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Pilzinfektion der Scheide



(Scheidenpilzinfektion; Vaginalmykose)


Was ist eine Pilzinfektion der Scheide?


Eine Pilzinfektion der Scheide (Vaginalmykose) ist eine Entzündung von Scheide und/oder Scheideneingang, die überwiegend durch Hefepilze der Gattung Candida albicans hervorgerufen wird.

Man schätzt, dass drei von vier Frauen mindestens einmal in ihrem Leben an einer solchen Pilzinfektion erkranken.

Wie entsteht eine Pilzinfektion der Scheide?


Der menschliche Körper ist natürlicherweise von vielen Mikroorganismen besiedelt. Dies sind Bakterien und Pilze, die sich unter anderem auf der Haut, auf Schleimhäuten, im Rachen, im Magen-Darm-Trakt und in der Scheide aufhalten. Sie haben keine krankmachende Wirkung, sondern helfen dabei, Krankheitserreger abzuwehren.

So befinden sich in der Scheide natürlicherweise Milchsäurebakterien (Döderlein-Bakterien, Lactobacillus acidophilus) in hoher Keimzahl, die ein leicht saures Scheidenmilieu schaffen und somit einen gewissen Schutz gegenüber Krankheitserregern bieten. Die Vermehrung der Milchsäurebakterien erfolgt östrogenabhängig.

Da in der Scheide besonders günstige Voraussetzungen für Pilze herrschen, ist die Scheide bei ca. 5 bis 30 Prozent aller gesunden Frauen zusätzlich mit Hefepilzen besiedelt. Ohne Beschwerden ist dieser Zustand nicht krankhaft.
Milchsäurebakterien und in geringer Anzahl Hefepilze bilden die so genannte Scheidenflora. Die normale Scheidenflora kann sich durch verschiedenartige Einflüsse verändern, so dass die Zahl der Milchsäurebakterien abnimmt, und die Anzahl der Pilze überhand nimmt.

Folgende Ursachen können dieses Gleichgewicht so stören, dass eine Pilzinfektion auftritt:
  • Veränderungen im Hormonspiegel durch die Einnahme der "Anti-Baby-Pille"
  • Hormonelle Veränderungen in der Schwangerschaft oder in den Wechseljahren
  • Medikamente wie Kortison und Antibiotika
  • Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus ("Zuckerkrankheit")
  • Übermäßige oder falsche Hygiene im Intimbereich

Pilze können auch von außen in die Scheide gelangen und so eine Infektion hervorrufen. Der Darm des Menschen ist immer auch mit Pilzen besiedelt. Durch die räumliche Nähe von Darmausgang und Scheide können, insbesondere nach dem Stuhlgang, leicht Pilze und auch Bakterien in die Scheide geraten und so Infektionen verursachen. Eine Pilzinfektion kann aber auch beim Geschlechtsverkehr übertragen werden.

Wie äußert sich eine Pilzinfektion der Scheide?


Eine Pilzinfektion der Scheide verursacht typische Beschwerden, die unterschiedlich stark ausgeprägt sein können.

Symptome einer Scheidenpilzinfektion sind zum Beispiel:
  • Rötung und Schwellung der Schamlippen
  • Juckreiz
  • Brennen
  • Schmerzen im Scheidenbereich
  • weißlich-bröckeliger Ausfluss

Welche Untersuchungen sind erforderlich?


Eine Scheidenpilzinfektion wird von einem Frauenarzt festgestellt. Das Beschwerdebild und eine gynäkologische Untersuchung ergibt die Diagnose. Je nach Schweregrad der Pilzinfektion zeigen sich bei der gynäkologischen Untersuchung in der Scheide typische Veränderungen.

Eine kleine Menge des Ausflusses wird unter einem Mikroskop untersucht. Hier sieht man die Pilze meistens schon. Zusätzlich kann auch eine Pilzkultur angelegt werden. Ein kleiner Tropfen der Scheidenflüssigkeit wird auf ein Nährmedium aufgetragen, auf dem nach ein bis zwei Tagen Pilzkolonien gewachsen sind. Diese Untersuchung gilt als Beweis für eine vorliegende Infektion.

Treten Scheidenpilzinfektionen mehr als zwei- bis dreimal pro Jahr auf, ist eine Stuhluntersuchung auf Pilze empfehlenswert.

Wie wird eine Pilzinfektion der Scheide behandelt?


Scheideninfektionen mit Pilzen werden mit so genannten Antimykotika behandelt. Dies sind Medikamente, die die Pilze abtöten und so deren Vermehrung verhindern. Es gibt sie in Salben- und Scheidenzäpfchenform. Die Antimykotika werden an ein bis sechs aufeinander folgenden Tagen in die Scheide eingeführt und auf die betroffenen Hautpartien im Intimbereich aufgetragen. Die Dauer der Behandlung richtet sich nach dem Schweregrad der Infektion und nach dem angewandten Medikament. Die Therapie führt in den meisten Fällen zu einer Heilung. Nebenwirkungen, wie z. B. Hautrötung und Brennen, sind selten und in der Regel nicht schwerwiegend.

Andere Therapieregeln gelten bei immer wiederkehrenden Pilzinfektionen, oder wenn die Pilzinfektion nach oben beschriebener Behandlung nicht ausgeheilt ist. Treten Beschwerden durch Scheidenpilze mehr als zwei- bis dreimal pro Jahr auf, spricht man von immer oder häufig wiederkehrenden, so genannten chronischen Infektionen. Dann kann eine Behandlung mit Tabletten (sog. oralen Triazolen) durchgeführt werden. Diese Medikamente töten ebenfalls die Pilze ab, sind aber nicht nur in der Scheide, sondern im ganzen Körper wirksam (sog. systemische Therapie). Art und Dauer der Therapie richten sich nach dem ausgewählten Medikament.

Einige dieser immer wiederkehrenden Infektionen werden durch andere Pilzarten als Candida albicans hervorgerufen. Dies kann durch eine Pilzkultur festgestellt werden. Dann ist mitunter eine mehrwöchige Behandlung mit Tabletten erforderlich. Wird bei einer Stuhluntersuchung eine übermäßige Darmbesiedlung mit Pilzen festgestellt, sollte zusammen mit einem Arzt für Allgemeinmedizin oder Innere Medizin die Therapie festgelegt werden und eine Diätberatung erfolgen. Alle Tabletten, die zu einer Pilzbehandlung eingenommen werden, können Magen-Darm-Beschwerden, Kopfschmerzen und Benommenheit verursachen.

Die Tabletten sollten in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden. Durch die veränderte Hormonlage sind Pilzinfektionen der Scheide in der Schwangerschaft jedoch häufig und oft sehr hartnäckig. Sie werden mit Scheidenzäpfchen und Cremes behandelt.

Grundsätzlich gilt, dass eine Scheideninfektion mit Pilzen nicht gefährlich ist. Manchmal verschwindet die Infektion unbehandelt nach einiger Zeit sogar von alleine.

Was kann man selbst tun?


Wichtig ist, dass die vom Arzt verordnete Therapie so lange wie angeordnet durchgeführt wird. Die Beschwerden verschwinden nach Beginn der Behandlung meist rasch. Wird dann bereits die Therapie vorzeitig beendet, kommt es schnell zu einem Rückfall.

Um Pilzinfektionen der Scheide zu vermeiden, kann die Frau auch selbst einiges dazu beitragen. Wichtig ist, dass die Scheidenflora nicht gestört wird. Jede Veränderung dieses ausgewogenen Milieus macht anfällig für Scheideninfektionen. Der Intimbereich sollte möglichst nur mit Wasser oder wenig pH-neutraler Seife gereinigt werden. Nach einer Dusche (keine Vollbäder!) sollte man sich gut abtrocknen, Handtücher sollten häufig gewechselt werden. Auf Intimsprays sollte ganz verzichtet werden, denn die enthaltenden Substanzen stören die physiologische Gleichgewicht. Unterwäsche aus Synthetik und auch Slipeinlagen mit Plastikfolie schaffen ein eher feuchtes Milieu und sind so der ideale Nährboden für Pilze. Atmungsaktiven Materialien wie Baumwolle sind zu bevorzugen.

Die Zusammensetzung der Nahrung hat auch Auswirkungen auf die Scheidenflora. Ist die Nahrung sehr zuckerhaltig oder der Blutzuckerspiegel dauerhaft erhöht, verändert sich auch die Scheidenflüssigkeit - und Pilze finden optimale Bedingungen zur Vermehrung vor. So ist eine gesunde und ausgewogene Ernährung auch aus diesem Grund empfehlenswert.

Literatur/Leitlinien/EBM:



Feige, A.; Rempen, A.; Würfel, W.; Jawny, J.; Caffier, H.: Frauenheilkunde. Urban & Fischer (2.Aufl. 2001).

Pfleiderer, A.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (2001).

Ringdahl, E. N.: Treatment of recurrent vulvovaginal candidiasis.
Am Fam Physican 2000 Jun 1;61 (11).

Young, G. L.: Topical treatment for vaginal candidiasis in pregnancy (Cochrane Review).
In: The Cochrane Library, Issue 3 (2000).

Leitlinie der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF)
Deutsche Dermatologische Gesellschaft, Deutschsprachige Mykologische Gesellschaft und Arbeitsgemeinschaft für Infektionen und Infektionsimmunologie (AGII) der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG): Vulvovaginalkandidose.
AWMF-Leitlinien-Register Nr. 013/004. (Letzte Aktualisierung: 2002).
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