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Nierenzysten und Zystennieren




Was sind Zysten?


Zysten sind flüssigkeitsgefüllte Hohlräume, die sich in nahezu allen Geweben und Organen des Körpers bilden können. Typischerweise sind sie von einer Schicht Epithel (Oberflächengewebe) ausgekleidet und von einer Kapsel aus Bindegewebe umgeben.

Bei einer Zyste handelt es sich in der Regel um einen harmlosen und gutartigen Prozess.
Der flüssige Inhalt der Zyste ist oft mit Gewebeanteilen vermischt und besteht aus Gewebeflüssigkeit, Blut und einem schleimigen Sekret oder ähnlichem.

Wie eine Zyste behandelt wird, hängt im Einzelfall davon ab, in welchem Organ sie sich befindet, wie groß die Wahrscheinlichkeit einer bösartigen Entartung (Umwandlung in Krebs) ist und ob sie Beschwerden hervorruft. Auch die Größe der Zyste muss bei der Therapie berücksichtigt werden.

Was sind Nierenzysten und Zystennieren?


Nierenzysten können einzeln oder zu mehreren, in nur einer oder in beiden Nieren auftreten. Meist sind sie harmlos, machen keine Beschwerden und werden zufällig entdeckt.

Anders verhält es sich mit den so genannten Zystennieren. Hierbei handelt es sich um meist angeborene Nierenerkrankungen, bei denen die normalen Strukturen der Nieren zystisch verändert sind. Es werden verschiedene Formen unterschieden. Am häufigsten ist die autosomal dominant vererbte polyzystische Nephropathie ADPKD (auch Typ III nach Potter). Ungefähr jeder Tausendste leidet an dieser Erkrankung. Gleichzeitig findet man oft Zysten in der Leber sowie Aussackungen an der Hauptschlagader (Aortenaneurysma) und an Blutgefäßen im Gehirn (Hirnbasis-Arterien-Aneurysmen). Diese Form der Zystenniere macht sich zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr bemerkbar, besteht jedoch seit Geburt. Bei fast der Hälfte aller Betroffenen über 60 Jahre führen die Zystennieren zu einer dauerhaften Funktionseinschränkung der Nieren, einer Niereninsuffizienz.

Zystennieren kommen auch im Rahmen anderer Fehlbildungen wie der so genannten Markschwammniere vor und sind zum Teil so schwerwiegend, dass die Erkrankten bereits im Säuglings- oder Kindesalter an einem Nierenversagen oder anderen Komplikationen versterben.

Welche Beschwerden bereiten Nierenzysten und Zystennieren?


Einzelne Nierenzysten verursachen meist kaum oder gar keine Beschwerden.

Die Symptome bei Zystennieren hängen vom Ausmaß der Nierenschädigung oder von eingetretenen Komplikationen ab. Flankenschmerzen können auftreten, bei großen Zysten können auch der Rücken und der Bauch schmerzen. Oft ist der Urin blutig rot verfärbt. Es treten gehäuft Harnwegsinfektionen wie Blasen- oder Nierenbeckenentzündungen auf, die sich mit häufigem, schmerzhaftem und brennendem Wasserlassen sowie gelegentlich auch mit Fieber äußern. Die zystischen Veränderungen begünstigen die Entstehung von Nierensteinen und eines Bluthochdrucks (renale Hypertonie).

Auf Dauer kann die Niere so geschädigt werden, dass sie zunehmend ihre Funktion einbüßt. Man spricht dann von einer Niereninsuffizienz, die in einem Nierenversagen enden kann. In sehr seltenen Fällen entarten Nierenzysten und entwickeln sich zu bösartigen Nierentumoren (Nierenkarzinome, Nierenkrebs). Als weitere Komplikation können die Zysten einreißen und dadurch Blutungen und Entzündungen verursachen.

Wie werden Nierenzysten und Zystennieren diagnostiziert?


Oft werden Nierenzysten zufällig bei einer Ultraschalluntersuchung (Sonografie) entdeckt. Zysten lassen sich im Ultraschall sehr gut von anderen geweblichen Veränderungen wie Nierentumoren unterscheiden, da sie als dunkle, flüssigkeitsgefüllte Hohlräume erscheinen. Die Sonografie der Nieren ist eine einfach durchführbare und für den Patienten völlig schmerzfreie und komplikationslose Untersuchung. Sind die Nieren stark vergrößert, kann der Arzt sie sogar manchmal bei der körperlichen Untersuchung im Flankenbereich mit den Händen tasten.

Außerdem kann eine Röntgenuntersuchung (Urografie), in manchen Fällen mit vorheriger Gabe eines Kontrastmittels über die Vene zur besseren Darstellung der harnableitenden Organe durchgeführt werden. Auf diese Weise lassen sich auch andere Miss- und Fehlbildungen erkennen.

Befürchtet man, dass die Zyste bösartig entartet sein könnte, erfolgt eine Nierenspiegelung (Renoskopie). Hierbei geht der Facharzt mit einem speziellen Gerät, einem Endoskop, über die Harnröhre in die Blase und sondiert mit einem feinen Katheter die Harnleitermündung. Anschließend gelangt er ins Nierenbecken. Über eine Optik kann er die Strukturen hinsichtlich möglicher Veränderungen wie Zysten oder Tumoren einsehen. Der Eingriff wird in Narkose durchgeführt und birgt die Gefahr von Verletzungen von Blutgefäßen, Nerven, des Harnleiters und anderen umliegenden Strukturen, die Blutungen, Infektionen und Störungen der Harnableitung nach sich ziehen können. Das Risiko dieser Komplikationen ist umso größer, je schwerer der Befund ist (Zysten, Stein, Tumor etc.). Bei Gesunden ist die Untersuchung jedoch relativ ungefährlich. Während der Untersuchung kann der Arzt mit einer kleinen Zange Gewebeproben (Biopsien) entnehmen und der Pathologe anschließend unter dem Mikroskop beurteilen, ob es sich um einen Tumor oder um eine Zyste handelt.

In der Urinuntersuchung deuten rote Blutkörperchen und Eiweiße (Proteine) auf eine Nierenschädigung hin. Sind auch weiße Blutkörperchen im Urin zu finden, liegt zusätzlich eine Entzündung vor. Blutuntersuchungen geben Hinweise über die momentane Nierenfunktion.

Patienten mit Zystennieren sollten auch auf weitere Zysten in anderen Organen untersucht werden. Ebenso sollte nach Aneurysmen in der Hauptschlagader und in den Hirngefäßen gefahndet werden.

Wie behandelt man Nierenzysten und Zystennieren?


Nierenzysten, die keine Beschwerden oder Komplikationen verursachen, müssen nicht behandelt werden.

Patienten mit Zystennieren müssen sorgfältig betreut werden und regelmäßig auf Folgeschäden untersucht werden. Hierzu zählen vor allem die frühe Erkennung eines Bluthochdrucks und dessen konsequente Behandlung. Ein schlecht oder gar nicht behandelter Bluthochdruck trägt wesentlich zu einem raschen Funktionsverlust der Nieren bei. Ebenso sollten Harnwegsinfekte frühzeitig erkannt und behandelt werden. Eine eingetretene Nierenschwäche muss entsprechend therapiert werden.

Der Inhalt großer Zysten kann abgesaugt (punktiert), die Zysten verödet oder ggf. auch ganz entfernt werden (Zystenresektion). Man versucht dabei immer, das funktionstüchtige Nierengewebe bestmöglich zu erhalten und nicht zu schädigen. Eine Operation ist immer dann notwendig, wenn die Zysten einreißen (rupturieren), wenn sie schwere Infektionen verursachen oder bösartig entarten.

Je umfangreicher die Operation ist, desto mehr Komplikationen können auftreten. So kann es zu Verletzungen von anderen Organen, von Nerven und Blutgefäßen kommen, die Blutungen und Nachblutungen nach sich ziehen. Verletzungen der harnableitenden Organe (z. B. eines Harnleiters) können Störungen der Urinausscheidung und beim Wasserlassen zur Folge haben.

Familien, in denen Zystennieren aufgetreten sind, kann bei Kinderwunsch eine genetische Beratung empfohlen werden. Kinder, die meist noch keine Beschwerden haben, sollten untersucht werden, um Komplikationen von Zystennieren frühzeitig zu verhindern.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Zystennieren - Hereditäre Formen zunehmend besser charakterisiert. Referiert und Kommentiert. Aktuelle Urologie 6, S. 455-458 (2004).

Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Sökeland, J.: Urologie. Thieme (12. Auflage 2002).

Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill ( 3rd edition 2001).

Hautmann, R.: Urologie. Springer (2. Auflage 2001).
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