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Prostatavergrößerung



(Prostatahyperplasie, benigne; BPH; Prostatatumor, gutartiger; Vorsteherdrüsentumor, gutartiger)


Was ist eine Prostatahyperplasie?


Die benigne Prostatahyperplasie (BPH) ist eine Zunahme von Größe und Gewicht der Vorsteherdrüse Mannes, der Prostata. Diese gutartige Wucherung wird auch als Prostataadenom bezeichnet.

Sie entwickelt sich bei mehr als der Hälfte der über 50-jährigen und zu 90 Prozent bei den über 80-jährigen Männern. Die Erkrankung führt zu häufigem und erschwertem Wasserlassen und ist die häufigste Ursache für Blasenentleerungsstörungen bei Männern.

Wodurch entsteht eine Prostatavergrößerung?


Trotz intensiver Forschung ist die Ursache der gutartigen Prostatavergrößerung bis heute nicht ganz geklärt.

Man vermutet ein altersbedingtes Ungleichgewicht zwischen männlichen (Testosteron) und weiblichen (Östrogen) Sexualhormonen. Dieses Missverhältnis der Hormone regt die Prostatazellen zum Wachstum an.

Welchen Verlauf nimmt die Erkrankung?


Die Prostatavergrößerung ruft je nach Größe unterschiedlich starke Beschwerden hervor, die nach steigender Beeinträchtigung in drei Stadien eingeteilt werden:

Stadium 1
  • schwacher Harnstrahl
  • häufiges Wasserlassen (Pollakisurie)
  • nächtliches Wasserlassen (Nykturie)
  • verzögerter Beginn des Wasserlassens
  • aktive Bauchpresse beim Wasserlassen


Stadium 2
  • Restharnbildung (ein Teil des Urins bleibt in der Blase zurück)
  • evtl. Harnwegsinfektionen (v. a. Blasenentzündungen)
  • evtl. Blasensteinbildung
  • evtl. Blutungen


Stadium 3
  • Überlaufblase (tröpfchenweiser ständiger Urinabgang bei übervoller Blase)
  • Harnstauungsnieren (wenn der Urin nicht mehr abfließen kann, staut er sich bis in die Nieren zurück)


Eine Harnverhaltung, d. h. die plötzliche Unfähigkeit spontan Wasser lassen zu können, kann in jedem Stadium auftreten.

Wie stellt der Arzt eine Prostatavergrößerung fest?


Der Arzt diagnostiziert die vergrößerte Prostata durch Abtasten mit dem Finger durch den After (rektale Untersuchung). Aufgrund der Oberfläche und Beschaffenheit der Drüse kann er einschätzen, ob es sich um Prostatakrebs handeln könnte. Vermutet er dies, wird eine Gewebeprobe (Biopsie) zur Sicherung der Diagnose entnommen.

Die Abflussbehinderung des Urins lässt sich durch eine Harnstrahlmessung (Uroflowmetrie) feststellen. Mit einer Ultraschalluntersuchung wird der Restharn bestimmt. Gleichzeitig werden die Nieren beurteilt und die Größe der Prostata errechnet. Eine normal große Prostata ist etwa 20 Gramm schwer.

Eine Urinprobe gibt Aufschluss über Begleiterkrankungen wie Entzündungen oder Blutungen der Harnwege. Zusätzlich kann eine Blutuntersuchung durchgeführt werden, zum einen um Informationen über den Allgemeinzustand sowie z. B. über die Nierenfunktion zu bekommen. Zum anderen gibt es ein bestimmtes Eiweiß (PSA), das normalerweise einen Wert von 4,0 ng/ml nicht überschreitet. Eine Erhöhung des PSA-Wertes kann durch eine gutartige Vergrößerung der Prostata, eine Prostataentzündung (Prostatitis), durch Druck auf die Prostata (z. B. Radfahren) oder auch durch Prostatakrebs bedingt sein. Wenn das PSA erhöht ist, erfolgt eine Gewebeprobenentnahme aus der vergrößerten Prostata, um einen bösartigen Tumor auszuschließen.

Sichere Unterscheidung zwischen einer gutartigen Prostatahyperplasie und einem bösartigen Prostatakarzinom liefert nämlich nur die Gewebeprobe (Biopsie). Dabei wird das Gewebe mit einer feinen Hohlnadel durch den After entnommen.

Welche Krankheiten können entstehen, wenn man zu spät oder nicht zum Arzt geht?


Komplikationen ergeben sich vor allem aufgrund der mechanischen Abflussbehinderung des Urins. Durch den vermehrten Kraftaufwand, der für die Blasenentleerung benötigt wird, verdickt sich die Blasenmuskulatur übermäßig. Zusammen mit dem erhöhten Blasendruck kann das zu Ausstülpungen der Blasenwand führen, so genannten Blasendivertikeln.

Der verminderte Harnfluss und die damit verbundene verringerte "Durchspülung" der Harnwege birgt die Gefahr einer Entzündung der Blase oder sogar der Nieren. Dies kann in schweren Fällen zum Austreten von Bakterien in die Blutbahn mit schweren körperlichen, mitunter lebensgefährlichen Auswirkungen führen. Man spricht dann von einer Sepsis bzw. Urosepsis (Blut- bzw. Harnvergiftung).

Manchmal läuft eine Entzündung auch unbemerkt ab. In diesem Fall besteht die Gefahr einer dauerhaften (chronischen) Infektion mit fortschreitender Zerstörung und Schrumpfung der Nieren.

Wie wird die gutartige Prostatavergrößerung behandelt?



Stadium 1
Dieses frühe Stadium kann in der Regel mit Medikamenten behandelt werden. Es handelt sich um Wirkstoffe, die die Blasenmuskulatur entspannen und dadurch den Abflusswiderstand verringern. Als Nebenwirkung können sie zu Schwindel, Kreislaufstörungen, Herzrasen, Ejakulationsstörungen und Überempfindlichkeitsreaktionen führen.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, die Bildung des Hormons Testosteron zu unterdrücken, welches für die Vergrößerung der Prostata verantwortlich ist. Diese Medikamente wirken nicht nur einer weiteren Vergrößerung entgegen, sondern erreichen auch die Rückbildung des Prostatagewebes bis zu einem Drittel. Als unerwünschte Wirkung können Sexualstörungen bis hin zur Impotenz sowie allergische Reaktionen auftreten.

Es können auch pflanzliche Produkte für die Therapie bzw. als Ergänzung in Betracht gezogen werden. Günstig sollen sich u. a. Extrakte aus Stechpalmen (Phytosterole), Brennesselwurzel, Kürbissamen und Sägepalmenfrüchten auf die Prostata auswirken, wobei für diese Präparate der wissenschaftliche Wirknachweis bisher nicht erbracht ist.

Zusätzlich sind in diesem frühen Stadium allgemeine Maßnahmen wie das Meiden von Kälte und starken alkoholischen Getränken sowie regelmäßige Blasen- und Darmentleerung und viel Bewegung sinnvoll.


Stadium 2
In diesem Stadium muss meistens operiert werden.

Die endoskopische Teilentfernung der Prostata (so genannte TUR der Prostata) gilt heute weltweit als das anerkannte Verfahren zur Beseitigung von Beschwerden beim Wasserlassen, die durch eine Vergrößerung der Prostata hervorgerufen werden. Hierzu wird ein kleines Rohr, das mit einer Lichtquelle, einer Optik und Instrumenten ausgestattet ist, in die Harnröhre eingeführt. Über diesen Operationsblasenspiegel wird das Prostatagewebe in kleine Teile geschnitten und über den Schaft des Operationsinstrumentes aus der Blase herausgespült. Anschließend verbleibt ein Blasenkatheter für wenige Tage in der Blase. Die Dauer des stationären Aufenthaltes nach der Operation liegt zwischen drei und acht Tagen.

Die kurzfristigen Komplikationen dieses Operationsverfahrens sind Blutungen und Nachblutungen sowie eine Blasen- und Nebenhodenentzündung.

Zu den langfristigen Komplikationen und Folgen dieses Operationsverfahrens zählen eine Harnröhrenenge, Zeugungsunfähigkeit wegen des rückwärts gerichteten Auswurf des Samens in die Blase, bleibende Harninkontinenz (unfreiwilliger Urinverlust) sowie Impotenz. 15 bis 25 Prozent der Patienten berichten nach der Operation von Impotenz. Es ist jedoch nicht eindeutig geklärt, wie viele davon bereits vor der Operation davon betroffen waren.

Die offene Entfernung des Prostataadenoms über einem Bauchschnitt wird heute wegen der höheren Gefahr der Harninkontinenz und des allgemein höheren Operationsrisikos nur noch bei begleitenden Blasenerkrankungen durchgeführt.

Weniger häufig werden Laserstrahlen zur Zerstörung des überschüssigen Gewebes eingesetzt. Vorteilhaft bei dieser Methode ist der kürzere Aufenthalt im Krankenhaus und ein geringeres Blutungsrisiko. Nachteilig ist die Notwendigkeit eines Katheters oft für mehrere Wochen sowie der weitaus geringere Erfolg.

Alternativ wird auch Wärme in Form der so genannten Thermotherapie (mittels erhitzbarer Eisennadeln, Mikrowelle) eingesetzt. Das Verfahren wird ambulant durchgeführt, es gibt kein Blutungsrisiko. Gelegentlich ist eine Harnableitung mittels Katheter erforderlich. Für dieses Verfahren existieren aber noch keine Langzeitbeobachtungen.

Die dauerhafte Anwendung eines Blasenkatheters ist eine Alternative für Patienten, denen z. B. aufgrund einer schweren Allgemeinerkrankung, keine Operation mehr zugemutet werden kann.

Stadium 3
In diesem fortgeschrittenem Stadium ist eine operative Behandlung unvermeidlich. Zuvor kann jedoch zur Entlastung der Blase und Nieren die Behandlung mit einem Katheter erforderlich sein.

Nach Entstauung der Nieren entspricht die Therapie der im Stadium 2. Im Allgemeinen lässt sich die Prostatavergrößerung mit den heutigen Methoden sehr effizient und schonend therapieren.

Was muss man beachten?


Im Rahmen der Prostatakrebs-Früherkennung für Männer ab dem Alter von 45 Jahren wird jährlich eine rektale Abtastung durchgeführt. Die Früherkennung ist auch nach der Behandlung einer gutartigen Prostatavergrößerung wichtig, da sich Prostatakrebs meistens in der Prostatakapsel bildet und diese bei der Operation im Körper belassen wird. Eine erneute Prostatavergrößerung ist möglich, tritt aber erst nach mehreren Jahren nach der Erstoperation auf.

In den ersten vier Wochen nach einer Prostataoperation können noch Blutbeimengungen im Urin vorkommen. Auch kann die Häufigkeit des Wasserlassens noch erhöht und das Wasserlassen selbst noch schmerzhaft sein. Ein Harnträufeln sollte sich nach wenigen Tagen bessern.

Um Blasenentzündungen zu vermeiden, muss man ausreichend trinken, damit die Blase gut durchgespült wird. Wenn anhaltende Störungen der Sexualfunktion auftreten, sollte man sich an seinen Urologen wenden.

Impressum


Copyright: sanvartis GmbH
Erstellungsdatum: August 2000
Autor: Dr. med. Petra Wiedmann (Fachärztin für Urologie)
Letzte Aktualisierung: Januar 2005
Durch: Dr. med. Dirk Nonhoff

Literatur/Leitlinien/EBM:


Campbell, M. F.: Campbell's Urology. W.B. Saunders Company (1997).

Hanno, P.: Clinical manual of Urology. McGraw-Hill ( 3rd edition 2001).

Hautmann, R.: Urologie. Springer (2. Auflage 2001).

Sökeland, J.: Urologie. Thieme (12. Auflage 2002).

Deutsche Gesellschaft für Urologie: Leitlinie zu Diagnostik des BPH-Syndroms (1999).

Deutsche Gesellschaft für Urologie: Leitlinie zu Therapie des BPH-Syndroms (1999).
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