Schwangerschaft und Zuckerkrankheit
Grundsätzlich unterscheidet man eine schon vor der Schwangerschaft bestehende Zuckerkrankheit, (in der Regel Diabetes mellitus Typ I, insulinpflichtig) von einer in der Schwangerschaft auftretenden Zuckerkrankheit.
Eine Zuckerkrankheit, die erstmals in der Schwangerschaft auftritt, bleibt meist auf die Zeit der Schwangerschaft begrenzt. Davon sind besonders häufig Frauen betroffen, die bereits ein oder mehrere Kinder mit einem Geburtsgewicht über 4.000 g geboren haben, oder bei denen bei der Schwangerschaftsvorsorge eine Zuckerausscheidung im Urin gefunden wird. Aus diesem Grund sollte bei diesen Frauen ein Blutzuckerbelastungstest (OGTT= oraler Glucose-Toleranz-Test) durchgeführt werden, durch den eine Zuckerverwertungsstörung festgestellt werden kann. Liegt diese vor, sind regelmäßige Blutzuckerkontrollen, eine Diät und gelegentlich auch eine Insulintherapie erforderlich. In den meisten Fällen können diese Maßnahmen nach der Entbindung wieder abgesetzt werden. Betroffene Frauen haben jedoch ein erhöhtes Risiko, zu einem späteren Zeitpunkt an einem Diabetes zu erkranken. In der Schwangerschaft ist zur Vermeidung von Komplikationen eine optimale Blutzuckereinstellung dringend erforderlich.
Das Gleiche gilt für Diabetikerinnen, die schwanger werden. Bei diesen Frauen ist der Schwangerschaftsverlauf auch von möglicherweise schon bestehenden Blutzucker-Folgekrankheiten (Nierenerkrankung, Augenhintergrundveränderungen etc.) abhängig. In diesem Fall ist vor Planung einer Schwangerschaft ein ausführliches Gespräch mit dem Frauenarzt erforderlich. Liegen noch keine Folgekrankheiten vor, bestehen auch bei Diabetikerinnen im Allgemeinen keine Bedenken gegenüber einer Schwangerschaft. Sie müssen jedoch mit einer leicht erhöhten Fehlgeburtenrate und bei schlecht eingestellten Blutzuckerwerten auch mit einer (um zwei bis drei Prozent) erhöhten Missbildungsrate rechnen.
Tritt eine Zuckerkrankheit auf oder ist sie schon vorher vorhanden, machen folgende mögliche Komplikationen eine engmaschige Schwangerschaftsvorsorge erforderlich. Sie treten umso seltener auf, je besser der Blutzucker eingestellt ist:
- Bei der Mutter kommt es ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel zu einem erhöhten Insulinbedarf, da die Schwangerschaftshormone dem Insulin entgegenwirken.
- Infektionen der Harnwege - auch unbemerkte - treten vermehrt auf. Daher sind häufigere Urinkontrollen erforderlich.
- Probleme mit dem Blutdruck treten häufiger auf.
Kinder von zuckerkranken Müttern, deren Blutzuckerwerte häufig erhöht sind, werden besonders schwer (Gewicht > 4.000 g bzw. 4.500 g). Dieser so genannte Riesenwuchs (Makrosomie) kann während der Geburt Probleme bereiten, so dass ein Kaiserschnitt erforderlich wird. Im Gegensatz zur äußeren Erscheinung bleiben die Organe dieser Kinder oft unreif. Vor allem die Lunge ist davon betroffen, so dass nach der Geburt Atemprobleme auftreten können. Zusätzlich sind solche Kinder besonders durch eine Unterzuckerung gefährdet. Deshalb müssen Kinder zuckerkranker Mütter unmittelbar nach der Geburt besonders intensiv beobachtet werden. Allerdings haben sie kein erhöhtes Risiko, selbst an Diabetes zu erkranken.
Die Zuckerkrankheit der Mutter kann auch Auswirkungen auf die Blutgefäße des Mutterkuchens haben, so dass das Kind während der Schwangerschaft nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt wird (Plazenta-Insuffizienz). Daher sind zum Ende der Schwangerschaft häufigere Herzton- und spezielle Ultraschallkontrollen erforderlich. Oftmals erfolgt in den letzten zwei bis vier Schwangerschaftswochen deshalb eine stationäre Überwachung von Mutter und Kind.


