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Adhäsionsprophylaxe


Mehr Sicherheit bei chirurgischen Eingriffen





Was sind Adhäsionen?


Als Adhäsionen werden Verwachsungen bezeichnet, die sich zwischen Organen oder Gewebeoberflächen bilden, die normalerweise nicht miteinander verbunden sind. Ursache sind Verletzungen ("Traumatisierungen") der sehr empfindlichen Organmembranen, wie sie häufig nach Operationen im Bauch- und Beckenbereich entstehen. Viele Verwachsungen verlaufen harmlos und beeinflussen die Gesundheit nicht.

Sie werden oft erst bei späteren Eingriffen bemerkt, wo sie dann aber zu erheblichen Komplikationen führen können.

Adhäsionsprophylaxe
Adhäsionen können aber auch schwerwiegende Folgen für die Betroffenen haben: Zu den möglichen adhäsionsbedingten Beschwerden zählen chronische, oft ziehende Unterleibsscherzen, Unfruchtbarkeit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr oder auch ein lebensbedrohlicher Darmverschluss. Adhäsionen kommen sehr häufig vor und sind ein von den meisten Medizinern unterschätztes Problem. Studien zeigen, dass bei 90 Prozent aller Patienten, bei denen ein chirurgischer Eingriff im Bauch- oder Beckenbereich vorgenommen wurde, im Anschluss Verwachsungen auftreten. Eine andere Untersuchung belegt: Bei bis zu 40 Prozent der Frauen, die an Unterleibsschmerzen leiden, sind Adhäsionen der Auslöser.



Wie entstehen Adhäsionen?


Ursache für Adhäsionen sind Verletzungen der sehr empfindlichen Organmembranen bei chirurgischen Eingriffen, durch Schnitte, Risse, Druck, Hitze und Austrocknung. Auch Fremdkörper wie Handschuhpuder oder Nahtmaterial können das Gewebe reizen und die Bildung von Adhäsionen provozieren. An den traumatisierten oder gereizten Stellen setzt ein Heilungsprozess ein, analog dem Wundheilungsprozess bei oberflächlichen Hautwunden. Zum Verschluss der Wunde bildet der Körper unter anderem die sehr klebrige Substanz Fibrin. Kommt es in der anschließenden mehrtägigen Heilungsphase zu einer Berührung benachbarter Membranen, bleiben diese - eigentlich nicht "zusammengehörenden" - Membranen zunächst aneinander haften und verwachsen schließlich dauerhaft. Untersuchungen haben gezeigt, dass auch minimalinvasive ("Schlüsselloch-") Operationen das Adhäsionsrisiko nicht verringern, denn auch bei diesen Eingriffen mit kleiner Schnittoberfläche werden die empfindlichen Organmembranen z. B. durch Druck und Austrocknung geschädigt, da der Bauchraum für den Eingriff mit Luft gefüllt wird.


Bei welchen Eingriffen entstehen Adhäsion?


Grundsätzlich können Adhäsionen nach allen operativen Eingriffen im Bauch- oder Beckenbereich entstehen. Dazu gehört also ebenso die Blinddarm-Operation, Eingriffe an inneren Organen wie Nieren, Leber, Milz etc. oder Herz-Operationen. Auch bei den häufig bei Kindern auftretenden Nabelbrüchen wird das Bauchfell verletzt und es können Verwachsungen entstehen. Für Frauen sind besonders operative Eingriffe an Gebärmutter, Eileiter und Eierstöcken relevant - und auch nach einem Kaiserschnitt treten häufig Adhäsionen auf.


Welche Folgen und Komplikationen können Adhäsionen nach sich ziehen?


Viele Adhäsionen sind harmlos und werden nie bemerkt, andere können lebenslange Probleme und Folgeschäden mit sich bringen. So kann eine vermeintlich harmlose Blinddarm-OP im Kindesalter später für die Unfruchtbarkeit einer erwachsenen Frau verantwortlich sein. Zwar findet der Eingriff räumlich entfernt von den Fortpflanzungsorganen statt, kann aber dennoch zu Verklebungen im Beckenbereich führen. Besonders gefährdet sind darüber hinaus Frauen, bei denen bereits eine gynäkologische Bauch- oder Unterleibsoperation durchgeführt wurde. Man schätzt, dass zwischen 20 und 40 Prozent der Fälle weiblicher Unfruchtbarkeit letztlich auf Adhäsionen zurückgehen. Aber auch andere schwerwiegende Folgen sind möglich: chronische, heftige Unterleibsschmerzen und Schmerzen beim Geschlechtsverkehr. Sogar zu lebensbedrohlichen Situationen kann es kommen, wenn ein Darmverschluss als Folge von postoperativen Verwachsungen auftritt. Und schließlich stellen Adhäsionen ein großes Risiko bei späteren Operation dar: Die Eingriffe dauern dann wesentlich länger als zunächst geplant, da die Organe für den Operateur nicht frei zugänglich sind und die Verwachsungen zunächst gelöst werden müssen. Bei dieser so genannten Adhäsiolyse besteht stets die Gefahr von Blutungen und anderen Komplikationen.


Wie kann man Adhäsionen feststellen?


Adhäsionen können "von außen", also durch bildgebende Verfahren wie Computer- oder Kernspintomographie, nicht nachgewiesen werden. Eine sichere Diagnose ist ausschließlich durch eine operative Bauchöffnung möglich, die die Ärzte natürlich erst dann in Erwägung ziehen, wenn alle anderen möglichen Ursachen der Beschwerden ausgeschlossen werden konnten. Für die Betroffenen kann dies aber einen langen Leidensweg und die nur kurzfristige Linderung der Schmerzen durch medikamentöse Unterdrückung der Symptome bedeuten.


Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?


Die einzig mögliche Behandlung, um eine Adhäsion zu beseitigen, ist die chirurgische Trennung der verwachsenen Organe voneinander, oder von der Bauchwand, an der sie anhaften. Dieser Eingriff verlangt großes operatives Geschick und viel Erfahrung vom behandelnden Arzt und führt auch leider nicht immer dazu, dass die Beschwerden komplett verschwinden. Darüber hinaus zieht eine Adhäsiolyse natürlich ihrerseits wieder die Gefahr von neuen Verwachsungen nach sich, da die Membranen hier in besonderem Maße traumatisiert werden. Spätestens bei einer Adhäsiolyse sollten also Mittel zur Adhäsions-Vermeidung zum Einsatz kommen.


Wie kann man Adhäsionen vorbeugen?


Adhäsionsprophylaxe
Die Natur macht vor, wie Verwachsungen vermieden werden können: Sämtliche Organe im Bauch- und Beckenraum sind mit dem Bauchfell (Peritoneum) umkleidet. Dessen immerfeuchte und dadurch äußerst glatte Beschichtung verhindert beim Gesunden, dass Darmschlingen, Eierstöcke, Eileiter oder andere inneren Organe miteinander oder mit der Bauchwand verwachsen können. Heutzutage ist es möglich, durch den Einsatz bestimmter Flüssigkeiten diese natürliche Körperfunktion nachzuahmen und die Bildung von Adhäsionen nachweislich zu vermindern. Die klinisch anerkannteste Methode zur Vermeidung postoperativer Adhäsionen ist derzeit die Verwendung von 4-prozentiger Icodextrin-Lösung (Adept®) als Spülflüssigkeit im Bauchraum unmittelbar vor Beendigung der Operation und Verschluss der Wunde. Die Icodextrin-Lösung funktioniert als "flüssige Adhäsionsbarriere": Sie verteilt sich im gesamten Bauch- und Beckenraum, lagert sich zwischen den Membranen an und verhindert somit deren direkten Kontakt. Die sehr großen Icodextrin-Moleküle werden nur sehr langsam aus dem Bauchraum abtransportiert und abgebaut. So verweilt die Adhäsions-Barriere lange genug im Körper, bis der natürliche Wundheilungsprozess abgeschlossen ist, und die Gefahr von Verwachsungen nicht mehr besteht. Nebenwirkungen gibt es nicht: Icodextrin wird zwar langsam, aber rückstandslos vom Körper abgebaut und verhält sich, solange es im Körper verweilt, völlig neutral.



Was kann man als Patient selbst tun?


Die Gefahr von postoperativen Adhäsionen ist zwar bei Ärzten bekannt, wird aber leider häufig unterschätzt. Darum sollte sich grundsätzlich jeder Patient vor einer Operation im Bauch- oder Beckenbereich, also auch den meisten gynäkologischen Eingriffen, erkundigen, ob dabei Mittel zur Adhäsionsprävention eingesetzt werden. Sollte dies nicht zum Operations-Standard gehören - was immer noch recht häufig der Fall ist - kann der Patient diese Leistung auch ausdrücklich anfordern. Die Kosten für die Icodextrin Lösung Adept® liegen bei ca. 70 bis 75 Euro pro Eingriff und sind in der Regel in der Pauschal-Vergütung, die eine Klinik für eine Operation erhält, enthalten.

Eine Übersicht der Kliniken in Deutschland, bei denen eine Adhäsionsprophylaxe bei gegebener Indikation zum Operationsstandard gehört, finden Sie hier.
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