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Wochenbett



(Puerperium)


Was passiert mit der Gebärmutter nach der Geburt?


Nach dem Ausstoßen des Mutterkuchens (Plazenta) im Anschluss an die Geburt des Kindes beginnt die Gebärmutter sich zurückzubilden. Sie hat sich in den 40 Wochen der Schwangerschaft stark vergrößert, jetzt dauert es etwa sechs bis acht Wochen, bis sie ihre Ausgangsgröße wieder erreicht.

Die Rückbildung wird über ein regelmäßiges Zusammenziehen der Muskulatur der Gebärmutter erreicht. Diese so genannten Nachwehen können bereits unmittelbar nach der Geburt einsetzen und dauern meistens ein paar Tage. Sie fühlen sich an wie leichte Wehen. Beim ersten Kind sind diese ziehenden Schmerzen im Bauch meist sehr leicht, bei weiteren Kindern können sie stärker sein, weil die bereits vorgedehnte Gebärmutter sich stärker zusammenziehen muss. Auch das Anlegen des Kindes an die mütterliche Brust führt über eine Ausschüttung von Hormonen zu einem vermehrten Zusammenziehen der Gebärmutter. Sollten die Schmerzen sehr unangenehm werden, kann nach Absprache mit dem behandelnden Arzt ein leichtes Schmerzmittel Linderung schaffen.

Die Verkleinerung der Gebärmutter führt dazu, dass auch die innere Wundfläche an der Ansatzstelle des Mutterkuchens schrumpft. Ein Zeichen für die dort stattfindende Wundheilung ist der Wochenfluss (Lochien). Dieses Sekret besteht aus Gewebeteilchen und Blut und ist immer von Bakterien besiedelt. Sowohl die Menge als auch Farbe und Geruch der Lochien verändern sich im Verlauf des Wochenbetts. Anfangs ist er überwiegend blutig rot, dann wird die Farbe bräunlich, später gelblich bis weißlich. Insgesamt hält der Wochenfluss etwa vier bis sechs Wochen an, wobei er sich in diesem Zeitraum kontinuierlich abschwächt. und.

Wegen der im Wochenfluss enthaltenen Bakterien sollte man einige Dinge beachten. Wichtig ist vor allem eine gründliche Reinigung der Hände nach jedem Kontakt mit dem Wochenfluss. Zusätzlich rät man zur Desinfektion der Hände, insbesondere vor dem Stillen.. Regelmäßiges Waschen des Genitalbereiches ist empfehlenswert, Vollbäder hingegen sollten wegen der Gefahr der Bakterienverteilung gemieden werden. Bei schmerzhaften Dammnähten können allerdings Sitzbäder mit reinigenden und beruhigenden Substanzen helfen. Um einen ungehinderten Abfluss der Lochien sicherzustellen, sollten die Frau keinesfalls Tampons, sondern nur Binden und Einlagen benutzen.

Was versteht man unter Rückbildungsgymnastik?


Rückbildungsgymnastik dient vor allem dazu, den Körper nach der Schwangerschaft dabei zu unterstützen, seinen ursprünglichen Zustand wiederherzustellen. Dabei steht das Training der Beckenbodenmuskulatur im Vordergrund. Kurzfristig wird durch diese Gymnastik die Ausscheidung des Wochenfluss gefördert, die häufig eher träge Darmtätigkeit angeregt und die Entschlackung begünstigt. Langfristig beugt sie einer Beckenbodensenkung mit nachfolgendem unwillkürlichem Harnverlust, dem Gebärmuttervorfall und Rückenschmerzen vor.

Bereits am Tag der Geburt kann die Frau mit einfachen Übungen beginnen, auch nach einem Kaiserschnitt. Die Anleitung erfolgt meistens durch speziell ausgebildete Krankengymnasten in der Entbindungsklinik oder durch Hebammen. Wichtig ist, diese Übungen zumindest einige Wochen durchzuführen, damit die stark beanspruchte Muskulatur sich wieder kräftigt.

Grundsätzlich können junge Mütter nach der Entbindung ambulante Besuche durch eine Hebamme in Anspruch nehmen. Dabei überwacht die nachsorgende Hebamme die Rückbildungsvorgänge der Frau, die Entwicklung des Kindes in den ersten Wochen und hilft bei Stillproblemen. Tipps zur Pflege des Neugeborenen und der Ernährung der Wöchnerin sowie die Beantwortung der vielen Fragen frisch gebackener Eltern in der neuen Situation gehören zu diesen Hausbesuchen.

Was ist beim Stillen zu beachten?


Eine wichtige und vollkommen neue Aufgabe nach der Geburt ist das Stillen.
Auf diese bevorstehende Aufgabe hat sich die Brust schon während der Schwangerschaft durch Vergrößerung und Verfestigung vorbereitet. Stillen bietet, wie man heute weiß, viele Vorteile, deshalb raten Experten dazu, die Kindermöglichst vier bis sechs Monate voll zu stillen.

Muttermilch hat eine auf die Bedürfnisse der Kinder optimal abgestimmte Zusammensetzung und schützt sie darüber hinaus durch die Übertragung von Antikörpern vor Krankheiten. Zusätzlich wird durch die Muttermilch die Wahrscheinlichkeit der Entwicklung von Allergien, vor allem bei familiär belasteten Kindern, verringert. Stillen kann zudem sehr praktisch sein, da die Milch stets richtig temperiert und immer verfügbar ist.

Über die Muttermilch werden allerdings auch die möglicherweise in der Nahrung vorhandenen oder in der Umwelt vorkommenden Schadstoffe an das Kind weitergegeben. Deshalb sollten stillende Frauen unbedingt auf die so genannten Genussgifte wie Nikotin und Alkohol verzichten. Diese Substanzen treten über die Muttermilch auf das Kind über und können zu Schäden führen. Auch die Einnahme von Medikamenten sollte möglichst vermieden werden und, falls doch, nur nach ärztlicher Rücksprache erfolgen.

Bei bestehendem Stillwunsch sollte möglichst noch im Kreißsaal das erste Mal angelegt werden, um die Milchbildung anzuregen. Anfangs ist noch wenig der sehr nahrhaften Vormilch vorhanden. Durch viel Flüssigkeitsaufnahme und regelmäßiges Anlegen kommt es in der Regel zwischen dem zweiten und fünften Tag zum so genannten Milcheinschuss. Die Brüste werden prall und fest und können daher schmerzen. Durch Kühlung, abschwellende Maßnahmen und Abtrinken des Kindes kann dieses vorübergehende Ungleichgewicht normalisiert werden. Bis sich ein optimales Verhältnis zwischen Milchmenge und Trinkvolumen des Kindes eingespielt hat, dauert es ein paar Tage..

Welche Komplikationen können im Wochenbett eintreten?


Im Wochenbett können sich Rückbildungsstörungen der Gebärmutter bemerkbar machen. Diese so genannte Subinvolutio uteri tritt bevorzugt nach Entbindungen mit vorausgegangener Überdehnung der Gebärmutter (z. B. bei Mehrlingen), bei Wehenschwäche oder bei Nichtstillenden auf. Die Gebärmutter ist schmerzhaft und anfällig für Infektionen. Zur Behandlung setzt der Arzt Medikamente ein, die das Zusammenziehen (Kontraktion) der Gebärmuttermuskulatur fördern.

Eine weitere Komplikation im Wochenbett ist die Lochialstauung (Lochiometra). Dabei verringert sich die Menge des Wochenflusses auffällig schnell, die Gebärmutter ist druckschmerzhaft. Das Sekret nimmt einen übel riechenden Geruch an, Fieber und Kopfschmerzen kommen oft hinzu. Auch in diesem Fall wird der Arzt kontraktionsfördernde Medikamente verordnen.

Verstärkte vaginale Blutungen sowie Entzündungen der Harnblase (Zystitis) und des Nierenbeckens (Pyelonephritis) sollten im Wochenbett ebenfalls vom Arzt abgeklärt werden.

Das so genannte Puerperalfieber (Kindbettfieber) kann durch Entzündungen verschiedener Organe (z. B. der Gebärmutterschleimhaut, der Gebärmuttermuskulatur, der Eierstöcke und Eileiter) bedingt sein und zu einer Bauchfellentzündung bis hin zur Blutvergiftung (Puerperalsepsis) führen.
Die Therapie sollte durch den Arzt, ggf. mit Antibiotika (Bakterien abtötenden Mitteln), durchgeführt werden.

Im Wochenbett kann es außerdem durch die hormonelle Umstellung und längere Immobilität (zu wenig Bewegung und zu langes Liegen) zum Auftreten von Blutgerinnseln (Thrombosen) kommen, die in die Lungengefäße abwandern und dort stecken bleiben können (Lungenembolie).
Einige Frauen entwickeln im Wochenbett depressive Verstimmungen bis hin zu Depressionen und Psychosen. Auch hier sollte sich die betroffene Frau zunächst an den behandelnden Frauenarzt, wenden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Goerke, K.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer (6. Auflage 2003).

Pschyrembel, W: Praktische Geburtshilfe mit geburtshilflichen Operationen. de Gruyter (19. Auflage 2001).

Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (2. überarbeitete Auflage 2005).
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