Wohin zur Entbindung?
Die Auswahlmöglichkeiten sind heute so groß wie nie zuvor: Hausgeburt, ambulante Entbindung im Geburtshaus und Krankenhaus oder die Klinikentbindung mit einigen Tagen umfassender stationärer Versorgung. Die frühzeitige Information über die regionalen Möglichkeiten erleichtert die Wahl.
Zahlreiche Geburtsvorbereitungskurse (am besten im sechsten bis siebten Schwangerschaftsmonat) finden in den Geburtskliniken statt, bei denen dann ein Termin bereits für die Kreißsaalbesichtigung reserviert ist. Aber auch das Gesundheitsamt, Familienbildungsstätten, Mütterzentren, Pro familia und andere Träger bieten Geburtsvorbereitungskurse an.
Nur etwa zwei Prozent der Schwangeren lassen sich in der häuslichen Umgebung allein von einer Hebamme helfen und gehen nur im Notfall in eine Klinik. Aus Sicherheitsgründen ist die Hausgeburt hierzulande wenig verbreitet, denn im Notfall dauert es länger bis die medizinische Hilfestellung der Klinik zur Verfügung steht. Voraussetzung für eine Hausgeburt sollte sein, dass die Schwangerschaft problemlos verlaufen ist und alles für eine problemlose Entbindung spricht.
Bequemer ist die Entbindung im Geburtshaus, denn sie verbindet weitgehende medizinische Sicherheit für Mutter und Kind mit einer häuslicheren Atmosphäre. Hebammen versorgen Mutter und Kind in einer wohnlichen und freundlichen Umgebung. Das breite Spektrum natürlicher Geburtshilfen steht im Vordergrund, doch auch medizintechnische Unterstützung steht zur Verfügung. Sicherheitshalber werden hier aber auch nur Schwangere aufgenommen, bei denen alles für eine problemlose Entbindung spricht. Im Notfall werden sie sofort in eine Klinik verlegt.
Die ambulante Entbindung im Krankenhaus hat sich in den letzten Jahren etabliert, doch nutzen nur rund vier Prozent der Schwangeren diese Möglichkeit. Diese Entbindungsform vereint mehrere Vorteile: Die Betreuung erfolgt durch Hebammen, doch bei Bedarf ist ein Arzt sofort zur Stelle. Für den Notfall steht das gesamte Spektrum moderner Risikogeburtshilfe ohne Verzögerung zur Verfügung. Nach einigen Ruhestunden nach der Geburt kann die Mutter mit ihrem Baby nach Hause zurückkehren. Dort wird sie zehn Tage lang täglich von der Hebamme betreut. Das Kind wird vom niedergelassenen Kinderarzt untersucht.
Rund 98 Prozent aller Kinder kommen heute in Verbindung mit einem stationären Aufenthalt in der Klinik zur Welt. Nach drei bis fünf Tagen in der Klinik verlassen die meisten Mütter mit ihren Kindern die Klinik. Das gibt der Frau Gelegenheit, sich in Ruhe von der Geburt zu erholen und auf das neue Kind einzustellen - ohne Rücksicht auf Haushalt und Familie nehmen zu müssen, allerdings eingebunden in den Klinikalltag. Hebammen und Pflegepersonal unterstützen rundum bei der Versorgung des Kindes, beim Stillen und Nachwirkungen der Geburt. Für die ersten Untersuchungstermine (U1 und U2) steht ein Kinderarzt der Klinik zur Verfügung. Die meisten geburtshilflichen Klinikabteilungen haben sich inzwischen auf die Bedürfnisse der Frauen eingestellt, sind komfortabel eingerichtet und das Geburtshilfeteam geht möglichst flexibel auf Mutter und Kind ein.
Auch die sanfte Geburt ist heute fester Bestandteil familienorientierter Geburtshilfe in den Kliniken. Sie verbindet die Fortschritte der Schulmedizin mit der natürlichen Einstellung zur Geburt. Es stehen auch hier inzwischen unterschiedlichste Möglichkeiten wie Wannen, Bälle, Hocker, Schaukeln und Musik zur Verfügung, um den individuellen Bedürfnissen von Mutter und Kind gerecht zu werden. Die Räume sind weniger "krankenhaushaft" eingerichtet: Alles Ängstigende, Laute und Stressige wird heute vermieden. "Kalte" Medizintechnik wird nicht selbstverständlich, sondern nach Bedarf eingesetzt.


