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Tollwut



(Rabies; Lyssa)


Was ist Tollwut?


Tollwut, auch Rabies oder Lyssa genannt, ist eine durch Viren verursachte Infektionskrankheit.
Menschen können sich durch Tierbisse, vor allem von Hunden oder Füchsen, mit Tollwut anstecken. Die Rabies-Viren breiten sich von der Wunde in das Zentrale Nervensystem (Gehirn und Rückenmark) aus. Ist die Krankheit einmal ausgebrochen, endet sie fast immer tödlich.

Nach Schätzungen der WHO erkranken weltweit jedes Jahr 35.000 Menschen an Rabies, wobei die Experten von einer erheblichen Dunkelziffer ausgehen. Deutschland und Österreich sind nahezu frei von Tollwut, besonders gefährdete Gebiete sind Asien, Afrika und Osteuropa.

Wie bekommt man Tollwut?


Das Rabies-Virus befindet sich im Speichel der infizierten Tiere. Durch einen Biss, zum Beispiel von einem Hund, Fuchs, Wolf, Dachs, Marder oder von einer Katze, Maus oder Ratte gelangt das Virus in den menschlichen Organismus. Zunächst vermehrt es sich in der Wunde, dann wandert es über die Nervenbahnen ins Rückenmark und ins Gehirn, wo sich eine weitere Vermehrungsphase anschließt.

Die Ansteckungsgefahr ist grundsätzlich eher gering, denn im Schnitt erkranken nur 20 Prozent der Infizierten auch an Tollwut. Die Viren können auch durch eindringenden Speichel in verletzte Hautstellen wie offene Wunden oder Hautabschürfungen und über Augen, Nase und Mund übertragen werden. Am gefährlichsten sind Bissverletzungen am Hals, im Gesicht und am Kopf. Die infizierten Tiere scheiden das Virus bereits drei bis zehn Tage vor dem Beginn von Symptomen aus.

Wie äußert sich Tollwut?


Treten die ersten Symptome auf, ist die Tollwut bereits ausgebrochen - es gibt keine Warnzeichen!

Die Krankheitszeichen können bereits einige Tage, aber auch erst Monate nach dem Tierbiss auftreten. In der ersten Krankheitsphase kommt zunächst zu Übelkeit, Fieber, Kopf- und Muskelschmerzen. Die Betroffenen sind unruhig, und die Bissstelle schmerzt, kribbelt, brennt und fühlt sich manchmal auch taub an. Die Viren breiten sich weiter über die Nervenbahnen aus und befallen schließlich das Gehirn, was die so genannte akute neurologische Phase einläutet. Die Hirnentzündung (Enzephalitis) äußert sich mit Ängstlichkeit, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit, Gefühlsschwankungen und Überaktivität sowie mit Krämpfen. Dieses Erkrankungsstadium bezeichnet man auch als "Wilde Form" oder "Rasende Wut". Typisch sind vermehrter Speichelfluss, Schwitzen und Muskelkrämpfe ausgehend von der Schlundmuskulatur. Diese können sich auf den ganzen Körper ausbreiten und treten vor allem beim Anblick von Flüssigkeit auf: Man spricht deshalb von "Wasserscheu" oder "Hydrophobie".

Das Endstadium, die so genannte "Stille Wut", ist durch Lähmungen der Hirnnerven und Lähmungen der Arme und Beine gekennzeichnet. Bald sind auch die Atem- und die Herzmuskulatur gelähmt und die Betroffenen sterben bei vollem Bewusstsein an Lungen- und Herzversagen. Zwischen dem Auftreten der ersten Symptome und dem Tod verstreichen maximal sieben Tage.

Wie wird die Erkrankung festgestellt?


Der Verdacht ergibt sich zunächst an Hand der Symptome und der Vorgeschichte des Patienten. Wenn die Tollwut ausgebrochen ist, versucht man, das Rabies-Virus im Speichel, der Hirnflüssigkeit, in der Hornhaut oder in den Haarwurzeln des Erkrankten nachzuweisen. Ein früherer Nachweis ist nicht möglich. Deshalb allerdings sollte man bei einem Biss durch ein auffällig aggressives Tier immer eine mögliche Tollwutinfektion in Betracht ziehen.

Durch eine gründliche körperliche Untersuchung und eine Untersuchung des Nervensystems (neurologische Untersuchung) können das Ausmaß und das Fortschreiten der Erkrankung abgeschätzt werden. Im Hirnwasser (Liquor), das durch eine Rückenmarkspunktion (Lumbalpunktion) gewonnen wird, finden sich meist keine typischen Veränderungen, allerdings kann man dadurch andere neurologische Erkrankungen als Ursache für die Beschwerden weiter abgrenzen.

Wurde das für den Biss verantwortliche Tier ausfindig gemacht und getötet, so kann durch eine Gewebeuntersuchung seines Gehirns die Tollwut anhand typischer so genannter Negri-Körperchen nachgewiesen werden.

Wie wird Tollwut behandelt?


Besteht auch nur der geringste Verdacht auf Tollwut, muss der Betroffene sofort geimpft werden!
Bei oberflächlichen Kratzern erfolgt eine Schutzimpfung mit so genannter HDC-Vakzine, weitere Impfungen schließen sich nach drei Tagen, nach ein, zwei und vier Wochen sowie nach drei Monaten an. Die Impfung schützt innerhalb einer Woche vor Tollwut, also noch vor einem möglichen Ausbruch der Erkrankung. Bei tieferen Wunden oder Bissen führt man eine Simultanimpfung mit HDC-Vakzine und Tollwut-Antikörpern (Rabies-Immunglobulin) durch. Die anschließenden Impfungen erfolgen wie oben beschrieben.

Der Arzt schneidet die Bisswunde großflächig aus, wäscht sie anschließend mit einer desinfizierenden und Virus abtötenden Spülung gründlich aus und lässt die Wunde offen. Gleichzeitig überprüft er, ob ein Schutz gegen Tetanus (Wundstarrkrampf) vorliegt. Ist dies nicht der Fall, muss auch dagegen geimpft werden.

Ist die Tollwut einmal ausgebrochen, ist eine ursächliche Behandlung nicht mehr möglich. Der Erkrankte muss auf einer Intensivstation betreut werden. Die Prognose ist sehr ernst. Ohne Behandlung versterben die Betroffenen wenige Tage nachdem die Krankheit ausgebrochen ist.

Wie kann man sich vor Tollwut schützen?


Grundsätzlich sind Menschen ansteckungsgefährdet, die oft Kontakt mit freilebenden Tieren haben, z. B. Förster, Jäger und Tierärzte. Deshalb rät das Robert-Koch-Institut diesen Risikopersonen zu einer vorbeugenden Schutzimpfung.

Ansonsten sollte man sich von allen fremden Tieren fern halten und nicht versuchen, sie zu streicheln. Auch die Impfung von Tieren wie Hunden und Füchsen ist mit Hilfe eines Tollwut-Impfstoffköders möglich. Tollwutgebiete sind - wenn möglich - zu meiden.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Hasse, F.M.: Klinikleitfaden Chirurgie. Urban & Fischer (3. Auflage 2002).

Müller, M.: Chirurgie. Medizinische Verlags- u. Informationsdienste (2003).

Robert-Koch-Institut: Tollwut  Merkblätter für Ärzte (aktualisierte Fassung 2005).
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