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Windpocken



(Varizellen; Wasserpocken; Spitzpocken)


Was versteht man unter Windpocken?


Windpocken gehören zu den so genannten klassischen Kinderkrankheiten. Diese Infektionskrankheit wird durch ein Virus, das Varizella-Zoster-Virus (VZV), übertragen.
Am häufigsten erkranken Kinder im Alter von drei bis zehn Jahren an Windpocken.

Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?


Das Varizella-Zoster-Virus findet sich im Speichel der an Windpocken erkrankten Personen und wird meist beim Husten und Niesen übertragen. Diesen Übertragungsweg nennt man Tröpfcheninfektion. Häufig reicht ein nur flüchtiger Kontakt zu Erkrankten. Diese leichte Übertragbarkeit "mit dem Wind hat der Infektion den Namen Windpocken gegeben.

Bei Windpocken bilden sich Bläschen auf der Haut, die mit Flüssigkeit gefüllt sind. Auch dieser Bläscheninhalt enthält Windpocken-Erreger, die durch direkten Kontakt als so genannte Schmierinfektion übertragen werden können.

Bereits ein bis zwei Tage vor dem sichtbaren Hautausschlag sind Windpocken ansteckend. Erst wenn die Bläschen austrocknen und verkrusten, besteht keine Ansteckungsgefahr mehr. Es wird empfohlen, dass Kinder erst wieder zum Kindergarten oder in die Schule gehen, wenn alle Bläschen sicher ausgetrocknet sind.

Bis zum Alter von etwa sechs Monaten haben viele Säuglinge noch einen besonderen Schutz vor Infektionen, den so genannten Nestschutz. Eine Mutter, die früher selbst an Windpocken erkrankte, hat in der Schwangerschaft Abwehrstoffe gegen Windpocken auf ihr Kind übertragen.

Wer einmal an Windpocken erkrankt war, ist für sein weiteres Leben in der Regel vor einer erneuten Erkrankung geschützt. Der Körper hat bei der ersten Infektion Antikörper gegen das Varizella-Zoster-Virus gebildet, die eine zweite Erkrankung verhindern.

Wie äußert sich die Erkrankung?


Etwa 10 bis 20 Tage nach einer Infektion treten die ersten Beschwerden auf, ähnlich einer fieberhaften Erkältung mit Kopf- und Gliederschmerzen. Dann erscheint der charakteristische, stark juckende Hautausschlag.

Zunächst bilden sich auf der Haut kleine gerötete Flecken, aus denen sich innerhalb kurzer Zeit flüssigkeitsgefüllte Bläschen entwickeln, die nach einiger Zeit austrocknen und verkrusten. Solche Bläschen können auch auf der Schleimhaut der Mundhöhle auftreten und dort zu Wunden führen.

Essen und trinken sind dann sehr schmerzhaft. Innerhalb der ersten zwei bis vier Tage entwickeln sich weitere Bläschen, deren Anzahl sehr unterschiedlich ist. Sie kann von einigen wenigen bis zu mehreren Hunderten reichen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?


Das beschriebene typische Erscheinungsbild mit dem charakteristischen Hautausschlag liefert den wichtigsten Hinweis auf das Vorliegen einer Windpocken-Erkrankung.

Daneben kann man das Virus auch im Bläscheninhalt nachweisen sowie eine Reihe von Blutuntersuchungen durchführen, um die Erkrankung nachzuweisen.

Welche Komplikationen können auftreten?


Normalerweise verläuft die Windpocken-Erkrankung milde. Werden die Bläschen jedoch aufgekratzt, können Eiterbakterien zu einer Wundinfektion führen, und es entstehen bleibende Hautnarben. Insbesondere bei Erwachsenen kann eine Lungenentzündung den Krankheitsverlauf komplizieren. Selten ist auch das Nervensystem beeinträchtigt.

Bei abwehrgeschwächten Personen, z. B. Kindern mit einem angeborenen Immundefekt, kann es zu einem schweren Verlauf der Windpocken mit intensiver Aussaat der Bläschen über den gesamten Körper und starken Einrissen der Mundschleimhaut, Blutbildveränderungen und Gehirnbeteiligung kommen.

Die Übertragung einer Windpocken-Erkrankung von einer Schwangeren auf das ungeborene Kind ist selten, kann aber vor der 21. Schwangerschaftswoche zu Schäden beim Ungeborenen führen.

Nach einer Windpockeninfektion können die Viren in den Nervenzellen des Betroffenen jahrelang überleben. Diese Viren können noch nach vielen Jahren erneut eine Krankheit auslösen, die so genannte Gürtelrose. Meist sind davon ältere oder immungeschwächte Personen betroffen. Der Kontakt zu Personen mit Windpocken führt nicht zu einer Gürtelrose, diese kann nur nach einer selbst durchgemachten Windpockeninfektion auftreten.

Wie werden Windpocken behandelt?


Bei Windpocken reicht in der Regel eine Behandlung aus, die sich an den Beschwerden orientiert. Bei Fieber ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Salben, Lotionen oder Puder helfen gegen den Juckreiz und mindern den Hautausschlag. Der Juckreiz kann bei Bedarf auch mit anderen Medikamenten behandelt werden, damit stark juckende Bläschen nicht aufgekratzt werden und sich Narben bilden.

Wenn abwehrgeschwächte Personen mit Windpocken in Kontakt kommen, können Immunglobuline, Medikamente mit menschlichen Abwehrstoffen, eine Erkrankung verhindern. Diese Medikamente verhindern eine Windpocken-Erkrankung jedoch nur, wenn sie innerhalb von vier Tagen nach dem Kontakt zu einer bereits erkrankten Person gegeben werden.

Bei schweren Krankheitsverläufen und Komplikationen einer Windpockenerkrankung kann eine Behandlung im Krankenhaus mit Medikamenten gegen die Viren notwendig sein.

Wie kann man vorbeugen?


Gegen Windpocken steht eine Impfung zur Verfügung.

Wenn noch keine Windpocken-Erkrankung aufgetreten ist, sollten Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren sowie Frauen mit Kinderwunsch geimpft werden.

Die Impfung ist vor allem Menschen, die bei einer Windpocken-Erkrankung ein erhöhtes Risiko für Komplikationen haben, wie beispielsweise bei einer Abwehrschwäche, einer schweren Neurodermitis oder einer Leukämie, anzuraten.


Literatur/Leitlinien/EBM:



RKI-Ratgeber Infektionskrankheiten: Varizellen und Herpes zoster. (2004).

Lentze, M. J.; Schaub, J.; Schulte, F.J.: Pädiatrie. Springer (2.Aufl. 2002).

Sitzmann, F.C.: Pädiatrie. Duale Reihe. Thieme (2.Aufl. 2002).

Robert-Koch-Institut: Impfempfehlungen. www.rki.de
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