Osteoporose - eine Volkskrankheit -
rechtzeitige und richtige Prophylaxe ist das Gebot der Stunde
Calciumreiche Heilwässer eröffnen neue Wege in der Prävention der Osteoporose
Interview mit Prof. Dr. med. Karl-Ludwig Resch, Direktor des Forschungsinstituts für Balneologie und Kurortwissenschaft Bad Elster
Frage: Die Lebenserwartung unserer Bevölkerung nimmt zu. Altersbedingte Erkrankungen erhalten - neben den Problemen für die Betroffenen - zunehmend eine sozialmedizinische und sozioökonomische Bedeutung. Welchen Stellenwert nimmt in diesem Zusammenhang die Osteoporose ein?
Prof. Resch: Unter den altersabhängigen Krankheiten ist die Osteoporose mittlerweile die häufigste metabolisch bedingte Skeletterkrankung. Allein in den alten Bundesländern leiden schätzungsweise 4 bis 6 Millionen Menschen an einer Osteoporose. Ältere Frauen sterben an einer Schenkelhalsfraktur genauso häufig wie an einem Schlaganfall und häufiger als an Brustkrebs. Sie verbringen mehr Tage im Bett als nach einem Herzinfarkt, bei Brustkrebs oder schweren chronischen Atemwegserkrankungen. Abgesehen von den Belastungen und Schmerzen der Betroffenen bringt die Osteoporose eine große ökonomische Belastung für das Gesundheitssystem mit sich. In Deutschland verursachen die rund 150.000 Fälle von osteoporosebedingten Frakturen allein ein Kostenvolumen von ca. 2 Milliarden Mark. Hinzu kommen die Kosten, die durch die konservative Therapie der Krankheit und die Versorgung der Betroffenen verursacht werden.
Frage: Kann man die Osteoporose als eine Frauenkrankheit bezeichnen?
Prof. Resch: Frauen sind zwar häufiger betroffen als Männer. Doch es kommt auf den Zeitpunkt der Erkrankung an. Wir unterscheiden zwei Formen der Osteoporose: die postmenopausale und die senile Osteoporose. Die postmenopausale Osteoporose, bei der bereits in den Wechseljahren Knochenbrüche auftreten können, betrifft nur die Frauen und zwar etwa jede dritte Frau. Die sogenannte Altersosteoporose (senile Osteoporose) tritt bei ca. 2/3 aller Frauen und bei 1/3 aller Männer auf.
Frage: Was ist Ihr Eindruck: Wissen die Menschen, die von der Osteoporose potentiell bedroht sind, genug über die Krankheit, um sich selbst gegen die Gefahr des Knochenschwundes zu schützen?
Prof. Resch: Leider nein, denn wenn alle, denen dieses Leiden droht, richtig aufgeklärt wären, gäbe es nicht so viele und so schwerkranke Patienten. Wie wichtig eine umfassende Aufklärung über die Krankheit und die Möglichkeiten der Prophylaxe ist, wird angesichts der Folgen deutlich:
Die frakturbedingten Komplikationen der Osteoporose fordern mehr Todesfälle als Brust- und Gebärmutterkrebs zusammen. Die Notwendigkeit, in der Bevölkerung ein entsprechendes Bewusstsein für die Bedeutung dieser Krankheit und vor allem für die Möglichkeit ihrer Prävention zu schaffen, liegt auf der Hand.
Frage: Was kann jeder von uns gegen die Entwicklung von Knochenschwund tun
Prof. Resch: Um der Entwicklung von Osteoporose vorzubeugen, muss man täglich ausreichend Calcium zuführen. Dass man den normalen Calciumbedarf mit Milch und Milchprodukten decken kann, wissen wir seit langem. Dabei wird aber oft vergessen, dass viele Menschen Milch nicht vertragen oder einfach nicht mögen. Keineswegs handelt es sich dann immer um eine Laktoseintoleranz. Auch eine eingeschränkte Verdauungsleistung kann der Grund dafür sein, dass der Konsum von Milch oder Milchprodukten Beschwerden hervorruft. Für diese Menschen und für all diejenigen, denen der Kaloriengehalt der Milch zu hoch ist, bieten sich calciumreiche Heilwässer als Alternative der Calciumversorgung an. Sie sind nicht nur kalorienfrei, was vor allem für Übergewichtige von Bedeutung ist. Calciumreiche Heilwässer gewährleisten auch eine zuverlässige Calciumversorgung, denn die Bioverfügbarkeit von Calcium aus Heilwässern ist nachweislich mindestens so gut wie bei Milch und Milchprodukten, einigen Studien zufolge sogar besser.
Frage: Welche Heilwässer eignen sich denn besonders zur Vorbeugung gegen Osteoporose?
Prof. Resch: Es sind dies vornehmlich Heilwässer mit einem Calciumgehalt vom mehr als 150 Milligramm pro Liter. Viele Heilwässer kommen sogar auf Calciumwerte von 400 Milligramm pro Liter und mehr. Ein Liter eines solchen Heilwassers liefert also bereits mehr als ein Drittel der täglichen Calciummenge, die erforderlich ist, um Osteoporose zu verhindern.
Frage: Worauf führen Sie es zurück, dass Heilwässer bisher in der Prophylaxe der Osteoporose noch nicht den Stellenwert haben, der ihnen bei dieser nachgewiesenen Wirksamkeit zukommt?
Prof. Resch: Über den richtigen Zeitpunkt der Diagnostik und des Therapiebeginns der Osteoporose wird innerhalb der Ärzteschaft diskutiert. Genauso wichtig ist es aber, an die Prophylaxe zu denken, denn immer noch ist Vorbeugen besser als Heilen. Für die wirksame Prävention der Osteoporose müssen ebensolche Kriterien entwickelt werden, wie sie für die Diagnostik und die Therapie des eingetretenen Krankheitsbildes entwickelt wurden.
Ziel der Osteoporose-Prävention muss es sein, die Osteoporose ganz zu verhindern oder zumindest zu mildern. Da dies auch mit relativ einfachen Maßnahmen möglich ist, muss im öffentlichen Bewusstsein der Präventionsgedanke wieder mehr belebt werden - nicht zuletzt auch aus volkswirtschaftlichen Gründen. Wer sich von Jugend an angewöhnt, calciumreich zu essen und zu trinken, behält diese Gewohnheit auch im Alter bei.
Frage: Welche Rolle können denn Heilwässer spielen, wenn bereits eine Osteoporose eingetreten ist?
Prof. Resch: Hier kommt es auf den Schweregrad an: Ist eine Osteoporose bereits eingetreten, so kann es bei leichter Ausprägung in Einzelfällen möglich sein, durch gesteigerten Konsum von calciumreichem Heilwasser und/oder Milch und Milchprodukten den gesteigerten Calciumbedarf zu decken. In jedem Fall wird der Konsum von calciumreichen Heilwässern eine medikamentöse Calciumsubstitution wirksam unterstützen. In mittelschweren und schweren Fällen ist ein gesteigerter Konsum von Heilwasser und/oder Milch bzw. Milchprodukten nicht mehr ausreichend; hier sind dann zwingend Calciumsubstitutionspräparate in Verbindung mit Vitamin D und ggf. Fluorid notwendig, um die Knochensubstanz wieder zu stabilisieren.
Frage: In welchem Alter sollte man mit der gezielten Calciumzufuhr über die Ernährung beginnen?
Prof. Resch: So früh wie möglich! Bereits Kinder und Jugendliche haben eine Unterversorgung mit Calcium, wie der Ernährungsbericht 2000 feststellt. Die neuen DGE-Referenzwerte für Calcium werden im Mittel von keiner Altersgruppe erreicht. Bereits Kinder u. Jugendliche verzehren nur zwischen 60 und 80 Prozent der empfohlenen Menge an Calcium. Deshalb können auch bereits in diesen Altersstufen osteoporotische Veränderungen registriert werden. Die hormonellen Umstellungen in den Wechseljahren und die normalen Knochenabbauvorgänge im Alter wirken sich bei dieser Ausgangssituation dann später katastrophal aus.
Frage: Was erscheint Ihnen in dieser Situation das Wichtigste zu sein ?
Prof. Resch: Das Wichtigste - auf lange Sicht gesehen - ist die Schaffung eines Risikobewusstseins bereits bei Kindern und Jugendlichen, zum Beispiel im Rahmen einer vernünftigen Gesundheitserziehung, die auch Ernährungsinformationen altersgerecht vermittelt. Weiterhin erscheint es mir notwendig, die Aufklärung über Osteoporose und die relativ einfachen Möglichkeiten der Prophylaxe bei allen Patienten in gynäkologischen und Allgemeinpraxen zu intensivieren. Denn schließlich geht die Osteoporose mit einer starken Einbuße an Lebensqualität, einer erhöhten Morbidität und einer erhöhten Mortalität einher.


