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Vergiftungen im Kindesalter




Wie kommt es zu Vergiftungen bei Kindern?


Kinder vergiften sich oft mit Substanzen und Stoffen, die nicht zum Verzehr geeignet sind. Insbesondere zwischen dem sechsten Lebensmonat und dem dritten Lebensjahr kommt es häufig vor, dass Kinder Gegenstände in den Mund nehmen, um sie zu "untersuchen", so dass sie schädliche Substanzen oft unbeabsichtigt zu sich nehmen.

Nicht immer treten in diesem Zusammenhang Vergiftungserscheinungen auf. Ob es zu einer Vergiftung kommt, hängt von der Art und der Menge der aufgenommenen Substanz ab.
Bei älteren Kindern und Jugendlichen spielt die versehentliche Einnahme von möglichen Giften eine untergeordnete Rolle. Ab dem Schulalter stehen mehr oder weniger ernst gemeinte Selbstmordversuche im Vordergrund.

Woran kann man eine Vergiftung erkennen?


Es gibt eine große Anzahl von Stoffen, die Vergiftungen verursachen können. Aus diesem Grund sind die Zeichen einer Vergiftung sehr unterschiedlich. Häufige Anzeichen sind Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Auch Bewusstseinsstörungen wie Schläfrigkeit oder Erregungszustände kommen im Rahmen von Vergiftungen vor.

Hautveränderungen können am Körper, im Gesicht oder um den Mund herum auftreten. Je nach eingenommener Substanz kann die Haut blass, gerötet, schweißig oder warm und trocken sein. Aber nicht bei jeder Vergiftung ist die Haut sichtbar verändert. Um den Mund herum lassen sich gelegentlich Reste der aufgenommenen Substanzen nachweisen. Besonders bei der Aufnahme von ätzenden Stoffen (Säuren, Laugen), z. B. WC-Reiniger, kann die Haut der Lippen wund oder blasig sein. Veränderungen der Pupillenweite, sowohl enge als auch weite Pupillen, sowie Atem- und Kreislaufstörungen können ebenfalls auf eine Vergiftung hinweisen.

Was kann man bei einer Vergiftung machen?


Wenn das Kind die giftige Substanz über den Mund aufgenommen hat, müssen sofort verbliebene Reste entfernt werden, damit sie nicht mehr verschluckt werden können. Nicht verzehrte Reste sollte man aufbewahren, damit man nachher weiß, um welchen Stoff es sich handelt. Entscheidend für das weitere Vorgehen bei einer Vergiftung ist, ob nach der Aufnahme der schädlichen Substanz bereits Beschwerden auftreten.

Falls das Kind Vergiftungszeichen zeigt, muss unverzüglich der Notdienst unter der deutschlandweiten Notfall-Nummer 112 alarmiert werden. Wichtig ist auch, dass man nicht versucht, das vergiftete Kind zum Erbrechen zu bringen. Wenn das Kind bewusstlos ist, sollte man es mit dem Kopf nach unten gewendet in Seitenlage bringen.

Falls Störungen von Kreislauf und Atmung aufgetreten sind, können wiederbelebende Maßnahmen lebensrettend sein. Bei der Beatmung ist darauf zu achten, sich durch den Kontakt mit dem Giftstoff keinesfalls selbst in Gefahr zu bringen. Die Sofortmaßnahmen zur Herz-Lungen-Wiederbelebung kann man im Rahmen eines Erste-Hilfe-Kurses bei verschiedenen Organisationen, zum Beispiel beim Deutschen Roten Kreuz, erlernen.

Wurde eine Substanz eingenommen, die vermutlich giftig ist, aber das Kind zeigt noch keine Anzeichen einer Vergiftung, sollte man den Gift-Notruf anrufen. Es gibt in jeder Region Deutschlands Vergiftungs-Informationsstellen. Folgende Angaben sind wichtig: Art und Menge der aufgenommenen Substanz, Zeitpunkt der Aufnahme, Alter und Gewicht des Kindes. Der Gift-Notruf informiert dann über das erforderliche weitere Vorgehen.

Kommt es zum Erbrechen, sollte man versuchen, beruhigend auf das Kind einzuwirken. Bewusstseinsgetrübte Kinder werden beim Erbrechen möglichst auf die Seite gedreht. So soll verhindert werden, dass das Erbrochene eingeatmet wird, und die Lunge geschädigt wird. Das Erbrochene sollte zur genauen Untersuchung aufbewahrt und mit ins Krankenhaus gegeben werden.

Das Verabreichen von Salzwasser als Brechmittel ist bei Kindern gefährlich. Es kann selbst zu Vergiftungen führen. Grundsätzlich sollte man nicht versuchen, Erbrechen selbst auszulösen. Bei manchen Stoffen kann durch das Erbrechen die Speiseröhre stark geschädigt werden. Das gilt besonders nach der Einnahme von ätzenden Substanzen, wie Säuren oder Laugen. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern oder bei bewusstseinsgetrübten Kindern besteht eine erhöhte Gefahr, das Erbrochene einzuatmen. So kann es zu schweren Schäden an Kehlkopf, Luftröhre und Lunge kommen.

Das Trinken von Wasser oder kaltem Tee kann sinnvoll sein, um die schädlichen Stoffe zu verdünnen. Auf keinen Fall sollte dem Kind Milch verabreicht werden, da unter Umständen damit die Aufnahme der Substanz ins Blut beschleunigt wird. Nur Kinder, die bei Bewusstsein sind, dürfen zum Trinken aufgefordert werden. Nach der Aufnahme von Spülmittel, Seife oder anderen stark schäumenden Stoffen kann allerdings durch eine Flüssigkeitsaufnahme eine starke Schaumbildung entstehen. Dieser Schaum kann sehr gefährlich sein, wenn er eingeatmet wird.

Wie kann man Vergiftungen vorbeugen?


Im Haushalt sollten alle potenziell gefährlichen Substanzen so gelagert werden, dass sie für Kinder nicht zu erreichen sind. Dies gilt zum Beispiel für Medikamente, die in einem abschließbaren Schrank aufbewahrt werden sollten. Auch Genussmittel wie Zigaretten und Alkohol sollten außer Reichweite für Kinder sein. Das Nikotin einer einzigen Zigarette kann für ein Kleinkind tödlich sein.

Haushaltsmittel, Reiniger, aber auch Lampenöle sollte man verschlossen unterbringen. Um eine Verwechslung zu vermeiden, dürfen giftige Chemikalien, Haushalts- und Reinigungsmittel niemals in Mineralwasser- oder Saftflaschen umgefüllt werden. Besonders farbige Substanzen sind für Kinder verlockend. Auch sollte darauf geachtet werden, dass keine giftigen Pflanzen auf dem Balkon und im Garten stehen.

Welche Behandlungsmaßnahmen sind erforderlich?


Lebensgefährliche Vergiftungen sind zwar überwiegend selten, aber bei Unklarheit über Art, Menge und Gefährlichkeit der aufgenommenen Substanz ist im Zweifel immer ein Arzt zu kontaktieren. Zuwartendes Verhalten kann möglicherweise schwere Schäden verursachen, die der Arzt vermeiden kann. Ihm stehen zur Behandlung einer Vergiftung verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung:

Durch das Auslösen von Erbrechen oder durch eine Magenspülung kann der Magen entleert werden. Zu berücksichtigen sind dabei der Bewusstseinszustand und das Alter des Kindes, der Zeitpunkt der Giftaufnahme sowie die Art des Giftstoffs. Liegt der Zeitpunkt der Vergiftung noch nicht lange zurück, kann so die Aufnahme der Substanz in das Blut verhindert oder zumindest eingeschränkt werden. Auch wenn das Gift besonders gefährlich ist, vermindern diese Maßnahmen die Menge, die ins Blut gerät und damit im Körper verteilt wird. Deshalb wird bei besonders gefährlichen Stoffen in einigen Fällen auch nach einigen Stunden noch eine Magenspülung durchgeführt.

Häufig ist auch die Gabe von Kohlepräparaten sinnvoll, da Kohle giftige Substanzen bindet und so die Aufnahme aus dem Darm ins Blut verhindert. Manche Gifte können aus dem Blut mit speziellen Blutwäsche-Maschinen (Dialyse-Geräten) entfernt werden. Spezielle wirkungsvolle Gegengifte existieren nur für wenige Giftstoffe wie zum Beispiel E605 oder für einige Medikamente.

Manchmal ist nur eine rein symptomatische Therapie möglich. Darunter versteht man die Behandlung von einzelnen Beschwerden und Symptomen, die durch die Vergiftung entstanden sind. Eine Atem- und Kreislaufstörung wird zum Beispiel so lange durch eine künstliche Beatmung und eine Kreislauf-Unterstützung behandelt, bis das Gift vollständig aus dem Körper entfernt ist und seine Wirkung verloren hat.


Literatur/Leitlinien/EBM:



Classen, M.; Diehl, V.; Kochsiek, K.: Innere Medizin. Urban & Fischer (5.Aufl. 2003).

Sefrin, P.: Notfalltherapie. Urban & Fischer (6.Aufl. 2001).

Siewert, J.R.; Allgöwer, M.: Chirurgie. Springer (7.Aufl. 2001).
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