Im Wochenbett
Die ersten sechs bis acht Wochen nach der Geburt stehen im Zeichen der Einstellung auf die neuen Lebensumstände.
Dabei hilft meist eine Hebamme in der so genannten Nachsorge: Sie besucht Mutter und Kind auch später zu Hause, beantwortet Fragen und gibt wichtige Tipps zum Stillen, zur Säuglingspflege. Sie überwacht die Rückbildung, Wundheilung und Brustpflege. Sechs Wochen nach der Geburt findet die Nachuntersuchung durch den Frauenarzt statt.
Der erste Schlaf nach der Geburt ist meist tief und fest. Manche Frauen sind allerdings so "überdreht", dass sie lange nicht zur Ruhe kommen. Doch sollten sie versuchen, jede Gelegenheit zum Ausruhen zu nutzen. Denn in der kommenden Zeit wird es noch viele anstrengende Stunden geben.
In der Geburtsklinik ist es möglich, das Kind im Kinderzimmer abzugeben oder das Rooming-in zu nutzen, also das Baby im eigenen Zimmer zu behalten und selbst zu versorgen. Gerade in der ersten Nacht kann es aber gut für die Mutter sein, das Baby im Kinderzimmer zu lassen, damit sie sich von den Anstrengungen der Geburt erholen kann. Die Kinderpfleger versorgen das Baby über Nacht auch mit Nahrung, bis es am nächsten Morgen wieder von der Mutter gestillt wird.
Die auffälligsten körperlichen Veränderungen betreffen die Gebärmutter: Sie zieht sich innerhalb weniger Tage von fast 30 Zentimeter Länge und 1000 Gramm Gewicht, auf gut zehn Zentimeter und ca. 50 Gramm zusammen. Besonders beim Stillen ist dieser Vorgang spürbar, denn mit dem Anlegen des Kindes beginnt es im Bauch zu ziehen. Das Hormon Oxytocin regt die Nachwehen an und unterstützt auch die Milchbildung.
An der Ablösungsstelle der Plazenta bildet sich ein Wundsekret, der Wochenfluss (Lochien). Zunächst blutet der Bereich, ähnlich einer Schürfwunde. Das Sekret geht dann in bräunlichen und nach etwa zehn Tagen in weißlichen Ausfluss über, der vier bis sechs Wochen anhält. Da der Wochenfluss häufig Bakterien enthält, sollte die Mutter auf besondere Hygiene achten: Duschen ist erlaubt, Vollbäder sollten aber vermieden werden. Nach jedem Toilettengang sollte der Genitalbereich gut mit warmem Wasser abgespült werden. Ein Sitzbad mit Kamillenlösung unterstützt eine milde Reinigung und fördert auch die Heilung eines Dammschnitts. Danach stets sorgfältig die Hände waschen.
Es ist wichtig, dass der Wochenfluss ungehindert abfließen kann. Deshalb sind nur Vorlagen oder Binden geeignet, jedoch keine Tampons. Aber Achtung: Sobald der Wochenfluss faulig oder stechend riecht, sollte umgehend eine ärztliche Untersuchung folgen. Denn Infektionen der Lochien können zum gefährlichen Kindbettfieber führen. Sie greifen schnell auf die gesamte Gebärmutter über und müssen deshalb sofort mit Antibiotika behandelt werden.
Kurz nach der Entbindung ist es wegen der Überdehnung des Gewebes noch schwierig, den Beckenboden zu kontrollieren. Nach wenigen Stunden kehren die normalen Empfindungen aber wieder - aber auch ein brennendes und wundes Gefühl im Genitalbereich. Besonders beim Wasserlassen ist das zunächst sehr unangenehm. In einem warmen Sitzbad fließt der Urin durch die entspannende Wärme leichter. Da Urin normalerweise steril und deshalb hygienisch ist, sind dabei keine Infektion zu fürchten. Regelmäßige Rückbildungsgymnastik stärkt den überdehnten Beckenboden.
Der Darm ist nach einer Entbindung meist etwas träger als zuvor. Hämorrhoiden, die oftmals durch den hohen Druck während der Entbindung entstehen, machen den Stuhlgang beschwerlich. Deshalb ist besonders während des Wochenbetts auf reichliches Trinken und ballaststoffreiche Kost zu achten.
Vielen Frauen macht ein Dammschnitt unangenehme Probleme. Ein weiches Kissen oder ein Sitzring entlasten das geschwollene und schmerzende Gewebe. Bei starken Beschwerden sind Eisbeutel, kurzzeitige warme Sitzbäder ohne Zusatzstoffe und Gels mit örtlich betäubenden Mitteln hilfreich. Dabei ist unbedingt auf Reinlichkeit zu achten, um Infektionen vorzubeugen. Deshalb: Nach jedem Stuhlgang abduschen und trocken föhnen.


