschland erkranken pro Jahr etwa 5.700 Frauen und 8.300 Männer neu an Nierenkrebs. Der Altersgipfel liegt zwischen 60 und 70 Jahren.

Die Ursachen für die Entstehung von Nierenkrebs sind nicht bekannt. Das Risiko zu erkranken ist jedoch beim Umgang mit bestimmten schädliche Substanzen (z. B. Cadmium, Trichlorethen), Zigarettenrauchen, bestimmte Nierenerkrankungen (z. B. Zystennieren) oder durch das Auftreten von Nierenzellkarzinomen in der Familie oder Verwandtschaft erhöht.

Welche Beschwerden macht ein Nierentumor?


Die Betroffenen verspüren in der Regel erst bei fortgeschrittenem Tumorwachstum Beschwerden. Deshalb werden die meisten Nierenzellkarzinome zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) des Bauchs oder einer Röntgenschichtaufnahme (Computertomografie) entdeckt.

Größere Tumore verursachen Bauch- und Flankenschmerzen sowie blutigen Urin (Hämaturie). Unter Umständen ist der Tumor bei der körperlichen Untersuchung zu tasten. Bei Männern kann ein plötzlich auftretender Krampfaderbruch im linken Hoden (Varikozele) auf einen Einbruch des Tumors in die linke Nierenvene hindeuten.

Knochenschmerzen entstehen bei Tumoraussaat (Metastasierung) in den Kochen, Kurzatmigkeit und Husten bei Metastasen in der Lunge. Unklare Gewichtsabnahme, Abgeschlagenheit und Blutarmut sind allgemeine Symptome einer Krebserkrankung.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?


Besteht aufgrund der Krankengeschichte und der körperlichen Untersuchung der Verdacht auf ein Nierenzellkarzinom, leitet der Arzt weitere Maßnahmen ein. Mithilfe einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) kann man auch kleine Nierentumore erkennen. Darüber hinaus können gutartige Zysten abgegrenzt werden. Um den Allgemeinzustand des Patienten zu beurteilen, wird Blut abgenommen und untersucht. Eine Urin-Analyse zeigt, ob mit dem Urin Blut ausgeschieden wird.

Mit einer Röntgendarstellung des harnableitenden Systems (Urografie) werden andere Tumoren des Harntrakts (z. B. Nierenbeckentumor, Harnleitertumor) unterschieden und indirekt wird die Nierenfunktion beurteilt. Dafür wird in eine Vene ein Röntgenkontrastmittel gespritzt, das innerhalb kurzer Zeit über die Nieren ausgeschieden wird. Um den Harntrakt darzustellen werden dann im Abstand von einigen Minuten Röntgenaufnahmen angefertigt.

Bei der Computertomografie (CT) werden Schnittbilder des Körpers angefertigt. Die Untersuchung gibt Auskunft über Art, Größe und Sitz der krankhaften Veränderung. Zudem kann ein Befall der Nebenniere, die kappenartig auf dem oberen Pol der Niere sitzt, sowie das Wachstum des Tumors in die Nierenvene oder untere Körperhohlvene festgestellt werden. Die Computertomografie ist für das operative Vorgehen von großer Bedeutung. Ein ähnliches Verfahren, die Magnetresonanztomografie (MRT), ist bei Patienten mit Kontrastmittelallergie und bei Nierenfunktionseinschränkungen (Niereninsuffizienz) sinnvoll.

Eine Darstellung der Nierengefäße (Angiografie) ist nur bei unklarer Diagnose bzw. in seltenen Fällen zur Vorbereitung eines operativen Eingriffs sinnvoll.

Ist die Diagnose eines Nierenzellkarzinoms gesichert, wird zum Aufspüren möglicher Tochtergeschwülste (Metastasen) eine Röntgenaufnahme der Lungen, eine Ultraschalluntersuchung oder ein CT der Leber sowie ggf. eine Knochenszintigrafie durchgeführt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen zur Verfügung?


Operative Therapie
Die operative Entfernung des Nierenzellkarzinoms und der betroffenen Niere ist das therapeutische Verfahren der Wahl. Die Nieren regulieren den Blutdruck, die Salzverteilung im Körper und die Wasserausscheidung. Wenn eine Niere operativ entfernt wurde, übernimmt die gesunde Niere die komplette Funktion.

Bei ausreichender Funktion der zweiten, gesunden Niere strebt man die radikale Entfernung der vom Krebs befallenen Niere an. Dabei werden die betroffene Niere, die Nierenfettkapsel, die nierennahen Lymphknoten sowie evtl. die Nebenniere entfernt. Die Operation erfolgt über einen Flanken- oder Bauchschnitt. In einigen Kliniken wird der operative Eingriff mittels einer Bauchspiegelung (laparoskopisch) durchgeführt.

Falls die gegenseitige Niere nur eingeschränkt arbeitet, können kleinere Tumore unter Erhalt eines ausreichend funktionierenden Nierenrestes entfernt werden. Vorrang hat aber immer die Tumorfreiheit des Patienten, denn nur dadurch ist eine komplette Heilung möglich. Dies gilt auch, wenn nach der Operation eine Dialysebehandlung (Blutwäsche) notwendig ist.

Tochtergeschwülste (Metastasen) sollten in Abhängigkeit von Anzahl und Sitz ebenfalls operativ entfernt werden. Sie treten bevorzugt in Lymphknoten im Bereich der Niere, in der Lunge, später auch in den Knochen und den Nebennieren auf.

Je umfangreicher die Operation und je mehr Gewebe und Organe vom Krebs befallen sind, desto mehr Komplikationen und Beschwerden können auftreten. So kann es zu Verletzungen von anderen Organen, von Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen können. Infektionen, vor allem im Bereich der Wunde, sind möglich und schlimmstenfalls kommt es zu einer Blutvergiftung. Blutgerinnsel (Thrombosen und Embolien) sind in der Regel selten. Nach der Operation können Verwachsungen entstehen, die insbesondere bei größeren Bauchoperationen gelegentlich zu Darmverschlüssen führen und dann zu einer Nachoperation zwingen.
Über die Risiken der Narkose klärt vor der Operation ein Narkosearzt auf (Anästhesist). Er bespricht mit dem Patienten das individuelle Risiko und passt die Narkose entsprechend an.

Strahlentherapie
Nierenzellkarzinome sprechen nicht gut auf eine Strahlentherapie an. Zur Heilung des Patienten eignet sich die Bestrahlung demnach nicht. Bei Knochenschmerzen infolge von Knochenmetastasen kann eine Bestrahlung allerdings die Beschwerden lindern und die Gefahr eines Knochenbruches vermindern.

Immuntherapie
Der Begriff Immuntherapie umfasst verschiedene Verfahren, die das körpereigene Abwehrsystem bei der Tumorbekämpfung unterstützen.

Studien haben belegt, dass die Behandlung mit bestimmten Medikamenten (Interleukin-2 und Interferon-alpha) den Tumor verkleinern und die Überlebenszeit verlängern kann.

Die Wirksamkeit anderer Verfahren ist noch nicht belegt und derzeit noch Gegenstand wissenschaftlicher Untersuchungen. Die Immuntherapie stellt noch keine Standardtherapie des Nierenzellkarzinoms dar.

Chemo- und Hormontherapie
Medikamente, die bei einer Chemotherapie zur Behandlung einer Krebserkrankung eingesetzt werden, nennt man Zytostatika. Dabei handelt es sich um Zellgifte, die Krebszellen eher angreifen als gesunde Zellen. Sie wirken vor allem auf sich teilende Zellen. Da sich Krebszellen sehr rasch und häufig teilen, werden sie bevorzugt zerstört.

Beim Nierenzellkarzinom jedoch sind die zur Verfügung stehenden Substanzen nicht ausreichend wirksam und haben zu keiner Verbesserung der Überlebensdauer und -häufigkeit geführt.

Welche Nachsorgeuntersuchungen sind notwendig?


Die regelmäßige, anfangs vierteljährliche, Nachsorge umfasst neben der körperlichen Untersuchung eine Laborkontrolle, um die Nierenfunktion zu beurteilen. Ultraschalluntersuchung und CT des Bauchraumes sowie Röntgenbild der Lunge dienen dazu, frühzeitig Rückfälle oder Metastasen zu erkennen. Wurde eine organerhaltende Operation durchgeführt, sollte regelmäßig ein MRT des Bauchraumes durchgeführt werden, um einen Rückfall frühstmöglich zu erkennen.

In frühen Stadien haben Nierenzellkarzinome eine relativ gute Prognose, da 70 bis 80 Prozent der Betroffenen die nächsten fünf Jahre überleben. Je später der Krebs allerdings erkannt und behandelt wird, desto schlechter wird die Aussicht auf eine Heilung.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Leitlinien der Deutschen Röntegengesellschaft zur bildgebenden Diagnostik: Nierenzellkarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 039/078 (Stand 1/ 2003).

Sökeland, J.: Urologie. Thieme (12. Auflage 2002).

Seeber, S.: Therapiekonzepte Onkologie. Springer (2002).

Deutsche Krebsgesellschaft: Kurzgefasste Interdisziplinäre Leitlinien 2002 (3. Auflage 2002).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF),
Interdisziplinäre kurzgefasste Leitlinien der Deutsche Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Nierenzellkarzinom. AWMF-Leitlinien-Register Nr. 032/037 (Stand 10/2001).

Becker, H.D.: Chirurgische Onkologie. Thieme (2001).

Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill ( 3rd edition 2001).

Hautmann, R.: Urologie. Springer (2. Auflage 2001).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
AWMF Nachsorgeleitlinie (2000).

Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU): EBM-Leitlinie Urologie (August 1998).
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