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Wasser- und Bäderbehandlung



(Hydrotherapie; Balneotherapie; Kneipp-Therapie)


Was versteht man unter Hydro- und Balneotherapie?


Als Hydrotherapie (Wassertherapie) bezeichnet man die äußerliche Anwendung von Wasser verschiedener Temperatur (kalt, warm, wechselwarm) in flüssiger Form oder als Dampf. Bei kurzzeitiger Anwendung steht die Linderung akuter Beschwerden wie Schmerzen und Kreislaufstörungen im Vordergrund. Bei längerfristiger Therapie über mehrere Wochen bis Monate kann ein positiver Behandlungseffekt auf chronische Erkrankungen bewirkt und das körperliche und seelische Wohlbefinden verbessert werden.

Balneotherapie (Bädertherapie) ist die Heilbehandlung mit medizinischen Bädern. Wirkfaktoren sind die so genannten Heilwässer, die neben mineralischen auch pflanzliche Zusätze enthalten können und dann als Kräuterbäder bezeichnet werden. Die Heilwässer werden entweder aus natürlich fließenden oder aus künstlich erschlossenen Heilquellen gewonnen. Als Thermen bezeichnet man Wässer mit einer Temperatur über 20 Grad Celsius an der Quelle.

Die Behandlungen werden oft in bestimmten Einrichtungen wie Kurkliniken oder Sanatorien in Kurorten, in denen sich die Heilquellen befinden, durchgeführt.

Wie wirken Hydro- und Balneotherapie?


Der Stellenwert und die Methoden der Hydro- und Balneotherapie sind aus Sicht der Rehabilitationsmedizin nicht unumstritten. Im Bereich der Kur bewirken die Wasseranwendungen Regeneration und Entspannung als vorwiegend passives Element.

Hingegen steht in der Rehabilitation aktivierende Schulung und Training im Vordergrund. Wasseranwendungen mit Bädern können jedoch auch eine Schmerzlinderung bewirken und eine eher aktivierende Therapie einleiten und ergänzen.

Das Wasser, dessen Wärme und Kälte sowie die Zusatzstoffe sollen im Körper reflektorische Reaktionen des Stoffwechsel- und Abwehrsystems bewirken. Außerdem soll die Wasser- und Bäderbehandlung einen positiven Effekt auf den Hormonhaushalt und das seelische Wohlbefinden ausüben.

Wobei kann die Hydro- und Balneotherapie eingesetzt werden?


Hydrotherapie kann bei Schmerzsyndromen, entzündlichen Prozessen und Störungen der Befindlichkeit eingesetzt werden. Auch Krankheiten, bei denen sich keine eindeutig nachweisbare organische Ursache findet, so genannte funktionelle Störungen, können zu Beeinträchtigungen von hormonellen, die Körperabwehr (immunologischen) und den Kreislauf betreffenden Beschwerden führen. Hier kann sich, ebenso wie zur Unterstützung von seelischen Erkrankungen, eine Hydrotherapie als günstig erweisen.

Die Balneotherapie eignet sich, je nach verwendeten mineralischen und pflanzlichen Zusätzen im Heilwasser, zur Behandlung bzw. zur Unterstützung einer anderen konservativen (nicht operativen, z. B. medikamentösen) oder operativen Therapie verschiedenster Erkrankungen. Dazu zählen:
  • Durchblutungsstörungen (z. B. Periphere Arterielle Verschlusskrankheit, Chronisch-Venöse Insuffizienz)
  • Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie in frühen Stadien I und II)
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen ohne organisch nachweisbare Ursache (funktionell oder psychosomatisch)
  • Chronische Rheumatische Erkrankungen
  • Chronische Degenerative Erkrankungen
  • Hautkrankheiten (z. B. Schuppenflechte, Neurodermitis)
  • Gynäkologische Erkrankungen (funktionelle und chronisch-entzündliche)

Welche Formen der Hydro- und Balneotherapie gibt es?


Wasser hat durch die Vielfalt an methodischen Anwendungsmöglichkeiten vielseitige Wirkungen. Eine kombinierte Wirkung von warmem Wasser (Entspannungs- und Auftriebswirkungen) und Strom (Schmerzlinderung und Durchblutungssteigerung) erzielt z. B. das Stangerbad in einer Spezialwanne.

Im Kurwesen sind die hydrotherapeutischen Anwendungen nach Kneipp bekannt. Diese können in folgenden Formen angewandt werden:
  • Waschungen (mit Frotteetüchern)
  • Güsse (mit einem Schlauchsystem)
  • Bäder (Fuß-, Arm-, Sitz- oder Vollbad sowie als Dampfbad)
  • Wickel (mit mehreren Tüchern)
  • Packung (vollständige Umhüllung des Körpers)
  • Wassertreten
Medizinische Bäder verwenden Kohlensäure, pflanzliche Extrakte oder ätherische Öle.
Häufig in Kurkliniken oder Kurpraxen angebotene Bäder sind:
  • Kohlensäurewasser, z. B. bei Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Beschwerden
  • Schwefelwasser, z. B. bei Gelenkerkrankungen, Akne, Schuppenflechte , Neurodermitis
  • Kochsalzwasser und Solen (Salz- und Solebäder), z. B. bei Asthma (Inhalation), Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Radonwasser, z. B. entzündliche und degenerative Gelenkerkrankungen
  • Peloide: Badetorfe (Moore), Heilschlamme, Heilerden als Bäder oder lokale Packungen, z. B. bei Erkrankungen des Bewegungsapparates, gynäkologischen Erkrankungen, Durchblutungsstörungen
Als Gruppentherapie im angewärmten Bewegungsbad bietet Wasser aufgrund seiner physikalischen Eigenschaften (Gelenkentlastung durch Auftrieb, Wasserwiderstand) eine Reihe von Anwendungsmöglichkeiten, beispielsweise zur Entspannung, zur Kräftigung oder zur Ausdauerschulung.

Bergen Hydro- und Balneotherapie auch Risiken?


Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen mit Leistungseinschränkungen (z. B. Herzinsuffizienz) sind Vollbäder mit gewissen Risiken verbunden. Der Druck des Wassers kann durch die Verschiebung des Blutvolumens aus den Beinen in die Lunge und die rechte Herzkammer sowohl die Atmung erschweren, als auch ein erkranktes Herz überfordern. Bei hochentzündlichen Prozessen im Körper ist außerdem Vorsicht geboten, da die Wasser- und Bädertherapie die Entzündung eventuell verstärken kann.

Als Komplikationen der Behandlung können zum einen Durchblutungsstörungen bei Kälteanwendung durch eine übermäßige Verengung der Blutgefäße bei extremer Kälteempfindlichkeit auftreten. Andererseits kann bei unsachgemäßer Durchführung eine zu heiße Wärmeanwendung Hautschäden bis hin zu Verbrennungen verursachen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



AG PNF im Deutschen Verband für Physiotherapie - Zentralverband der Physiotherapeuten / Krankengymnasten e. V.: Patienteninformation "Mit Leichtigkeit und ohne Schmerz zum Ziel".

Bundesarbeitsgemeinschaft der Heilmittelverbände e. V. und der Spitzenverbände der Krankenkassen: Anlage 1a zu den Rahmenempfehlungen der Leistungsbeschreibung Physiotherapie (2001).

Bundesausschuss der Ärzte und Krankenkassen: Heilmittel-Richtlinien (2001).

BDA (Berufsverband der Allgemeinärzte Deutschlands) - Hausärztebund e. V. und Deutscher Verband für Physiotherapie - Zentralverband der Physiotherapeuten/Krankengymnasten e. V. (ZVK): Physiotherapie Manual (2001).

Haarer-Becker, R.: Checkliste Physiotherapie in Orthopädie und Traumatologie. Thieme (2001).

Pschyrembel: Therapeutisches Wörterbuch. De Gruyter (2. Auflage 2001).

Werner, G.: Checkliste Physikalische und Rehabilitative Medizin. Thieme (2001).

Van den Berg, F.: Angewandte Physiologie. Band 3: Therapie, Training, Tests. Thieme (2000).

Dahl, H.: Grundlagen der manuellen Therapie. Thieme (1999).

Gillert, O.: Hydrotherapie und Balneotherapie. Pflaum (1990).
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