Hormone aus der Natur
Heilpflanzen unterstützen und fördern die Selbstheilungskräfte des Körpers. Pflanzenöstrogene und Heilkräuter mit östrogenähnlicher Wirkung sind eine empfehlenswerte Alternative bei leichteren Wechseljahresbeschwerden und zur ergänzenden Vorbeugung gegen Osteoporose.
Wirkt eine Therapie mit pflanzlichen Wirkstoffen innerhalb von drei bis sechs Monaten nicht, können immer noch synthetische Hormone eingesetzt werden.
Reich an Pflanzenöstrogenen sind: Soja und seine Produkte, Alfalfa, Granatäpfel, Leinsamen, Kartoffeln, Hopfen, Äpfel, Kirschen, Kohl, Zwiebeln und Senf. Ihre Wirkung ist zwar schwächer als beim synthetischen Hormon, allerdings sind sie frei von schweren Nebenwirkung und zudem noch appetitlich.
Eine Wirkung gegen Wechseljahresbeschwerden haben neben Türkischem Rhabarber (östrogenartig) und Rosmarin (östrogenstimulierend) auch folgende Heilkräuter (verschreibbar als Dragees, Tropfen oder Teemischungen):
Baldrian (Valeriana officinalis):
Baldrian wirkt beruhigend und schlaffördernd, ohne Nebenwirkungen. Baldrian gibt es als alkoholhaltige Tropfen oder Dragees.
Ginseng (Panacis ginsengi):
Ginseng soll östrogenartige Wirkung haben und bei Hitzewallungen helfen. Je nach Jahreszeit und Region der Ernte schwankt der Wirkstoffgehalt allerdings stark, der Effekt ist deshalb unzuverlässig. Ginseng gibt es als Tropfen, Tee und als Dragee.
Hopfen (Humulus lupulus):
Hopfen wirkt schlaffördernd, gegen Unruhe und Angstzustände. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Hopfen gibt es als alkoholhaltige Tropfen gemischt mit anderen Kräutern.
Johanniskraut (Hypericum perforatum):
Johanniskraut wirkt beruhigend und entzündungshemmend. Bei längerer Anwendung stabilisiert und hebt es die Stimmung und wirkt bei starken Stimmungsschwankungen ausgleichend. Johanniskraut sensibilisiert die Haut gegen ultraviolette Strahlung (Photosensibilisierung), deshalb sind Sonnenbäder und Sonnenbank zu meiden. Es wird als alkoholhaltige Tropfen oder Dragees angeboten.
Mönchspfeffer (Vitex agnus castus):
Mönchspfeffer regt die Bildung von LH an, kann so den Zyklus stabilisieren und die Brust zur Milchbildung anregen. In den Wechseljahren gleicht es LH-Schwankungen aus, die Brustspannen und Hitzewallungen verursachen. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Mönchspfeffer wird meist als alkoholhaltige Tropfen in einer Mischung mit anderen Kräutern verordnet.
Salbei (Salvia officinalis):
Salbei beruhigt das Temperaturzentrum im Gehirn und hemmt die Schweißproduktion, so dass er gegen starkes Schwitzen bei Hitzewallungen hilft. Außerdem Salbei wirkt entspannend und entkrampfend. Nur hohe Dosierungen von reinem Salbeiöl können epilepsieähnliche Krämpfe auslösen. Salbei gibt es als nebenwirkungsfreien Tee oder Bonbons.
Süßholz (Glycyrrhiza glabra):
Süßholz enthält wenig Östradiol und Östron und wird deshalb fast nur als Schleim- und Hustenlöser verwendet. Es kann im Übermaß den Blutdruck steigern, weil es zu Wassereinlagerungen (Ödeme) führt. Selten treten Schwindel und Kopfschmerzen auf. Süßholz gibt es als Tee oder Lakritz.
Wanzenkraut (Cimicifuga racemosa):
Cimicifuga wirkt östrogenähnlich: Seine Wirkstoffe besetzten die Östrogenrezeptoren im Körper und senken so überhöhte LH-Spiegel. Dadurch lassen sich Hitzewallungen mildern, Haut und Schleimhäute bleiben feuchter. Seine krampflösende Wirkung bessert außerdem Blutungsbeschwerden. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt.
Wolfstrapp (Lycopus europaeus):
Wolfstrapp wirkt hemmend auf die Schilddrüse, beeinflusst aber über diesen Weg auch den Östrogenhaushalt. Brustspannen und Hitzewallungen werden dadurch gemildert. Es sind keine Nebenwirkungen bekannt. Wolfstrapp gibt es als alkoholhaltige Tropfen in einer Mischung mit anderen Kräutern.
Aber auch pflanzliche Wirkstoffe können, wie alle Naturstoffe, Risiken bergen, z. B. Allergien auslösen oder mit Schwermetallen belastet sein. Bei Produkten aus ökologisch kontrolliertem Anbau ist dies nicht der Fall, häufiger jedoch bei Kräutern aus Fernost, die keiner pharmakologischen Kontrolle unterliegen.
Frauen mit Alkoholproblemen dürfen Heilmittel in alkoholischer Lösung nicht einnehmen, können aber das Medikament in der unbedenklichen Kapselform verwenden. Die biochemisch wirksamen Pflanzenstoffe selbst haben nur selten Nebenwirkungen, wirken jedoch auch nicht so schnell und stark wie manche pharmazeutische Arznei.


