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Toxoplasmose




Was ist Toxoplasmose?


Toxoplasmose ist eine weit verbreitete, durch einzellige Lebewesen (Toxoplasma gondii) übertragene Infektionskrankheit. In der Regel ist die Krankheit harmlos, die meisten Infektionen verlaufen ohne jegliche Krankheitszeichen, also von den Betroffenen unbemerkt. Vereinzelt treten Lymphknotenschwellungen, besonders am Hals, Fieber, grippeähnliche Symptome und Kopfschmerzen auf.

Gefährlich sind Infektionen mit Toxoplasma gondii jedoch in der Schwangerschaft, denn sie können das ungeborene Kind schädigen. Auch für Menschen mit einer geschwächten körpereigenen Abwehr ist die Krankheit bedrohlich.

Die meisten Menschen wissen nicht, ob sie an einer Toxoplasmose erkrankt waren und womöglich durch Antikörperbildung vor einer weiteren Infektion geschützt sind. Im Alter von 40 Jahren hat jeder zweite Mensch Antikörper gegen Toxoplasma gondii, das heißt, ihr Immunsystem hatte irgendwann einmal Kontakt mit dem Erreger.

Wie kann man sich anstecken?


Der Erreger der Toxoplasmose ist ein intrazellulärer Parasit. Er vermehrt sich in den Zellen von Mäusen, Rindern, Schafen, Schweinen und Menschen, und bildet dort infektiöse Zysten, sowohl in der Muskulatur und als auch in anderen Organen wie dem Gehirn. Endwirt sind Katzen, die diese infektiösen Zysten (Oozysten) mit dem Kot ausscheiden.

Der Mensch kann sich durch den Genuss von rohem Fleisch infizierter Tiere anstecken. Mett und Schweinefleisch beispielsweise sind zu 25 Prozent mit Zysten infiziert. Ein zweiter Infektionsweg ist der Kontakt mit oozystenhaltigem Katzenkot, beispielsweise beim Reinigen des Katzenklos.
Roher und ungewaschener Salat oder Gemüse bergen eine weitere mögliche Infektionsquelle. Besonders gefürchtet ist die so genannte transplazentare Infektion, also wenn das ungeborene Kind sich im Mutterleib mit Toxoplasmen infiziert.

Wann kann eine Infektion gefährlich werden?


Gefährlich ist in erster Linie die Erst-Infektion während der Schwangerschaft, da dann der Erreger über die Nabelschnur in den kindlichen Organismus gelangen kann. Die Infektion, die meist im zweiten oder letzten Drittel der Schwangerschaft erfolgt, kann (muss aber nicht) zu schweren Schäden des Kindes, zu Früh- und Totgeburten führen. Allerdings geht auch nur etwa jede zweite Infektion der Mutter auf das Ungeborene über. In vier bis sechs Prozent dieser Fälle kommt es dann zu der gefürchteten angeborenen Toxoplasmose (konnatale Toxoplasmose) mit vielfältigen Missbildungen des Säuglings; einer Gehirnentzündung mit Wasserkopf (Hydrozephalus), Augenentzündungen und Verkalkungen im Gehirn, eine Vergrößerung von Leber und Milz, Gelbsucht, Herzmuskelentzündung, Lungenentzündung und der Gefahr einer geistigen Behinderung.

Auch für abwehrgeschwächte Menschen birgt die Infektion große Risiken. Vor allem Patienten, die sich einer Therapie unterziehen, die ihr Abwehrsystem unterdrückt (z. B. eine Chemotherapie bei Krebs) sowie für AIDS-Kranke kann die Toxoplasmose lebensbedrohlich werden. Während die Infektion bei gesunden Menschen sehr milde verläuft und harmlos ist, nimmt sie bei Abwehrgeschwächten oft einen schweren Verlauf mit einer Gehirnentzündung (Hirntoxoplasmose) und dem Befall anderer Organe wie Herz, Leber oder Milz (septische Streuung). Unbehandelt kann eines Toxoplasmose bei diesen Patienten innerhalb von wenigen Wochen tödlich verlaufen.

Wie kann man sich vor einer Infektion in schützen?


Den besten Schutz vor Toxoplasmose bildet die durchgemachte Erkrankung, da sich dabei Antikörper gegen den Erreger gebildet haben, die ein Leben lang im Organismus bleiben.
Bei Schwangeren, die keine schützenden Antikörper besitzen, ist es sehr wichtig, eine Infektion in dieser Zeit zu vermeiden. Deshalb sollten sie auf den Verzehr von rohem oder ungenügend gebratenem Fleisch verzichten, also z. B. kein rohes Mett oder Tartar essen.

Außerdem sollten werdende Mütter nach Möglichkeit den engen Kontakt zu Katzen vermeiden. Falls eine Schwangere eine Katze besitzt und diese nicht weggeben möchte, muss sie intensiv auf gründliche Hygiene achten und sollte nicht mit kotverunreinigtem Material in Berührung kommen. Das Gleiche gilt für abwehrgeschwächte Menschen.

Wie wird eine Infektion festgestellt?


Die nach einer Infektion gebildeten Antikörper lassen sich durch eine Blutuntersuchung feststellen. Wenn Antikörper da sind, besteht ein weitgehender Schutz vor einer erneuten Infektion.
Außerhalb der Mutterschaftsvorsorge bietet jeder Frauenarzt diesen Bluttest an.

Falls es zu einer schweren Infektion gekommen ist (z. B. konnatale Toxoplasmose oder Hirntoxoplasmose), kann der Erreger ebenfalls im Blut, aber auch in der Gehirnflüssigkeit, dem Liquor, nachgewisen werden.

Vor der Geburt (pränatal) ist es möglich, das Erbmaterial von Toxoplasma gondii (Toxoplasmose-DNA) aus dem Fruchtwasser oder aus fetalem Blut zu gewinnen. Diese Untersuchung birgt allerdings einige Risiken vor allem für das Ungeborene und wird vom Arzt nur bei dringendem Verdacht auf eine Infektion und möglichen sich daraus ergebenden Konsequenzen durchgeführt.

Wie wird eine Infektion behandelt?


In den meisten Fällen muss die Toxoplasmose nicht behandelt werden, da die Beschwerden so gering sind und die Erkrankung nach kurzer Zeit von alleine ausheilt.

Eine Therapie mit Antibiotika ist nur in folgenden Situationen notwendig:
  • Toxoplasmose mit starken Beschwerden (z. B. hohes Fieber, Muskelschmerzen)
  • Erst-Infektion in der Schwangerschaft
  • Abwehrgeschwächte (z. B. immunsuprimmierte und AIDS-Patienten) mit akuter Toxoplasmose
  • Konnatale Toxoplasmose
Antibiotika sind Medikamente, die Bakterien, aber auch Einzeller wie Toxoplasma gondii, abtöten und damit deren weitere Ausbreitung im Körper verhindern.
Als unerwünschte Wirkungen der Antibiotika kann es zu allergischen Reaktionen, Mundtrockenheit, Übelkeit und Magen-Darm-Beschwerden sowie zu Blutbildveränderungen kommen. Schwere Nebenwirkungen der Antibiotika-Therapie wie Schäden an Nieren und anderen Organen sind selten.
Trotzdem muss man immer abwägen, ob die Therapie notwendig ist, vor allem in der Schwangerschaft. Hier wählt der Arzt ein Antibiotikum, das zum einen das Ungeborene nicht schädigt, gleichzeitig aber die Toxoplasmose-Erreger sicher abtötet.

Wird eine Erst-Infektion der Mutter in der Schwangerschaft festgestellt, so mündet das nicht zwangsläufig auch in eine Infektion des Ungeborenen. Trotzdem wird der Frauenarzt die sofortige Therapie mit Antibiotika beginnen, um eine weitere Ausbreitung oder den Übergang der Infektion auf das Ungeborene zu verhindern. Durch regelmäßige Antikörperbestimmung bekommt er Informationen über den vermutlichen Infektionszeitpunkt und damit über die mutmaßliche Infektions- und Missbildungsgefahr für das Ungeborene. Bei Verdacht auf eine kindliche Infektion besteht die Möglichkeit, diese durch eine Nabelschnurblutuntersuchung abzuklären. Zusätzlich kann der Arzt durch Ultraschalluntersuchungen das Risiko einer kindlichen Missbildung näher eingrenzen.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Herold, G.: Innere Medizin. Selbstverlag (2005).

Thiemes Innere Medizin (TIM). Thieme (2000).

Stauber, M., Weyerstahl, T.: Gynäkologie und Geburtshilfe. Thieme (2. überarbeitete Auflage 2005).

Groß, U.: Toxoplasmose in der Schwangerschaft. Deutsches Ärzteblatt 98 (49), 2001

Robert-Koch-Institut: Toxoplasmose bei Mutter und Kind - Erkennung, Behandlung und Verhütung (März 2003).
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