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Zyklusstörungen



(Blutungsstörungen; Blutungsanomalien; Menstruationsstörungen)


Was ist ein normaler Zyklus?


Die Regel-, Perioden- oder Menstruationsblutung ist das Zeichen eines regelmäßig im Körper ablaufenden Vorgangs.

Als Zykluslänge bezeichnet man die Zeit zwischen zwei Menstruationsblutungen, gezählt vom ersten Tag der Blutung bis zum ersten Tag der nächsten Blutung, die normalerweise 25 bis 35 Tage lang ist.

Die gesamte Menstruation dauert im Durchschnitt vier bis fünf Tage, dabei beträgt der Blutverlust insgesamt ca. 30 Milliliter. Am meisten und am stärksten blutet die Frau im Allgemeinen am zweiten Tag.

Was sind Blutungsstörungen?


Alle Abweichungen von der normalen Regelblutung werden als Blutungsanomalien bezeichnet. Unterschieden werden dabei zwei Gruppen: Die Rhythmusstörungen, bei denen die Abstände der einzelnen Blutungen gestört sind und die Typusstörungen, bei denen die Stärke der Blutung verändert ist.

Die Ursachen sind vielfältig: hormonelle Veränderungen, Organveränderungen, Stoffwechselerkrankungen Hormon produzierende Tumoren und genetischen Fehler können bei Blutungsstörungen eine Rolle spielen.

Welche Arten von Blutungsstörungen gibt es?



Rhythmusstörungen:
  • Oligomenorrhoe: Bei dieser Form der Blutungsstörung tritt die Regelblutung zu selten auf, d. h. die Abstände zwischen den einzelnen Regelblutungen sind länger als 35 bis 45 Tage. Die Menstruationsblutung ist von normaler Dauer und Stärke. Grund für die seltenen Regelblutungen können hormonelle Erkrankungen mit einem Überschuss an männlichen Hormonen oder dem Hormon Prolaktin sein. Auch Schilddrüsenstörungen wie Unterfunktion oder Überfunktion, Magersucht, Leistungssport und psychische Probleme können die Blutungsintervalle verlängern. Körperliche Beschwerden treten meistens nicht auf.
  • Polymenorrhoe: Dieser Begriff bezeichnet eine Menstruationsblutung, deren Intervall kürzer als 25 Tage ist. Im Allgemeinen beruht eine Polymenorrhoe auf einer Eierstockfunktionsstörung aufgrund einer Regelwidrigkeit an einer Stelle des hormonellen Funktionskreises. Die Regelblutung ist dabei normal, jedoch treten die Blutungen schon kurze Zeit nach der letzten Monatsblutung wieder auf.
    Betroffene Frauen haben meist keine Beschwerden. In schweren Fällen kann es durch die häufig auftretenden Blutungen zur Blutarmut (Anämie) mit Eisenmangel kommen, die sich in Schwächegefühl, Müdigkeit und Schwindel äußert.
Typusstörungen:
  • Amenorrhoe: Dabei handelt es sich um ein Fehlen oder Ausbleiben der Periode. Es wird zwischen einer primären und einer sekundären Amenorrhoe unterschieden. Wenn noch nie eine Menstruationsblutung aufgetreten ist, spricht man von einer primären Amenorrhoe. Sind bereits Monatsblutungen erfolgt und treten dann blutungsfreie Intervalle von mehr als drei Monaten auf, spricht man von einer sekundären Amenorrhoe.
    Bei der primären Amenorrhoe sind oft genetische Fehler oder Fehlbildungen der Geschlechtsorgane ursächlich. Wenn bis zum 16. Lebensjahr noch keine Regelblutung aufgetreten ist, sollte ein Frauenarzt die Ursache abklären. In den meisten Fällen sind hormonelle Fehlsteuerungen der Grund für die Amenorrhoe. Auslöser für diese Fehlfunktionen im Nervensystem können auch besondere psychische Belastungen oder auch Stress sein. Andere Gründe können z. B. auch große Gewichtsabnahmen wie bei der Magersucht sein. Auch starke körperliche Anstrengung führt zum Ausbleiben der Regelblutung. Ein erhöhter Blutspiegel an männlichen Hormonen kann zu einer Amenorrhoe führen, ebenso wie die Einnahme bestimmter Medikamente (Medikamente zur Blutdrucksenkung, Psychopharmaka und Hormonpräparate).
  • Hypomenorrhoe: Hierbei handelt es sich um eine zu schwache Menstruationsblutung, meist in Form einer leichten Schmierblutung. Oft tritt sie in der Endphase des Jugendalters oder bei übergewichtigen Frauen auf. Auch hier kann eine mangelhafte Funktion der Eierstöcke Ursache sein. Ein weiterer Grund kann eine Fehlbildung der Gebärmutterschleimhaut sein, die nicht so stark wie normalerweise abbluten kann. Die Fehlbildung ist entweder angeboren oder sie tritt nach einer Gebärmutterausschabung auf. Dieser Effekt ist dann aber meistens erwünscht und wird bei Frauen mit zu starken Blutungen therapeutisch genutzt. Des Weiteren sind psychogene oder hormonbedingte Ursachen möglich.
  • Hypermenorrhoe: Bei der Hypermenorrhoe kommt es zu einer sehr starken (mehr als 150 ml Blut) aber nicht verlängerten Regelblutung. Ursachen sind meist Veränderungen in der Gebärmutter. Oft bilden sich Myome (aus Muskelfasern bestehende gutartige Tumore) in der Gebärmutter oder Polypen (aus Schleimhaut aufgebaute Geschwulste), die starke Blutungen verursachen können. Nur in zehn Prozent aller Fälle sind hormonelle Störungen Grund für die Hypermenorrhoe, selten können auch Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut Ursache sein. Wenn die zu starke Blutung mit einer Verminderung der roten Blutkörperchen einhergeht, kann es zu Schwäche, Müdigkeit und Schwindel kommen. Die Hypermenorrhoe fällt vor allem durch den besonders großen Verbrauch von Tampons oder Binden (oft mehr als sieben pro Tag) auf. Häufig bilden sich Blutgerinnsel aus dem Blut, das klumpig aus der Scheide fließt.
  • Menorrhagie: Die Menorrhagie gehört zu den Rhythmusstörungen, d. h. die Menstruationsblutung ist verlängert. Auch hier sind Veränderungen der Gebärmutter in rund 90 Prozent der Fälle die Ursache, nur in zehn Prozent kommen Hormonstörungen in Betracht. Wie bei der Hypermenorrhoe sind häufig Myome, Polypen oder Entzündungen der Gebärmutterschleimhaut verantwortlich, weshalb die beiden Blutungsstörungen oft zusammen auftreten. Die Symptome ähneln denen der verstärkten Regelblutung (Hypermenorrhoe). Durch den Blutverlust kommt es zu Schwindel, Müdigkeit und körperlichem Schwächegefühl.
  • Dysmenorrhoe: Unter Dysmenorrhoe versteht man eine schmerzhafte Menstruationsblutung mit allgemeinem Krankheitsgefühl. Ursachen einer Dysmenorrhoe können Myome in der Gebärmutter, Schleimhautpolypen oder entzündliche Erkrankungen der Eierstöcke sein. Auch eine Endometriose (in umliegendem Gewebe versprengte Gebärmutterschleimhaut) muss als Ursache ausgeschlossen werden.
    Es wird die primäre Dysmenorrhoe von der sekundären Form unterschieden. Tritt eine Dysmenorrhoe vor der ersten Menstruation auf, spricht man von einer primären Dysmenorrhoe. Als sekundäre Dysmenorrhoe wird die schmerzhafte Blutung nach dem Einsetzen der ersten Menstruation bezeichnet.
    Ursache für eine primäre Dysmenorrhoe kann die veränderte Lage der Gebärmutter sein, weiterhin können Missbildungen der Gebärmutter, eine gestörte Hormonbalance zwischen männlichen und weiblichen Hormonen oder psychische Faktoren in Frage kommen.
    Bei etwa 20 Prozent aller Frauen sind die Beschwerden während der Menstruation so stark, dass eine Behandlung nötig wird. Hauptsymptome ist der starke krampfartig ziehende Unterbauchschmerz, oft verbunden mit einem Druckgefühl im Unterbauch. Viele Frauen leiden unter einem allgemeinen Krankheitsgefühl, das mit Müdigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit und Kopfschmerzen, Spannungsgefühl in der Brust einhergehen kann.
    Oft beginnen die Schmerzen bereits ein paar Tage vor der Regelblutung. Sie sind meist am ersten und zweiten Blutungstag am stärksten. Neben den Schmerzen können in dieser Zeit auch seelische Veränderungen wie Verstimmungen, nervöse Reizzustände und Depressionen auftreten.
  • Andere Blutungsstörungen: Blutungen treten manchmal auch unabhängig von der Menstruation auf. Ursache dafür können Zellveränderungen und Geschwulstbildungen am Uterus (Gebärmutter) sein.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?


Die Untersuchung beim Frauenarzt beginnt mit einem Gespräch über die aktuellen Beschwerden, , mögliche Stoffwechsel- und andere Erkrankungen und Medikamenteneinnahme. Speziell werden Fragen zur Menstruation (Stärke der Blutung, regelmäßige Intervalle, begleitende Schmerzen) gestellt.

Anschließend folgt die gynäkologische Untersuchung. Sie beinhaltet die Betrachtung der Scheide und des Muttermundes und das Abtasten der Gebärmutter und der Eierstöcke über die Bauchdecke und die Scheide. Durch eine Ultraschalluntersuchung können spezielle Veränderungen an der Gebärmutter und den Eierstöcken erkannt werden. Mit einer Blutabnahme bestimmt man mit Hilfe spezieller Labortests das Ausmaß des Blutverlustes und kann außerdem eventuelle Hormonstörungen ermitteln.

Anhand dieser Untersuchungen kann der Arzt feststellen, ob eine vorliegende Blutungsstörung behandelt werden muss. In diesem Fall erfolgt eine Ausschabung der Gebärmutter. Hierbei wird in einem kleinen operativen Eingriff die oberste Schicht der Gebärmutterschleimhaut abgetragen und die entnommene Schleimhaut anschließend feingeweblich untersucht. Dies gibt Hinweise auf die Ursache der Blutungsstörung. Gleichzeitig ist die Ausschabung auch eine Behandlungsmöglichkeit, um die starke Blutung zu beenden.

Wie kann man Blutungsstörungen behandeln?


Bevor die Behandlung der Blutungsstörungen begonnen wird, bespricht der Arzt gemeinsam mit der Patientin, welche Maßnahmen sinnvoll sind. Hierbei werden Nutzen und Risiko der Therapie gegeneinander abgewogen. Abhängig von der zugrunde liegenden Ursache kann die Behandlung ganz unterschiedlich aussehen.

Bei schwachen oder seltenen Blutungen wird mit Hormonpräparaten, so genannten oralen Kontrazeptiva (Antibabypille), eine Normalisierung der Zyklusstörungen angestrebt.
Im Allgemeinen sind Nebenwirkungen der Pille gering und selten. In den ersten drei bis sechs Monaten kann es zu Zwischenblutungen kommen. Einige Frauen leiden unter Migräne, Gewichtszunahme, Übelkeit oder Spannungsgefühl in der Brust.

Sind Myome oder Polypen die Blutungsquelle, überprüft man, ob sie operativ entfernt werden müssen. Myome und Polypen lassen sich, abhängig von Lage und Größe, entweder durch eine Ausschabung oder bei einer Gebärmutterspiegelung entfernen. Die Ausschabung ist in der Regel ein kleiner komplikationsarmer Eingriff, der selten länger als 15 Minuten dauert. Eine geringe Nachblutung nach dem Eingriff ist normal. In seltenen Fällen wird dabei die Gebärmutter verletzt.
Starke Blutungen ohne nachweisbare Ursache kommen nur durch eine Ausschabung zum Stillstand.
Myome, die tief in der Muskulatur der Gebärmutter oder an der Wand zum Inneren des Bauchraums liegen, werden entweder durch eine Bauchspiegelung oder einen Bauchschnitt entfernt.
Wurde eine Endometriose als Blutungsursache erkannt, kann diese im Allgemeinen durch eine Operation mittels Bauchspiegelung (endoskopisch) abgetragen werden.

Bei schwachen und fehlenden Regelblutungen kann eine Unterfunktion der Eierstöcke vorliegen. Auch hier kann man eine Behandlung mit Hormonen versuchen.
Grunderkrankungen als Ursache für die Menstruationsstörungen (wie Fehlbildungen der Geschlechtsorgane, Hormon produzierende Tumoren der Hirnanhangsdrüse, Magersucht etc.) bedürfen einer speziellen, auf diese Krankheiten ausgerichteten Therapie.

Die meisten Regelstörungen lassen sich durch eine Hormonbehandlung gut beeinflussen.
Auch die operativen Methoden (Ausschabung, Myomentfernung und als letzte Möglichkeit die Gebärmutterentfernung) führen in den meisten Fällen zu einer Besserung der Beschwerden. Zu berücksichtigen ist hier natürlich das Alter der Frau und ob noch ein eventueller Kinderwunsch besteht.

Welche Folgen können die Blutungsstörungen haben?


Im weiblichen Zyklus kommt es monatlich zu Blutungen, die bei normaler Stärke keine Folgen für den Körper haben. Häufig sind es eher die Begleiterscheinungen wie Kopfschmerzen, Schwächegefühl und krampfartige Bauchschmerzen, die diese Tage unangenehm werden lassen.
Nehmen die Beschwerden an Intensität zu, ist eine Behandlung mit Hormonpräparaten möglich.

Blutungsstörungen haben nur in seltenen Fällen schwere Folgen. Bei lang anhaltenden, starken Blutungen kommt es durch den Blutverlust allerdings häufig zu einer Blutarmut mit Eisenmangel. Diese Anämie äußert sich mit Schwindel, Blässe, kalten Händen und Füßen, verstärktem Herzklopfen und Abgeschlagenheit. Nur in Ausnahmefällen muss der Blutverlust mit Bluttransfusionen ausgeglichen werden.

Was kann man selbst tun?


Schmerzhafte Regelblutungen mit krampfartigen Unterbauchschmerzen lassen sich mit feuchten Bauchwickeln und einer Wärmflasche gut beeinflussen. Entspannungsübungen helfen, Muskelverspannungen abzubauen. Spaziergänge an der frischen Luft und mäßige Bewegungsübungen unterstützen zusätzlich den krampflösenden Effekt.

Während der Blutungszeit und in den Tagen danach sollte besonders auf eine eisenhaltige Ernährung (z. B. Spinat und Fleisch) geachtet werden. Dadurch erhält der Körper Eisen in verwertbarer Form, das zum Aufbau von neuen roten Blutkörperchen verwendet werden kann.

Blutungsstörungen erfordern auf jeden Fall eine Untersuchung beim Frauenarzt. Nur so kann die Ursache der Störung erkannt und auch behandelt werden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Feige, A.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer (2.Aufl. 2001).

Goerke, K.; Steller, J.; Valet, A.: Klinikleitfaden Gynäkologie und Geburtshilfe. Urban & Fischer (6.Aufl. 2003).

Kirschbaum, M.; Athanassiou, N.; Braems, G.: Checkliste Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (1.Aufl. 2001).

Pfleiderer, A.; Breckwoldt, M.; Martius, G.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (4.Aufl. 2001).

Schmidt-Matthiesen, H.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Schattauer (10.Aufl. 2004).

Uhl, B.: Gynäkologie und Geburtshilfe compact. Thieme (2.Aufl. 2001).
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