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Gesichtsblindheit: Sogar Familienmitglieder sind einem fremd

Düsseldorf (mp). Kommt der Nachbar im Treppenhaus entgegen und grüßt nicht, sollte man sich nicht persönlich verletzt fühlen. Vielleicht hat er einen schlichtweg nicht erkannt und leidet an der sogenannten Gesichtsblindheit. Personen mit dieser Krankheit sind unfähig, bekannte Gesichter wahrzunehmen. Sogar Familienmitglieder und enge Freunde sind ihnen fremd.

Die Gesichtsblindheit ist meist angeboren und wird erst spät oder sogar gar nicht festgestellt. Schätzungen zufolge sind mindestens zwei Prozent der Weltbevölkerung von der angeborenen Blindheit betroffen. Der medizinische Name lautet "Prosopagnosie" und leitet sich aus dem Griechischen ab: "Prosopon" heißt Gesicht, und "Agnosia" bedeutet Nichterkennen.

Bei gesunden Menschen laufen bei der Betrachtung von bekannten Gesichtern innerhalb von Sekundenbruchteilen komplexe Vorgänge im Gehirn ab: An die Sehrinde werden die über das Auge eingeprägten Informationen weitergeleitet und von dort an die verschiedenen Hirnareale gesendet. Dabei registriert ein Bereich das Gesicht als solches, ein anderer Bereich sorgt für die Erinnerung an bekannte Gesichter, ein weiteres Hirnareal liefert einem das Vertrautheitsgefühl und ein zusätzlicher Bereich ordnet dem Gesicht einen Namen zu.

An der Gesichtsblindheit leidende Personen können hingegen die Information "Gesicht" nicht mit einer entsprechenden Erinnerung an einen bekannten Menschen verknüpfen. Die Patienten nehmen Gesichter nur als solche wahr und erfassen sie als Kombination aus Augen, Nase und Mund. Eine Störung des Sehapparates, Vergesslichkeit, Konzentrationsstörungen oder psychische Störungen liegen bei der Gesichtsblindheit nicht vor. Stattdessen gibt es sie in drei verschiedenen Arten: die wahrnehmende (apperzeptive), vernetzende (assoziative) oder angeborene (kongenitale) Gesichtsblindheit.

An einer wahrnehmenden Gesichtsblindheit leidende Menschen können nicht das Geschlecht oder das Alter aus einem Gesicht wahrnehmen. Außerdem sind sie nicht fähig, Emotionen in den Gesichtszügen zu registrieren. Sie sehen auch nicht, ob zwei Gesichter gleich oder verschieden sind. Bei der vernetzenden Gesichtsblindheit sind die Betroffenen zwar in der Lage, zwei Gesichter bezüglich ihrer Gleich- und Verschiedenheit zu unterscheiden, jedoch können sie die Gesichter nicht bekannten Personen zuordnen. Die angeborene Gesichtsblindheit wird als Teilleistungsschwäche angesehen. Oft wissen die Betroffenen gar nicht, dass ihnen etwas fehlt und versuchen die Menschen an Merkmalen wie Stimme, Statur, Bewegung, Frisuren, Ohren und Kleidungsstil wiederzuerkennen. Denn für sie ist es ein großes Problem, die Gesichter an bestimmten Personen festzumachen.

Auslöser für die Gesichtsblindheit sollen zum Beispiel neurologische Schäden sein, wie sie nach einem Schlaganfall oder nach einem Unfall vorkommen können. Auch Hirnverletzungen oder Hirntumore könnten dies verursachen. Bei der angeborenen Blindheit wird als Ursache ein mutiertes Gen vermutet, das die Funktionsfähigkeit der Gehirnnervenzellen steuert. Eine heilende Therapie gibt es zwar nicht, doch Betroffene können unter professioneller Leitung, beispielsweise mit Hilfe eines Neuropsychologen, die Fähigkeit erlernen, Menschen an ihren Erkennungszeichen wie Stimme, Gang, Kleidung und Frisuren auszumachen.

Für Betroffene ist das intensive Trainieren der Merkmale wichtig, damit auch sie eine Chance haben, den normalen Alltag mit ihren Freunden, Bekannten, Arbeitskollegen und Verwandten zu bewältigen und sozial nicht ausgegrenzt werden. Tanja Albat/mp

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mp Düsseldorf - Menschen mit der Krankheit Gesichtsblindheit sind unfähig, bekannte Gesichter zu wahrzunehmen. Sogar Familienmitglieder und enge Freunde sind ihnen fremd.
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