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Zurückhaltung bei Verordnung von Psychopharmaka gefordert

Düsseldorf (mp). Psychopharmaka sollten sorgsamer und in geringerer Menge verordnet werden, fordert die AOK Rheinland/Hamburg. Die Auswertung der Verordnungsdaten des Jahres 2010 zeige, dass immer mehr Patienten immer größere Mengen von Psychopharmaka wie Mittel gegen Depressionen oder psychisch stimulierende Arzneien erhalten. Dabei sehen die Experten die stark wachsende Verordnung von Antidepressiva besonders kritisch. So habe sich von 2009 auf 2010 die Zahl der antidepressiv behandelten Patienten um 21,4 Prozent und die Verordnungsmenge der Antidepressiva um 12,8 Prozent erhöht. Zudem sei bei den Verordnungen ein Trend von günstigen zu teureren Psychopharmaka festzustellen. Dadurch seien die Ausgaben der AOK Rheinland/Hamburg im genannten Zeitraum auf 101,5 Millionen Euro gestiegen und hätten erstmals die 100-Millionen-Euro-Marke überschritten.

Mit einem Anteil von 68 Prozent werden Antidepressiva überwiegend Frauen verordnet. Insgesamt erhielten 8,6 Prozent der Versicherten mindestens einmal im Jahr ein Antidepressivum verordnet. Bei den über 50-jährigen Versicherten habe 2010 der Anteil bei 10,5 Prozent gelegen. Der höchste Anteil mit über 15 Prozent sei in der Altersgruppe der 75- bis 90-Jährigen zu finden, und selbst Versicherte von über 90 Jahren wären zu 11,6 Prozent mit Antidepressiva behandelt worden. Selbst für Kinder unter fünf Jahren habe es derartige Verordnungen gegeben.

Experten befürchten angesichts des wachsenden Einsatzes von Psychopharmaka eine ähnliche Entwicklung wie bei der ADHS-Behandlung in den vergangenen Jahren. Das Aufmerksamkeits-Defizit-Hyperaktivitätssyndrom wäre bei Kindern und Jugendlichen immer häufiger ohne gesicherte Diagnose festgestellt und mit immer mehr Medikamenten behandelt worden. Erst durch eine Änderung der Richtlinie durch den gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) im letzten Jahr wurde sichergestellt, dass die Behandlung von ADHS-Patienten heute auf einer umfangreichen Diagnose und mehr psychotherapeutischer Hilfe aufbauen müsse und Medikamente das Mittel zweiter Wahl seien.

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mp Düsseldorf - Immer mehr Menschen bekommen Psychopharmaka verordnet.
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