Die Entbindung
Die ersten Wehen setzen in großen Abständen und noch unregelmäßig meist Stunden vor der Geburt ein (Eröffnungsphase). Nach und nach werden die Wehen dann heftiger, regelmäßiger und kommen in immer kürzeren Abständen.
Die eigentlichen Geburtswehen (Presswehen) kommen dann regelmäßig etwa alle fünf bis zehn Minuten, sind fest und schmerzhaft und ziehen wie starke Periodenschmerzen tief im Becken und im Kreuz. Beim ersten Baby dauert eine Entbindung von der Eröffnungsphase bis zur Austreibungsphase im Durchschnitt etwa 12 Stunden.
Es gibt also keinen Grund zu überhasteter Eile, wenn die ersten Wehen einsetzen - es sei denn, Risikofaktoren und Komplikationen (Kind in Beckenendlage, vorzeitiger Blasensprung, Plazenta praevia, Mehrlinge etc.) sind bereits bekannt. Dann sollte die Mutter bereits bei den ersten Wehen umgehend in die Klinik fahren - notfalls mit dem Rettungswagen.
Eröffnungsphase:
Während der Schwangerschaft ist der Muttermund geschlossen und der Gebärmutterhals (Zervix) relativ fest und rund zwei Zentimeter lang. Zur Öffnung des Muttermunds drückt der Kopf des Babys bei jeder Wehe fest nach unten und walzt allmählich die Zervix aus. Erst dann öffnet sich der Muttermund und die Fruchtblase springt. Schwallartig läuft dabei gut ein Liter Wasser ab, die Wehen kommen danach stärker und häufiger. In der Eröffnungsphase geht es für die Mutter darum, weich und offen zu werden. Sie unterstützt ihr Baby dabei, in den engen Geburtskanal zu gleiten.
Bei jedem tiefen Einatmen der Mutter wird auch das Kind mit frischem Sauerstoff versorgt, den es für die schwere Geburtsarbeit dringend benötigt. Die Atemtechnik erfordert jetzt eine konzentrierte Bauchatmung (keine Kopfatmung!), die die Schmerzbewältigung der rhythmischen "Wehenwellen" unterstützt - und damit den Geburtsfortschritt. Während der Eröffnungsphase ist es vielen Frauen angenehm, sich zu bewegen und umherzugehen. Während jeder Wehe können sie sich mit den Unterarmen aufstützen und den Rücken etwas rund machen: Das Baby rutscht dann besser ins Becken hinein.
Übergangsphase:
Der Muttermund öffnet sich jetzt auf rund zehn Zentimeter Breite. Damit es nicht zu Verletzungen bei der Mutter kommt, sollte dieser Prozess mit viel Ruhe ablaufen. Diese Phase ist allerdings besonders anstrengend und schmerzhaft. Deshalb werden viele Frauen jetzt reizbar und verlieren oft den Mut weiter zu machen.
Ein warmes Bad und beruhigende Massagen oder auch Schmerzmittel können jetzt bei der Entspannung helfen, die mütterlichen Kraftreserven fördern und die Anstrengung besser bewältigen lassen. Häufig wird gegen Ende dieser Phase ein Venenzugang gelegt, um im Notfall die Möglichkeit zu haben, schnell Infusionen geben zu können.
Zwischen den starken Wehen in Übergangs- und vor allem Austreibungsphase, wird das rhythmische Atmen für die Mutter oft schwierig. Jetzt unterstützt vor allem das Hecheln, das auch im Vorbereitungskurs geübt wird: Jetzt sollte die Atmung auf den oberen Brustraum konzentriert werden. Eine Hand flach auf das Brustbein gelegt hilft dabei. Der Atem sollte ungestört ein- und ausströmen. Dann folgen einige kurze und flache Atemzüge relativ schnell hintereinander. Nach dem Hecheln wieder tief durchatmen. Mit dem Hecheln kann die Mutter "über Wehen hinwegatmen", ohne pressen zu müssen.
Austreibungsphase:
Ist der Muttermund vollständig eröffnet, beginnt die letzte Phase. Die strammen Muskeln des Beckenbodens werden jetzt auseinander geschoben. Die Mutter spürt jetzt den Druck als unwiderstehlichen, reflexhaften Pressdrang. Jetzt ist es wichtig, den Hilfen und Anweisungen der Hebamme zu folgen. Sie steuert den Kopf des Babys mit sanftem Gegendruck (Dammschutz), um dem mütterlichen Damm zwischen Scheide und Darmöffnung ausreichend Zeit zur Dehnung zu geben.
Die Käseschmiere am Kopf Ihres Kindes und reichlich warmes Wasser machen Haut und Gewebe der Mutter weich und geschmeidig. Nach jeder Wehe sollte die Mutter jetzt langsam und tief bis ins Becken atmen. Der Druck auf den Damm wird dadurch erträglicher und sie kann sich kurz erholen. Der Partner kann in dieser Phase nicht nur Mut zusprechen, sondern die Mutter auch körperlich stützen, ihr den Schweiß von der Stirn wischen, ihre Lippen befeuchten oder kühle Luft zufächeln. Bereits vor der Geburt sollte klar werden, dass sich der Partner ganz auf die Bedürfnisse der Mutter einstellt und nur das tut, was sie sich im Augenblick wünscht.
Ist das Baby mit seinem Hinterkopf voran bis auf den Beckenboden geglitten, kann die Mutter den Kopf in der Scheidenöffnung spüren. Hechelndes Atmen ist für die letzten Presswehen besonders günstig, damit der Druck auf die Scheidenhaut nicht steigt. Ist der Kopf des Kindes mit dem Hinterkopf zuerst geboren, ist das Schwerste schon geschafft. Das Baby dreht sich nun spontan nach rechts oder links, um dann nacheinander die Schultern aus der Öffnung zu drehen. Die Hebamme unterstützt Mutter und Kind dabei, bis der schmale Körper völlig herausgleitet.


