Künstliche Befruchtung
Unfreiwillig kinderlose Paare haben heute durch strategische Planung, geschickte Organisation und medizinische Kunstfertigkeit größere Chancen auf ein Kind.
Eine Sterilitätstherapie ist aber mit viel Zeit und Aufwand verbunden. Die medizinische Technik bringt nicht sofort und manchmal auch gar keinen Erfolg. Vielfältige Stoffwechselprozesse spielen bei der Reproduktion ineinander und lassen sich auch mit verfeinerten Techniken nur unzureichend simulieren. Deshalb liegen die Erfolgsraten der In-Virto-Fertilisation (IVF) bisher nicht über 25 Prozent.
Doch gerade die übergroße Erwartung, ein Kind "machen" zu können, führt oft zu tiefer Enttäuschung, wenn der Wunsch sich trotz aller Mühen nicht verwirklicht. Darauf sollten sich Paare innerlich einstellen und sich mit ihren Erwartungen, Ängsten und Enttäuschungen auseinandersetzen. Selbsthilfegruppen und psychotherapeutische Paar- und Einzelgespräche können in dieser Situation unterstützen.
Ungewollte Kinderlosigkeit gilt inzwischen als behandlungsbedürftiges Leiden, und die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Behandlung. Die aufwendigen Therapien werden jedoch nur bezahlt, solange eine reelle Chance auf Erfolg besteht. Vor Therapiestart ist die Kostenzusage der Krankenkasse notwendig.
Insemination
Das künstliche Einbringen von Spermien in die Gebärmutter umgeht Probleme mit dem Transport des Samens in die Gebärmutter. Zur Insemination ist in Deutschland nur der Samen des Ehemannes (homologe Insemination), nicht der von Spendern (heterologe Insemination) zugelassen.
Wenn im Ultraschall ein reifes Eibläschen kurz vor dem Eisprung erkennbar ist, wird die Samenflüssigkeit (Ejakulat) durch einen dünnen Kunststoffschlauch (Katheter) von der Scheide her direkt in die Gebärmutter hineingespritzt. Kurz zuvor muss der Mann seinen Samen entweder in ein keimfreies Glasröhrchen onanieren oder beim Geschlechtsverkehr das Ejakulat in einem Kondom sammeln.
Die Samenflüssigkeit sollte nicht länger als 30 Minuten ungenutzt bleiben (vor Verunreinigung schützen und auf Zimmertemperatur achten!). In besonderen Fällen kann auch aufgetautes Gefriersperma (Kryosperma) verwendet werden. Der Eingriff ist risikolos und schmerzfrei. Der Ehemann kann beim Eingriff dabei sein.
In-vitro-Fertilisation (IVF)
Seit Geburt des ersten "Retortenbabys" wurde die IVF-Technik weiterentwickelt, doch erreichen nur knapp ein Viertel der IVF-Versuche erfolgreich ihr Ziel.
IVF bedeutet Befruchtung im Reagenzglas: Unter Ultraschallkontrolle werden der Frau bei einer Punktion bis zu drei Eizellen durch die Scheide entnommen und in einem Glasschälchen mit dem Samen zusammengebracht. Im Brutschrank werden sie, wenn es zur Befruchtung gekommen ist, noch solange aufbewahrt, bis sich die Eizelle mehrfach geteilt hat. Der winzige Organismus wird dann in die Gebärmutter gebracht und kann sich dort entwickeln.
Andere Verfahren
Die Reproduktionsmedizin hat noch verschiedene andere Verfahren entwickelt. So ist es möglich, mit winzigen Glaspipetten eine Samenzelle direkt in die entnommene Eizelle hineinzuspritzen, wenn sich Ei- und Samenzellen nicht selbständig verschmelzen. Es ist auch möglich, zuerst Eizellen zu entnehmen, sie im Glas mit Samenzellen zu mischen und die Mischung bei einer Bauchspiegelung direkt in die Gebärmutter zurückzubringen, damit die Befruchtung am natürlichen Ort geschehen kann (GIFT = gamete intrafallopian tube transfer). Auch eine im Reagenzglas befruchtete Eizelle kann so in die Eileiter gegeben werden (ZIFT = zygote intrafallopian tube transfer).
Es ist inzwischen mithilfe der Mikrochirurgie möglich, im Reagenzglas einzelne Samenfäden direkt in die Eizelle einzuschleusen (ICSI = intrazytoplasmatische Spermieninjektion). Gut 50 Prozent der Eizellen lassen sich auf diese Weise befruchten und können wie bei der IVF in die Gebärmutter zurückgebracht werden. Etwa 30 Prozent der Frauen werden schwanger und nach dreimaligem Versuch erwarten sogar gut zwei Drittel der Frauen ein Kind " doch nur, wenn sie selbst keine Fruchtbarkeitsprobleme haben. Denn diese Methode umgeht die Unfruchtbarkeit des Mannes: Bei Männern mit niedrigem Spermiengehalt im Ejakulat können auf diese Weise sogar direkt aus dem Hoden entnommene einzelne Samenfäden genutzt werden.
Um den Erfolg der jeweiligen Reproduktionstechnik zu steigern, müssen möglichst mehrere Eizellen befruchtet werden. Daher wird die Reifung der Eizellen mit Gonadotropin stimuliert. Entsprechend sind Risiken der Überstimulation nicht auszuschließen.


