Nachhilfe bei der Geburt
Wenn die Wehen auf sich warten lassen, kann die Mutter selbst etwas nachhelfen:
- Bewegung regt die Wehen an. Fast alle Frauen spüren das schon instinktiv und werden aktiv, steigen z. B. Treppen auf und ab.
- Der reife Muttermund reagiert auf Prostaglandin mit Wehen. Da in der Samenflüssigkeit dieses Prostatasekret enthalten ist, kann Sex am Geburtstermin die Wehentätigkeit fördern.
- Himbeerblättertee soll die Gebärmutter geburtsbereit machen (je eine Tasse alle vier Stunden).
Medizinische Hilfe bietet die Muttermunddehnung oder die Behandlung mit Prostaglandin. Das Mittel wird als Gel oder Zäpfchen auf den Muttermund aufgebracht. Wenige Stunden danach setzten meist die Wehen ein. Wenn trotz aller Hilfsmittel die Wehen bei sicherer Überschreitung des errechneten Geburtstermins (Übertragung) von mehr als 14 Tagen, wieder zurückgehen oder Probleme im CTG erkennbar sind, wird die Entbindung eingeleitet. Dazu wird die Mutter stationär ins Krankenhaus aufgenommen und erhält Infusionen mit wehentreibende Mittel in individueller Dosierung - oft so lange, bis das Baby geboren ist.
Die Gebärhaltung
Maßgeblich für die Gebärhaltung sollte sein, dass die Geburt des Kindes möglichst leicht wird. Wenn zur Entbindung verschiedene Haltungen möglich sind, kann die Frau diejenige wählen, die ihr aktuell am bequemsten ist - dann geht die Entbindung besonders gut voran. Im Stehen, Sitzen und Hocken wird die Schwerkraft ausgenutzt und Rücken- Bauch- und Beckenmuskulatur spielen beim Pressen harmonischer zusammen. Die Entbindung auf einem Gebärhocker ist für die Austreibungsphase physiologisch besonders günstig. Außerdem werden auf dem Hocker die Beine entlastet.
Dammschnitt: ja oder nein?
Ein Dammschnitt wird nötig, wenn der Damm zum Zerreißen fest und gespannt ist und nicht mehr weiter nachgeben kann, und wenn eine Zangen- oder Saugglockenentbindung unumgänglich ist. Der mediane (mittlere) Dammschnitt ist der kleinstmögliche und wird am häufigsten angewendet. Vom hinteren Rand der Scheide wird er direkt auf den Anus zuführt. Dabei wird nur Bindegewebe und keine Muskulatur durchtrennt.
Der medio-laterale (mittel-seitliche) Dammschnitt geht vom hinteren Scheidenrand schräg in Richtung Oberschenkel. Er eröffnet die Scheide weiter als der mediane, durchtrennt dabei aber Anteile der Muskulatur.
Wenn das Baby Hilfe braucht
Manchmal ist gegen Ende einer Entbindung Eile geboten, wenn sich beispielsweise die kindlichen Herztöne stressbedingt verlangsamen. Zur Unterstützung wird das Baby dann mithilfe der so genannten Saugglocke (Vakuumextraktor) oder der Geburtszange (Forzeps) "geholt".
Saugglocke und Zange dürfen aber erst dann eingesetzt werden, wenn der Kopf des Kindes schon kurz vor dem Beckenausgang steht. Ist das Baby noch nicht so weit nach unten gerutscht, muss im Notfall ein Kaiserschnitt erfolgen.
Die Saugglocke besteht aus einem handtellergroßen Schüsselchen, das der Geburtshelfer auf den Kopf des Kindes aufsetzt und über Vakuum fixiert. Mit der nächsten Wehe und gezieltem Pressen der Mutter wird das Baby dann aus dem Geburtskanal gezogen.
Die Geburtszange besteht aus zwei Löffeln, deren besondere Konstruktion den Kopf des Kindes schützt. Die Geburtshelfer leiten den Kopf des Kindes damit während einer Wehe und mit Unterstützung des mütterlichen Pressens heraus.


