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Ödeme



(Gewebswassersucht)


Was ist ein Ödem?


Eine vermehrte Flüssigkeitsansammlung in dem Raum zwischen den Zellen im Gewebe wird als Ödem bezeichnet.

Ein Ödem kann in fast allen Organen, Geweben und Körperstellen auftreten, z. B. an den Beinen, im Bauchraum (Aszites) oder in der Lunge.

Leichte Knöchelödeme können manchmal auch bei längerem Stehen oder Sitzen sowie kurz vor der Regelblutung vorkommen, meist verbirgt sich aber eine mehr oder weniger ernste und schwere Erkrankung hinter einer vermehrten Wasseransammlung im Gewebe.

Wie entsteht ein Ödem?


Ödeme können verschiedene Ursachen haben:

Sie treten häufig auf bei einer nicht ausreichend behandelten Herzschwäche (Herzinsuffizienz). Als Folge der mangelnden Pumpkraft des Herzens sammelt sich immer mehr Blut in den zum Herzen führenden Gefäßen an. Irgendwann halten die Gefäßwände diesem erhöhten Druck nicht mehr stand und die wässrigen Blutbestandteile treten ins Gewebe über. Tritt die Flüssigkeit über die Lungengefäße ins Lungengewebe über, kommt es zu einem Lungenödem. Gefördert wird dieser Vorgang bei gleichzeitigem Vorliegen eines Bluthochdruckes.

Gesunde, dichte Gefäßwände sind in der Lage, die zellulären und wässrigen Blutbestandteile im Inneren der Gefäße zu halten. Bei einem Ödem kann die Gefäßwanddurchlässigkeit (Permeabilität) so erhöht sein, dass Flüssigkeit durch das Blutgefäß in das umliegende Gewebe austritt. Ursache hierfür ist häufig eine Entzündung.

Ein verminderter Druck im Blutplasma (onkotischer Druck) aufgrund eines Proteinmangels (v. a Albumin), der durch verschiedene Erkrankungen verursacht werden kann, ist eine weitere Ursache für Ödeme.

Welche Erkrankungen und Störungen können Ödeme verursachen?


Grunderkrankungen und Faktoren, die ein Ödem verursachen können, sind:
  • Herzerkrankungen (z. B. Herzinfarkt, Herzklappenfehler, Herzrhythmusstörungen)
  • Nierenerkrankungen (z. B. Nierenentzündungen, akutes und chronisches Nierenversagen)
  • Lebererkrankungen (z. B. Leberzirrhose)
  • Gefäßleiden wie Krampfadern oder Thrombose können über eine Verminderung des Blutstromes zum Herzen Beinödeme verursachen
  • Medikamente (z. B. Schmerzmittel, durchblutungsfördernde und blutdrucksenkende Mittel)
  • Eiweißmangel
  • Myxödem bei einer Unterfunktion der Schilddrüse
  • Lymphödeme als Folge eines Lymphabflusshindernisses, wie es vor allem nach Verletzungen, Tumorerkrankungen oder Operationen auftritt
  • Allergische Ödeme als Folge einer Auseinandersetzung des Körpers mit einem allergieauslösenden Stoff. Sie treten oft im Gesicht oder Rachen auf.
  • Zyklische Ödeme bei Frauen kurz vor Einsetzen der Regelblutung

Welche Untersuchungen führt der Arzt durch?


Ödeme sind oft ein Symptom einer Erkrankung, die es zu diagnostizieren gilt. Besonders wichtig ist dafür ein ausführliches Gespräch des behandelnden Arztes mit dem Patienten. Dieser sollte über seine aktuellen Beschwerden, mögliche Grunderkrankungen, Medikamente und seine Lebensführung berichten. Außerdem ist es wichtig, wo (z. B. an den Beinen) und wann (z. B. abends) die Ödeme auftreten.

Bei der körperlichen Untersuchung achtet der Arzt genau auf die Verteilung der Ödeme, untersucht gründlich den Bauch, tastet die Leber und hört die Lungen ab. Bei Beinödemen schaut er nach Thrombosezeichen, einer Überwärmung oder Verletzung des Beines sowie nach den abhängigen Lymphknoten. Drückt man mit dem Finger oder dem Fingernagel auf die Körperstellen, die Wasser eingelagert haben, z. B. die Fußknöchel, so hinterlässt dies eine sichtbare Delle.

Bei einer Wasseransammlung im Bauch kann der Arzt Wellenbewegungen durch Beklopfen der seitlichen Bauchwände auslösen und wahrnehmen. Den Aszites im Bauch sowie eine Wasseransammlung im Pleuraspalt kann man auch mittels Ultraschall erkennen.

Besteht der Verdacht auf eine bestimmte Erkrankung, sind weiterführende spezielle Untersuchungen notwendig. Je nach Grundleiden werden z. B. Blut- und Urinuntersuchungen, Röntgenaufnahmen, Darstellungen von Blut- und Lymphgefäßen (Duplex-Sonographie, Angiographie) und Schichtbildaufnahmen des Körpers (Computertomografie, Kernspintomografie) durchgeführt.

Wie werden Ödeme behandelt?


Da Ödeme eine ganze Bandbreite verschiedener Ursachen haben können, steht die Behandlung der Grunderkrankung im Vordergrund, die je nach Grundleiden ganz unterschiedlich sein kann. Eine allgemeine Behandlungsempfehlung gibt es daher nicht.

Zur symptomatischen Behandlung, d. h. zur Beseitigung der Wasseransammlung und nicht der Ursache selbst, werden entwässernde Medikamente, so genannte Diuretika, verordnet. Die Mittel schwemmen nicht nur bestehende Wasseransammlungen aus dem Gewebe, sie führen auch durch die Verminderung des Flüssigkeitsvolumens des Körpers über eine Blutdrucksenkung zur Entlastung des Herzens.

Da die Flüssigkeit über die Nieren ausgeschieden wird, muss der Behandelte häufig Wasserlassen. Daneben kann es als unerwünschte Nebenwirkung zu Elektrolyt-Störungen (Natrium, Kalium) im Körper kommen. Auch darf nicht zu viel Wasser auf einmal aus dem Körper ausgeschwemmt werden, weil dies den Kreislauf zu stark belastet. Gegebenenfalls verordnet der Arzt zusätzlich Elektrolyte und Mineralstoffe.

Beinödeme können durch Kompressionsstrümpfe oder -verbände sowie regelmäßiges Hochlagern der Beine verbessert werden.

Lymphödeme sprechen häufig nur auf eine manuelle Lymphdrainage an.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

Heidenreich S.: Der Patient mit Beinödemen. Medizinische Klinik. 99, S. 383-389 (2004).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Leitlinien der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie: Phlebologischer Kompressionsverband (5/2004).

Conselium Cedip. Practicum (2000).

Ferlinz, R.: Internistische Differenzialdiagnose. Thieme (4. Auflage 1999).
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