West-Nil-Fieber
Was ist West-Nil-Fieber?
Das West-Nil-Fieber ist eine durch das West-Nil-Virus hervorgerufene Infektionskrankheit, die bevorzugt in tropischen und subtropischen Regionen der Erde vorkommt. Sie wird durch verschiedene Stechmücken übertragen. Dabei nehmen die Mücken das Virus vor allem aus Vögeln (Tauben, Krähen) auf und übertragen es anschließend auf den Menschen.
Normalerweise ist das Virus, das für einige Vogelarten tödlich sein kann, für Menschen nicht lebensbedrohlich. In einigen Fällen, vor allem bei älteren und abwehrgeschwächten Personen, entwickelt sich allerdings eine Hirnhautentzündung.
Wie bekommt man diese Erkrankung?
Wildlebende Vögel bilden das Erregerreservoir für das West-Nil-Virus. Die übertragenden Mücken sind Schnaken (Culex).
Vor allem Fernreisende können sich bei einem Aufenthalt in den Infektionsgebieten anstecken. Erstmals wurde das West-Nil-Fieber in Uganda beschrieben. Mittlerweile findet man es aber auch in anderen afrikanischen Ländern sowie in Indien, Indonesien und Südosteuropa (Rumänien, Russland).
Infektionen wurden aber auch in Südfrankreich und Nordamerika beobachtet. Im Sommer des Jahres 2002 kam es zu zahlreiche Infektionen und Todesfälle, die sich von der US-amerikanischen Ostküste in andere Bundesstaaten und nach Kanada ausbreiteten.
Nach einem Mückenstich dauert es etwa zwei bis fünfzehn Tage bis zum Auftreten der ersten Symptome (Inkubationszeit).
Welche Symptome treten beim West-Nil-Fieber auf?
80 % der Infektionen mit dem West-Nil-Virus verlaufen beim Menschen unbemerkt, d. h. der Betroffene hat keinerlei Beschwerden.
Bei 20 % der Infizierten treten grippeähnliche Symptome mit hohem Fieber, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen auf.
Später können ein Hautausschlag und Lymphknotenschwellungen hinzukommen. Auch Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sind mögliche Zeichen der Erkrankung. Nach ein paar Tagen heilt die Erkrankung in der Regel auch ohne Therapie ab.
Nur bei einigen, vor allem alten und geschwächten Personen, nimmt die Erkrankung einen schwereren Verlauf mit einer Entzündung der Hirnhäute und des Gehirns (Meningoenzephalitis).
Wie wird die Verdachtsdiagnose gesichert?
Die geschilderten Beschwerden in Verbindung mit einem Aufenthalt in Ländern, in denen das Virus vorkommt, lenken den Verdacht auf ein West-Nil-Fieber.
Eine beweisende Blutuntersuchung ist aufwendig, sodass bei dem häufig komplikationslosen Verlauf der Erkrankung in der Regel darauf verzichtet werden kann. Bis das Ergebnis dieser Untersuchung vorliegt, ist die Krankheit meistens bereits überwunden.
Soll der Nachweis dennoch erbracht werden, so kann das Virus in der ersten Krankheitswoche im Blut bzw. auch im Gehirnwasser (Liquor), und das Erbmaterial der Viren (virale RNA) mittels spezieller Enzymreaktionen nachgewiesen werden. Indirekt ist die Erkrankung durch spezifische Antikörper feststellbar.
Wie kann man sich vor dem West-Nil-Fieber schützen?
Am besten schützt man sich, indem man die Infektionsgebiete meidet, was jedoch nicht immer möglich ist. Wenn der Aufenthalt in einer solchen Region unvermeidbar ist, sollte man sich vor den Mückenstichen schützen. Dies kann z. B. durch das Tragen langer Hosen und langärmeliger Kleidung, das Benutzen von Insektenspray oder von Moskitonetzen geschehen.
Eine Schutzimpfung ist derzeit nicht verfügbar.
Wie wird die Erkrankung behandelt?
Bei milden Verläufen ist meist keine Behandlung erforderlich. Neben Bettruhe und körperlicher Schonung können die Schmerzen und das Fieber mit Medikamenten wie Acetylsalicylsäure oder Paracetamol gesenkt werden.
Bei schweren Verlaufsformen ist allerdings eine ständige ärztliche Überwachung (am besten im Krankenhaus) erforderlich, um Komplikationen vorzubeugen bzw. direkt eingreifen zu können.
Welche Komplikationen können auftreten?
Von Komplikationen sind in erster Linie alte und abwehrgeschwächte Menschen betroffen. Das West-Nil-Fieber kann Schäden am Herzen, an der Leber, an der Bauchspeicheldrüse oder am Zentralnervensystem verursachen.
Dabei kommt es am häufigsten zu einer Herzentzündung (Myokarditis), einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder einer Gehirnentzündung (Enzephalitis).
In seltenen Fällen kann eine solche Komplikation auch tödlich verlaufen.
Literatur/Leitlinien/EBM:
CRM Handbuch zur Reisemedizinischen Beratung (Ausgabe Mai 2000).
Lang: Tropenmedizin in Klinik und Praxis. Thieme (2000).
Kretschmer: Reisemedizin. Urban & Fischer (1999).
Diesfeld: Praktische Reise- und Tropenmedizin. Thieme (1997).
Robert-Koch-Institut: Steckbriefe West-Nil-Fieber - eine Übersicht. http://www.rki.de/INFEKT/EPIBULL/2000/21_2000.PDF


