Ihre Suche

Oberarmbruch



(Oberarmschaftbruch; Humerusfraktur)


Was ist ein Oberarmbruch?


Beim Oberarmbruch handelt es sich um einen Knochenbruch (Fraktur) des zweitgrößten Röhrenknochens des menschlichen Körpers, des Oberarmknochens (Humerus). Dieser Knochen besitzt am kopfnahen Ende eine Kugel, den Oberarmkopf, der einen Teil des Schultergelenkes bildet. An den Oberarmkopf schließt sich ein langer, röhrenförmiger Schaft an. Das körperferne Ende des Oberarmknochens hat annährend die Form eines Ypsilons mit zwei Verbreiterungen (Kondylen), die mit den beiden Unterarmknochen das Ellenbogengelenk bilden.

Bei Oberarmbrüchen im Schaftbereich unterscheidet man je nach Lage Frakturen im schulternahen, mittleren und ellenbogennahen Drittel.
Im Erwachsenenalter ist bei den Brüchen im körperfernen Drittel oft die Gelenkfläche des Ellenbogengelenkes mitbetroffen. Im Kindesalter hingegen sind die Brüche knapp oberhalb des Ellenbogens am häufigsten.

Wie entsteht ein Oberarmbruch?


Ursache eines Oberarmbruchs ist fast immer ein Unfall, entweder ein direkter Schlag auf den Oberarm oder ein Sturz auf den Arm, den Ellenbogen oder die Hand. Wenn die Knochenstruktur weniger stabil ist, zum Beispiel durch Osteoporose, oder in Folge eines bösartigen Tumorleidens kann es auch zu spontanen Brüchen (ohne Unfallereignis) kommen.

Welche Beschwerden macht ein Oberarmbruch?


Ein Oberarmbruch verursacht starke Schmerzen, die Beweglichkeit der angrenzenden Gelenke (Schulter und Ellenbogen) ist dadurch eingeschränkt, oft auch schmerzbedingt gar nicht möglich. Ist der Speichennerv (Radialisnerv) mitbetroffen, der dem Oberarmknochen im oberen Abschnitt direkt anliegt, kann es zu typischen Gefühls- und Bewegungsstörungen an der Hand kommen.

Wie wird ein Oberarmbruch festgestellt?


Die körperliche Untersuchung gibt dem Arzt erste Hinweise auf einen Oberarmbruch. Die endgültige Diagnose stellt er wie bei anderen Frakturen auch, mit Hilfe von Röntgenbildern. Besteht der Verdacht auf eine Nervenschädigung, schließt sich noch eine neurologische Untersuchung, eventuell mit Ableitung der Nervenleitgeschwindigkeit, an.

Wie wird ein Oberarmbruch behandelt?


Wie eine Humerusfraktur behandelt werden sollte, hängt von verschiedenen Faktoren ab: dem Alter des Patienten, der Lage und der Stabilität der Fraktur. Insbesondere bei Kindern verheilen Brüche des Oberarmes oft problemlos, so dass nicht operiert werden muss. Um die Knochenheilung zu fördern, stellt der Arzt den Arm zunächst in einem Verband, einer Gipshülse oder einer Kunststoffmanschette ruhig.

In manchen Fällen sind die Bruchenden so ineinander verkeilt, dass sie bereits recht stabil sind und nicht zusätzlich durch einen Gips in ihrer Position gehalten werden müssen. Die gut ausgeprägte Oberarmmuskulatur schient den Bruch zusätzlich geschient In solchen Fällen kann frühzeitig mit krankengymnastischen Bewegungsübungen begonnen werden.

Behandelt man einen Oberarmbruch nicht ausreichend, bleiben Schmerzen, Schwellung und eingeschränkte Beweglichkeit bestehen. Wird der gebrochene Knochen nicht ruhig gestellt, besteht die Gefahr einer Nervenschädigung  weil der Nerv sich an den Bruchenden auffasern kann. Außerdem verheilt die Bruchstelle dann in der Regel nicht richtig, sie bleibt instabil und es bildet sich ein so genanntes falsches Gelenk, eine Pseudarthrose.

In folgenden Fällen sollte der Bruch operativ versorgt werden:
  • Die Bruchenden der Knochen durchspießen die Muskulatur und die Haut (offener Knochenbruch).
  • Wenn große Blutgefäße oder der Speichennerv zusätzlich verletzt sind.
  • Bei beidseitigen Oberarmbrüchen, weil die Betroffenen den Arm dann schneller wieder nutzen können.
  • Bei Mehrfach-Schwerverletzten zur Erleichterung der Pflege.
  • Wenn sich im Bruchspalt ein Muskel eingeklemmt hat.
  • Wenn die Oberarmschaftfraktur durch eine konservative Behandlung nicht richtig verheilt.
Die Auswahl des Operationsverfahrens ist abhängig vom Alter des Verletzten, vom Typ des Bruches und von den Begleitverletzungen. Es kommen folgende Operationsverfahren in Betracht:
  • Bei Kindern werden elastische Drahtstifte so genannte Kirschnerdrähte in den Knochen eingebracht, die sich dort verkeilen und den Bruch stabilisieren.
  • Bei Erwachsenen kann man ebenfalls vom körpernahen oder körperfernen Ende her Drahtstifte in die Markhöhle des Knochens eingebracht, die sich elastisch verklemmen.
  • In die Markhöhle wird ein Nagel eingebracht, und dann durch Querbolzen verriegelt.
  • Der Bruch selbst wird chirurgisch freigelegt und mit einer Metallplatte und Schrauben stabilisiert.
  • Der Bruch wird durch eine außerhalb des Körpers angebrachte Spannvorrichtung, einen so genannten externen Fixateur stabilisiert d. h. in den Knochen werden Schrauben von außen her durch die Haut und die Muskeln eingebracht, die über eine außen angebrachte Stange den Bruch ruhig stellen.

Wie ist die Prognose, welche Komplikationen kann es geben?


Die Oberarmschaftbrüche haben im Allgemeinen eine sehr gute Heilungstendenz.
Bei Kindern kommt es nach einer Ruhigstellung für drei Wochen mit anschließender Bewegungstherapie in weniger als fünf Prozent nicht zum Ausheilen des Bruches. Häufig findet sich sogar eine überschießende Knochenneubildung. Der Körper baut das Zuviel an Knochen dann aber wieder ab (Remodelling).

Eine spezielle Operationskomplikation ist neben den allgemeinen Operations- und Narkoserisiken die Verletzung des Speichennervs mit daraus resultierenden Gefühls- und Bewegungsstörungen der Hand.
Wird bei älteren Menschen das Schultergelenk lange ruhig gestellt, bilden sich die Schultermuskeln in Folge der fehlenden Bewegung zurück  sei werden. schwächer. Dann dauert es entsprechend lange, bis der Arm in der Schulter durch krankengymnastische Übungsbehandlung wieder die normale Beweglichkeit erlangt.

Nach einer Operation kann in den Knochen eingebrachtes Metall auf die Muskulatur des Armes drücken oder sogar die Lage in den Weichteilen verändern, also wandern, sodass die Beweglichkeit eingeschränkt wird oder unter Belastung des Armes Schmerzen auftreten. Deshalb entfernt man die Materialien häufig in einer zweiten Operation wieder. Besonders bei alten Patienten können Drähte, Schrauben oder Nägel aber auch im Körper verbleiben, so lange sie nicht stören.

Insgesamt kann es bei Erwachsenen sechs bis zwölf Monate dauern, bis sie alle körperlichen Betätigungen wieder in gewohnter Weise ausführen können.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Durst, J.: Traumatologische Praxis. Schattauer (1997).

Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2004/2005).

Schumpelick, V.: Kurzlehrbuch Chrirurgie. Thieme (2003).

Trentz, O.: Checkliste Traumatologie. Thieme (5. Auflage 2000).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie: Suprakondyläre Humerusfraktur beim Kind (Erstellungsdatum: März 1999).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Kinderchirurgie: Oberarmfraktur (Letzte Aktualisierung: September 2002).
Anzeige
Diese Seite zu Mister Wong hinzufügen Diese Seite zu del.icio.us hinzufügen
Anzeige
Anzeige
Anzeige