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Pneumothorax




Welche Aufgabe hat die Lunge?


Die Lunge besteht aus einem rechten und einem linken Lungenflügel. Sie nimmt den größten Teil des Brustkorbes ein. Ihre Aufgabe besteht darin, den Körper mit Sauerstoff zu versorgen und beim Stoffwechsel entstandenes Kohlendioxid abzugeben.

Die Luft wird der Lunge über die Luftröhre und über die Bronchien zugeführt. Die Bronchien zweigen sich immer weiter auf und werden immer dünnwandiger, schließlich gehen sie in die Lungenbläschen (Alveolen) über, in denen der eigentliche Austausch von Sauerstoff und Kohlendioxid stattfindet. Die Lungenbläschen sind im Inneren mit Luft gefüllt und außen von einem feinen Geflecht von Blutgefäßen umgeben.

Die Wände der Lungenbläschen und die der Blutgefäße sind so dünn, dass Sauerstoff und Kohlendioxid nahezu ungehindert zwischen Luft und Blut ausgetauscht werden. Da die Einatemluft mehr Sauerstoff enthält als das sauerstoffarme, verbrauchte Blut, reichert sich der Sauerstoff im Blut an. Umgekehrt tritt das im Blut vermehrt vorhandene Kohlendioxid aus dem Blut in die Lungenbläschen über und wird abgeatmet.

Die beiden Lungenflügel sind von einer dünnen Hülle, dem Lungenfell überzogen. Ebenso sind die Brustwand, das Zwerchfell und das Mediastinum von einer dünnen Hülle, dem Rippenfell, überzogen. Zusammen bilden sie das Brustfell (Pleura). Diese beiden Hüllen liegen unmittelbar aufeinander und sind nur durch einen hauchdünnen Flüssigkeitsfilm getrennt. Zwischen den beiden Hüllen (Pleuraspalt) herrscht ein Unterdruck. Aufgrund dieses Unterdruckes werden alle Bewegungen der Brustkorbwand direkt auf die Lunge übertragen. D. h. durch die Erweiterung des Brustkorbes bei der Einatmung dehnt sich das Lungengewebe aus und Luft strömt in die Lunge ein. Bei der Ausatmung verläuft dieser Vorgang genau umgekehrt.

Wie entsteht ein Pneumothorax?


Gerät Luft zwischen Lungenfell und Rippenfell in den Pleuraspalt, geht der Unterdruck verloren und der Sog kann nicht aufrechterhalten werden. Da die Lunge aber durch den Unterdruck gleichsam aufgespannt wird, fällt sie beim Ausfall dieser Kraft in sich zusammen. Das Lungengewebe schrumpft aufgrund seiner Eigenelastizität wie ein Luftballon aus dem die Luft herausgelassen wird. Diesen Umstand, dass Luft im Pleuraspalt, aber nicht in der Lunge ist, bezeichnet man als Pneumothorax.

"Pneu" bedeutet Luft und "Thorax" Brustkorb - Pneumothorax heißt wörtlich übersetzt also so viel wie "Luft im Brustkorb". Da die beiden Lungenflügel in jeweils abgeschlossenen Seiten des Brustkorbes liegen, ist - außer bei schweren Verletzungen - üblicherweise nur ein Lungenflügel betroffen.

Was ist die Ursache eines Pneumothorax?


Mehrere Lungenbläschen können eine gemeinsame größere Blase bilden. Man spricht von einer Emphysemblase. Wenn diese Blase an der Lungenoberfläche liegt, kann es bei einem Riss der Lungenhaut zu einem Luftaustritt in den Pleuraspalt kommen. Zum Zerreißen der Lungenbläschen kann es ohne äußeren Anlass kommen oder es reicht schon eine kleine Ursache, z. B. eine besondere Anstrengung beim Heben, ein Stoß oder Sprung, um einen Einriss der Lungenoberfläche zu bewirken. Vor allem bei jungen großgewachsenen Männern ist dies eine häufige Ursache für einen Pneumothorax, der auch als idiopathischer oder Spontanpneumothorax bezeichnet wird.

Eine andere Ursache eines Pneumothorax stellen Verletzungen dar, bei denen die Luft von außen in den Pleuraspalt eindringen kann. Bei Rippenbrüchen können spitze Bruchenden sowohl nach innen die Lunge verletzen, als auch nach außen die Brustwand durchstoßen. Wird ein Messer oder ein anderer spitzer Gegenstand in den Brustkorb gestochen, kann es ebenfalls zu einem Pneumothorax kommen.

Wird bei diagnostischen Maßnahmen oder Behandlungsverfahren versehentlich das Lungenfell verletzt, z. B. beim Legen eines Katheters im Bereich des Brustkorbs, bei der Entnahme von Leber- oder Lungengewebe oder bei künstlicher Beatmung, ist ein Pneumothorax eine mögliche Komplikation.

Ein Pneumothorax kann auch als Komplikation von Lungenerkrankungen entstehen. Vor allem Menschen, die an Asthma bronchiale, Lungenverhärtung (Lungenfibrose), Tuberkulose, Mukoviszidose oder Lungentumoren erkrankt sind, erleiden häufiger als die Normalbevölkerung einen Pneumothorax. Das Gleiche gilt für eine bestimmte Stoffwechselerkrankung, den so genannten Alpha-1-Antitrypsin-Mangel.

Wie wird ein Pneumothorax erkannt?


Erstes Zeichen eines Pneumothorax ist meist ein stechender Schmerz in der betroffenen Brustseite, der oft von einem Hustenreiz begleitet ist. Abhängig davon, wie vollständig die Lunge in sich zusammenfällt, tritt mehr oder weniger deutlich Atemnot auf.

Bei der ärztlichen Untersuchung fällt neben der Atemnot ein veränderter Klopfschall der betroffenen Brustkorbseite auf, die beim Beklopfen hohl klingt. Beim Auskultieren mit einem Stethoskop ist auf der betroffenen Seite kein Atemgeräusch zu hören. Die Diagnose eines Pneumothorax kann so im Allgemeinen rasch gestellt werden.

Eine gefährliche Form des Pneumothorax nennt man Spannungspneumothorax oder Ventilpneumothorax. Er entsteht nach einer äußeren Verletzung, wenn bei der Einatembewegung mit jedem Atemzug weitere Luft in den Brustraum gelangt, diese bei der Ausatmung aber nicht aus dem Brustkorb entweichen kann. So wird nicht nur die betroffene Lungenseite durch die einströmende Luft immer weiter zusammengedrückt, auch der zweite Lungenflügel kann in seiner Beweglichkeit behindert werden. Weiterhin kann auch das zwischen den beiden Lungenflügeln gelegene Herz in seiner Funktion eingeschränkt werden. So kann rasch eine lebensbedrohliche Situation mit schwerer Atemnot, Blutdruckabfall und Schock entstehen.

Um die Diagnose zu sichern, wird eine Röntgenuntersuchung durchgeführt. Zum Nachweis der erwähnten Emphysemblasen eignet sich eine Schichtaufnahme der Lunge, die Computertomografie des Brustkorbes (Thorax-CT). Um weitere Komplikationen und Folgen des Pneumothorax auszuschließen, schließt man in der Regel nach einem solchen Ereignis einige weitere Untersuchungen, wie ein EKG und Blutuntersuchungen, an.

Wie wird ein Pneumothorax behandelt?


Bei geringen Beschwerden sollte der Patient beobachtet werden und mit weiteren Maßnahmen gewartet werden. Denn bei kleinen Luftmengen im Brustinnenraum kann der Körper aus eigener Kraft den erforderlichen Unterdruck wiederherstellen. Dann ist nur noch im Röntgenbild ein Hinweis auf den Luftspalt zu erkennen. In solchen Fällen kann man die Selbstheilung abwarten, muss aber auf körperliche Schonung achten.

Bei stärkeren Beschwerden ist das Ziel der Behandlung, die Luft aus dem Spalt zwischen der Lungenoberfläche und der Brustinnenwand zu entfernen. Dafür wird ein dünner Schlauch mit seitlichen Löchern (Drainage) in den Spalt eingebracht. Eine örtliche Betäubung reicht hierfür aus, und die Gabe hustenstillender Medikamente kann weitere Linderung verschaffen. Nachdem die richtige Lage des Schlauches durch eine Röntgenaufnahme überprüft wurde, kann dann die Luft aus dem Brustinnenraum abgesaugt werden. Üblicherweise entfaltet sich die Lunge binnen weniger Minuten wieder vollständig, der Sog von außen muss jedoch mindestens 24 Stunden aufrechterhalten werden. Meist verschließt sich dann die ursächliche Verletzung der Lungenoberfläche im Rahmen der normalen Wundheilung. Anschließend sollte man sich körperlich schonen und schwere Belastungen vermeiden.

Eine schnelle Behandlung erfordert der Spannungspneumothorax, da es sich hier um eine lebensbedrohliche Situation handelt. Die sofortige Entlastung des Überdrucks im Pleuraspalt durch eine Punktion mit einer Kanüle ist erforderlich, so dass sich die Lunge wieder entfalten kann. Anschließend wird auch hier eine Drainage angelegt.

Manchmal ist das Drainageverfahren nicht geeignet, um die normalen Verhältnisse dauerhaft wiederherzustellen. Vor allem bei wiederholtem Auftreten eines Pneumothorax ohne erkennbare Ursache sowie bei fehlender Rückbildung trotz Saugdrainage innerhalb einer Woche zieht man eine Operation in Betracht, bei der man Teile des Brustfells entfernt (Pleuraresektion).

Eine solche Operation kann entweder in so genannter "minimal invasiver Technik" (d. h. mit Geräten, die über einen kleinen Einschnitt im Brustkorb eingeführt werden), oder auch durch Eröffnung des Brustkorbes (Thorakotomie) erfolgen. Die Entscheidung über die Operationstechnik hängt üblicherweise von der Art des vermuteten Schadens ab.

Bei der Operation und auch beim Legen der Drainagen kann es zur Verletzung von Lungengewebe sowie von Nerven und Blutgefäßen, vor allem im Rippenbereich, kommen, die Infektionen nach sich ziehen. Selten kommt es durch die Operation, als auch durch den Pneumothorax selbst, zu dauerhaften Einschränkungen der Atmung.

Nach einem Pneumothorax sollte man sich über Monate schonen und nach Möglichkeit auf Tauchen und Fliegen verzichten, da dies durch die Druckbelastung der Lunge die Gefahr eines erneuten Pneumothorax erhöht.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2004).

P. v. Wichert: Pneumothorax. Der Internist 45, S. 549-554 (2004).

Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- und Informationsdienste (2002/2003).

Braun, J.: Klinikleitfaden Innere Medizin. Urban & Fischer (2001).

Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF). Deutsche Gesellschaft für Thoraxchirurgie: Pneumothorax (Erstellungsdatum: April 2000).
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