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Trommelfellverletzungen



(Trommelfellperforation; Trommelfellruptur)


Was ist das Trommelfell?


Das Trommelfell ist ein Bindegewebshäutchen, das den äußeren Gehörgang von der Paukenhöhle des Mittelohres trennt. Es ist oval bis rund, etwa 0,1 Millimeter dick und hat einen Durchmesser von etwa einem Zentimeter. An den Seiten verwächst es über einen Knorpelring mit dem Schädelknochen.

Das Trommelfell besitzt zwei wesentliche Aufgaben: Zum einen verschließt es das Mittelohr nach außen und schützt so die empfindlichen Gehörknöchelchen vor Infektionen und Beschädigung. Zum anderen überträgt es Schallschwingungen über die Gehörknöchelchen-Kette auf das Innenohr, wo sich die Sinneszellen befinden. Damit ist es direkt am Hörvorgang beteiligt.

Wie entstehen Trommelfellverletzungen?


Verletzungen des Trommelfells entstehen meist durch unvorsichtigerweise in den Gehörgang eingeführte spitze Gegenstände. So kann das dünne Häutchen z. B. bei der Ohrreinigung aus Versehen durchstoßen werden. Häufig sind Trommelfellverletzungen die Folge einer kräftigen Ohrfeige oder eines Kopfsprungs ins Wasser. Durch die plötzliche Druckerhöhung reißt das dünne Häutchen an seiner Außenseite ein.

Auch Infektionen des Mittelohrs ziehen immer wieder Verletzungen des Trommelfells nach sich. Es gibt dabei an seiner schwächsten Stelle, der dünnen Pars flaccida, dem Druck des Eiters nach.
Schallbelastungen von einer kurzfristigen Lautstärke von über 150 Dezibel schädigen vor allem das Innenohr (Knalltrauma). Durch eine plötzliche Druckerhöhung kann allerdings das Trommelfell einreißen, etwa wenn direkt neben dem Ohr Feuerwaffen oder Knallkörper abgefeuert werden, oder bei Explosionen und Sprengarbeiten.

Eine weitere mögliche Ursache ist das Barotrauma beim Tauchen. Dabei hat der Taucher beim Abtauchen versäumt, den Druckausgleich zwischen Mittelohr und Mundhöhle über die Ohrtrompete (eustachische Röhre) herzustellen. Allerdings reißt dabei häufiger das dünne Gewebe zwischen Innen- und Mittelohr, das äußere Trommelfell ist seltener betroffen.

Wie kann man sich vor Trommelfellverletzungen schützen?


Im empfindlichen Gehörgang sollte nicht mit spitzen Gegenständen hantieren. Auch Wattestäbchen sind zur Reinigung des Gehörganges nicht geeignet. Der dort anfallende Ohrenschmalz (Zerumen) ist Teil des natürlichen Hautschutzes dieser Region und muss nicht herausgeholt werden. Beim normalen Waschen des Ohres wird überflüssiges Zerumen auf ungefährliche Weise entfernt.

Beim Reinigungsversuch mit Wattestäbchen verstopft man unter Umständen sogar den Gehörgang, weil das Ohrenschmalz nach hinten an das Trommelfell geschoben wird und dort stecken bleibt. Das Hörvermögen wird dadurch in der Regel eingeschränkt. Der Pfropfen muss der Arzt durch eine Ohrspülung entfernen.

Beim Umgang mit Knallkörpern und Waffen sowie bei Sprengarbeiten gilt es, die vorgeschriebenen Sicherheitsmaßnahmen (Gehörschutz) einzuhalten.

Wer unter Ohrenschmerzen leidet, sollte sofort den Arzt aufsuchen. Wenn Mittelohrentzündungen über längere Zeit unbehandelt bleiben, können Gehörknöchelchen und Trommelfell geschädigt werden.
Vor Tauchgängen sollte der Taucher sicher sein, dass der Druckausgleich zwischen Mittelohr und Rachen problemlos funktioniert. Erkältungskrankheiten können diesen Vorgang behindern.

Welche Beschwerden entstehen durch Trommelfellverletzungen?


Verletzungen des Trommelfells durch äußere Gewalteinwirkung wie Knall oder Stich verursachen einen stechenden Schmerz, unmittelbar im Anschluss verschlechtert sich das Hörvermögen. Betroffene berichten oft über ein hohles Gefühl im Ohr. Eventuell rinnt auch etwas Blut aus dem Gehörgang. Wurde das Innenohr in Mitleidenschaft gezogen, treten zusätzlich Schwindel und Ohrensausen (Tinnitus) auf.

Wie stark der Hörverlust durch die Verletzung ist, hängt von ihrer Größe und Lokalisation ab. Selbst eine völlige Zerstörung des Trommelfells hat aber keine Taubheit zur Folge, da die Schallwellen auch direkt über die Gehörknöchelchen übertragen werden können.

Eine Komplikation von Trommelfellverletzungen ist die Infektion. Bakterien können in das nun ungeschützte Mittelohr eindringen und sich dort vermehren. Einige Tage nach der Verletzung nehmen im Falle einer Infektion die Ohrschmerzen zu, Eiter kann aus dem Ohr herausrinnen.

Welche Untersuchungen werden durchgeführt?


Trommelfellverletzungen erkennt der Arzt beim Blick in das Ohr. Er verwendet dabei einen Ohrenspiegel (Otoskop). Es handelt sich um eine Art Trichter, der in den äußeren Gehörgang eingeführt wird, um Haare zur Seite zu drängen und die Krümmungen des Ganges auszugleichen. Eine in das Otoskop eingebaute Lichtquelle erlaubt es dem Arzt, den äußeren Gehörgang und auch das Trommelfell genau zu beurteilen. Oft wird statt des Otoskops ein optisches Instrument mit Vergrößerungsfunktion eingesetzt (Ohrmikroskop). Es liefert noch genauere, dreidimensionale Bilder des Trommelfells.

Wenn das Trommelfell verletzt ist, kann man den Riss bei dieser Untersuchung als schlitzförmigen oder gezackten Trommelfelldefekt sehen. Am Verletzungsrand finden sich oft Spuren von Blut.
Falls eine Mittelohrentzündung der Verletzung ursächlich zu Grunde liegt, erscheint das Trommelfell entzündlich gerötet. Außerdem ergießt sich Eiter aus der Öffnung.

Liegt die Verletzung schon einige Tage zurück, kann der Arzt prüfen, ob sich bereits eine Infektion des Mittelohres oder der Wunde entwickelt hat. Zusätzlich werden Hörprüfungen und Gleichgewichtsuntersuchungen durchgeführt, mit dem Ziel, das Ausmaß der Hörminderung zu beurteilen und eine mögliche Schädigung von Mittel- und Innenohr zu erkennen.

Wie werden Trommelfellverletzungen behandelt?


Kleinere Verletzungen des Trommelfells heilen von selbst innerhalb weniger Tage bis zwei Wochen. Dann wird lediglich ein steriler Verband angelegt, der Infektionen verhindert. Damit sich die Wundränder nicht einrollen, kann der Arzt zur Stabilisierung eine Schiene aus Silikon am Trommelfell anbringen.

Größere Defekte muss man operativ im Krankenhaus behandeln, um die beschädigte Stelle geissermaßen abzudichten. Bei der als Myringoplastik bezeichneten Operation wird in lokaler Betäubung oder in Vollnarkose das Trommelfell in seine ursprüngliche Position gebracht und mit einem an anderer Stelle entnommenen Hautstückchen verschlossen.

Wurden die Gehörknöchelchen in Mitleidenschaft gezogen, werden sie ebenfalls wieder in Position gerückt (Tympanoplastik). Dies ist häufiger nach Eiterungen des Mittelohres nötig, seltener bei Schädigungen des Trommelfells durch mechanische Verletzungen. Tympanoplastiken machen Einschnitte hinter dem Ohr sowie im Gehörgang notwendig und werden meist in Vollnarkose durchgeführt.
Mittelohreiterungen können noch umfangreichere Eingriffe erfordern, bei denen Eiter aus der Paukenhöhle ausgeräumt wird oder das Mastoid, eine Knochenhöhle hinter dem Ohr, eröffnet werden muss.

Starke Verletzungen oder Zerstörungen der Gehörknöchelchen lassen sich mit speziellen Kunst-Prothesen oder Knochentransplantaten wieder herstellen.
Allgemeine Komplikationen dieser Operationen sind Blutungen, Nachblutungen und Wundinfektionen.
Falls Implantate verwendet werden, können Probleme beim Einheilen auftreten. Die Narbenbildung an der Schnittstelle kann zu Aufwerfungen führen oder die Ohrmuschel leicht verziehen.
Sehr seltene Risiken sind eine Verschlechterung des Gehörs bis zur Ertaubung, Ohrensausen (Tinnitus) sowie Nervenverletzungen mit Geschmacksstörungen, Lähmungen oder Taubheitsgefühl.

Nach der Operation legt der Arzt eine Tamponade in den Gehörgang ein, die Verschmutzungen und Infektionen verhindert. Die Tamponade ist mit einer antibiotikahaltigen Salbe getränkt, um einer Besiedelung mit Bakterien mit der möglichen Folge einer Mittelohr- oder Gehörgangsentzündung optimal vorzubeugen. Der Arzt wechselt sie in den ersten tagen regelmäßig aus.

Bei frischen Trommelfellverletzungen ist es wichtig, zu verhindern, dass Wasser in den Gehörgang und damit in die ungeschützte Paukenhöhle eindringt. Auf diesem Weg werden leicht Krankheitserreger eingeschleppt. Bis der Defekt verschossen ist, sollte man sich lieber nicht die Haare waschen. Ohrentropfen oder Ohrspülungen sind bei Verdacht auf einen Riss im Trommelfell verboten.
In der Heilungsphase sollte man darauf achten, keine starken Druckveränderungen im Mittelohr herbeizuführen. Aus diesem Grund ist davon abzuraten, mit geschlossenem Mund zu niesen, die Nase zu schnäuzen, Schweres zu heben, mit dem Strohhalm zu trinken oder Flugreisen zu unternehmen.

Besteht eine Infektion, verschreibt der Arzt Antibiotika. Antibiotika töten die Bakterien ab und verhindern eine weitere Ausbreitung (z. B. Übergreifen der Infektion auf die Hirnhäute). Abschwellende Nasentropfen erleichtern die Belüftung des Mittelohres und unterstützen dadurch den Heilungsprozess. Sie wirken hauptsächlich über eine Verengung der Blutgefäße und können gelegentlich Kopfschmerzen verursachen. Um eine Gewöhnung zu vermeiden, sollten man Nasentropfen generell nur über einen kurzen Zeitraum einnehmen..

Abhängig von der Art der Verletzung verschließen sich Trommelfellverletzungen in den meisten Fällen nach der Operation wieder vollständig. Hörminderungen bleiben nur selten und in geringem Ausmaß zurück. Mitverletzungen des Innenohres können jedoch länger andauern und Schwindel, Ohrensausen und bleibenden Hörverlust verursachen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Arnold, W.: Checkliste Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (4. Auflage 2005).

Boenninghaus, H.G.: Hals-Nasen-Ohrenheilkunde. Springer (12. Auflage 2005).

Probst, R.: Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde. Thieme (2. Auflage 2004).

Lippert: Anatomie. Urban & Fischer (6. Auflage 2003).

Miller-Keane Medical Dictionary: Tympanic membrane (2000).

Rance, W. Raney, M.D.: "MYRINGOPLASTY AND TYMPANOPLASTY.
The Bobby Alford Department of Otorhinolaryngology (1995).
http://www.bcm.tmc.edu/oto/grand/21695.html
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