2 bis 3 Jahre
Die motorische Entwicklung
Noch ist der Bewegungsdrang von Kindern ungestillt. Versuchen Sie nicht, ihn zu zähmen. Schon wenig später im Kindergarten und erst recht in der Schule, ist Dauersitzen angesagt. Nutzen Sie Ihre Wohnung - und die für Bewegung günstigeren Spielmöglichkeiten im Freien.
Kinderspiele in der Wohnung:
- Kisten zu einem Turm stapeln, zu Häusern aufbauen und umwerfen.
- Klicker rollen (über Kugelbahnen) und einzeln in eine Dose einräumen.
- Verschiedene Bälle wegwerfen, kicken und rollen.
- Auf niedrige Kisten steigen und frei balancieren, über eine Linie oder ein auf dem Boden liegendes Brett balancieren und rückwärts gehen.
- Möbel wie Stuhl, Sessel, Sofa und Bank fordern zum Raufsteigen und Runterklettern auf (Achtung: auf Kippsicherheit achten).
- Die Treppe hinauf- und herabkrabbeln.
- Beidbeiniges Hüpfen, später über eine Schnur oder auf dem Boden liegende Hindernisse (z. B. kleine Kissen) springen und leise landen, Niedersprünge zunächst an der Hand, später alleine auf weiche Unterlagen, z. B. vom Sofa auf den Teppich. Tipp: Auf leises und weiches Landen ("wie ein Mäuschen") hinweisen.
Kinderspiele im Freien:
Spielplätze mit Großgeräten und die freie Natur fordern zu unzähligen Spielen, geschickten und kraftvollen Bewegungen sowie Risiken und Abenteuer auf. Kinder lieben körperliche Anstrengung, weil Sie als Bewegungskünstler Spaß am Ausloten ihrer körperlichen Fähigkeiten haben. Hierzu brauchen sie möglichst viel Zeit und Platz.
Die Sprachentwicklung
Ihr Kind spricht immer mehr und besser, aber noch nicht so wie die Erwachsenen. Jetzt sind Ihre verbesserten Wiederholungen besonders wichtig.
Korrigieren Sie nicht die grammatische Form seiner kleinen Sätze oder die Aussprache seiner Wörter, indem Sie Ihr Kind auf Fehler hinweisen ("Das heißt nicht...") oder indem Sie es zum richtigen Wiederholen auffordern. Ihr Kind spricht ja genau so, wie es seine Sprachentwicklung gerade erlaubt.
Vollständige, richtige Sätze und korrekt ausgesprochene Wörter sind das Ziel der Sprachentwicklung. Ihr Kind ist auf dem Weg dorthin. Sie können ihm immer nur den nächsten Schritt anbieten.Das tun Sie, wenn Sie eine Äußerung Ihres Kindes noch einmal so wiederholen, wie Sie es verstanden haben. Auf diese Weise hört Ihr Kind unmittelbar nach seiner eigenen Formulierung die richtige Form der Wörter und des Satzes. Ein Beispiel: Kind: "Tina au essen"; Erwachsener: "Tina will auch essen? Was willst du denn essen?"
Dadurch spürt Ihr Kind Ihr Interesse. Es erfährt, dass sein Mitteilungsversuch erfolgreich war. Und es bekommt ein Vorbild für seine weiteren Äußerungen. Bei einzelnen Wörtern versuchen Kinder manchmal spontan, sich zu korrigieren und bemühen sich, das Wort noch einmal - jetzt aber richtig - zu sprechen. Bei Kindern, die häufig korrigiert und auf "Fehler" hingewiesen werden, beobachtet man diese spontanen Selbstkorrekturen nicht.
Zuhören können, fragen und geduldig antworten, das sind die wichtigsten Strategien, mit denen Sie Ihr Kind unterstützen können. Gute Sprechanlässe sind häufig beim Spielen zu finden. Wichtig ist dabei, dass Sie etwas Zeit mitbringen und die Bereitschaft, sich auf das Spiel des Kindes einzulassen.
Im Verlauf des zweiten Lebensjahres beginnt Ihr Kind erste kleine Rollenspiele (Puppe füttern oder baden, kochen, Eisenbahnverkehr o. ä.) zu spielen. Spielen Sie mit! Dabei bieten sich viele Gelegenheiten, die Äußerung eines Kindes aufzugreifen und in korrekter Form noch einmal beiläufig zu wiederholen (z. B. beim Spiel mit Bausteinen: Kind "Hab baut" - Mutter: "Ja, das hast du schön gebaut. Ist das ein Haus?"; Kind: "Auto reinfahrt" - Mutter: "Das Auto fährt da rein? Dann ist das eine Garage, nicht?"; Kind: "Raasche" - Mutter: "Ja, eine Garage. Da fährt das Auto rein." usw.).
Fragen kennzeichnen im Alter von drei Jahren das Sprechen Ihres Kindes. Was ist das? Wo ist der? Wie geht das? Warum macht die das? Anfangs sind es nur einzelne Fragen, die mit einer Antwort zufrieden zu stellen sind. Im Laufe der Zeit hören Sie dann ganze Fragenketten. Jede Antwort erzeugt eine neue Frage. Manchmal kann das ganz schön die Nerven strapazieren. Hören Sie gut zu und versuchen Sie geduldig zu antworten.
In den Fragen können Sie erkennen, welche Gedanken Ihrem Kind durch den Kopf gehen. Sie merken, wie Ihr Kind sich mit seiner Umgebung auseinandersetzt und alles verstehen will. Und dazu braucht Ihr Kind Ihre Antworten, Ihr Interesse und Ihre Rückfragen. Dadurch lernt es seine Umwelt zu verstehen, es trainiert seine sprachlichen Ausdrucksfähigkeiten und es erlebt, wie es mit seinen Gedanken und Fragen akzeptiert wird. Wiederum trägt das Gespräch zur Stabilität Ihrer Beziehung bei.


